Produktion: Eyeworks Egmond / Armada Productions; Deutschland / Niederlande 2008 – Regie: Pieter Verhoeff – Buch: Maarten Lebens, Pieter Verhoeff, nach dem gleichnamigen Jugendbuch von Tonke Dragt – Kamera: Jules van den Steenhoven – Schnitt: Bart van den Broek – Musik: Paul M. van Brugge – Darsteller: Yannick van de Velde (Tiuri), Quinten Schram (Piak), Hanna Schwamborn (Lavinia), Rüdiger Vogler (König Unauwen / Menaures), Lars Rudolph (Slupor), Raymond Thiry (Tiuris Vater), Rafox (Uwe Ochsenknecht) u. a. – Länge: 107 Minuten – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Zorro Film – Altersempfehlung: ab 10 J.
Nur noch eine Nacht trennt den jungen Schildknappen Tiuri von dem großen Ziel seines Vaters, Tiuri dem Tapferen, das auch zu seinem eigenen geworden ist: der Ritterschlag. Die letzte Prüfung ist vergleichsweise harmlos gegen die vorangegangenen, die der blonde Knabe mit den ernst blickenden blauen Augen bereits bestanden hat. Er muss nur noch eine Nacht in der weißen Kapelle von Dagonaut wachen, beten und schweigen. Doch die Nacht bleibt nicht ruhig. Es hämmert an der Tür, ein Fremder fleht verzweifelt um Hilfe. Ist das nur eine List, um die fünf jungen Ritterbewerber auf die Probe zu stellen? Alle sind irritiert, tun aber nichts. Tiuri hält es nicht mehr aus, will helfen – muss helfen. Er geht hinaus. Hinter ihm schließt sich die Tür. Damit ist seine Karriere erstmal beendet. Aber das große Ritterabenteuer beginnt. Vor ihm im Schmutz liegt schwer verletzt der Schildknappe des edlen Ritters Edwinem und vertraut ihm an, dass er einen Brief überbringen soll, von dem das Schicksal zweier Königreiche abhängt. Tiuri verspricht es dem Sterbenden und findet Edwinem auf einer Lichtung, ebenfalls schwer verletzt. Bevor der sein Leben aushaucht, übergibt er Tiuri den Brief für den König, schenkt ihm seinen Ring als Ausweis und sein schnelles Pferd. Das braucht er, denn schon sind ihm die feindlichen roten Ritter auf den Fersen und auch die grauen von Dagonaut, die glauben, Tiuri hätte Edwinem umgebracht.
Das ist alles sehr kompliziert und verworren, aber Tiuri weiß, was er tun muss und dafür riskiert er sein Leben. Treu an seiner Seite der gleichaltrige Piak, der sich auf unwegsamen Pfaden auskennt. Tiuri wächst mit den Gefahren und den Aufgaben, die schwerer sind, als er sie je hätte in der Ritterausbildung erlernen können, reift heran zu einem jungen mutigen Mann. Und auch von der Liebe wusste er noch nichts, bevor er dem schönen Burgfräulein Lavinia begegnete. Am glücklichen Ende kann er dem König zwar nicht mehr den Brief übergeben, aber den schicksalsschweren Inhalt vortragen, den er auswendig gelernt hatte, weil er den Brief in Gefahr und höchster Not vernichten musste, damit dieser nicht den Feinden in die Hände fällt. Der Ritterschlag ist ihm gewiss, ebenso wie die Wertschätzung seines Vaters und die Liebe Lavianas.
Der niederländische Regisseur und Drehbuchautor Pieter Verhoeff inszenierte dieses Ritterabenteuer nach dem Bestseller von Tonke Dragt, der in Holland zum "besten Jugendbuch der letzten fünfzig Jahre" gewählt wurde, als aufwändigen Kostümfilm mit edlen Jünglingen, starken Männern, finsteren Schurken und gütigen Herrschern. Er fand kongeniale Schauplätze für diese Geschichte aus längst vergangenen Zeiten, drehte in tiefen Wäldern, verschneiten Bergen, weiten Tälern, auf Schlössern und in Burgen, auf deren Marktplätzen mittelalterliches Treiben herrscht. Yannick van de Velde als Tiuri macht seine Sache gut, mit zunehmenden Gefahren gewinnt er an Profil, verkörpert glaubwürdig einen charakterstarken Knaben, der sich über aufgestellte Regeln hinwegsetzt, wenn es die Menschlichkeit gebietet, der von Freundschaft, Liebe und Treue geleitet und begleitet wird. Ja, das Leben hat eigene Gesetze, das lernt er auf seiner Mission. Tiuri ist ein Ritter im Herzen, noch bevor er den offiziellen Ritterschlag erhält.
Die orchestrale, stellenweise pathetische Filmmusik ist hörbar bemüht, den Film zum Kinoerlebnis werden zu lassen. Nur der deutsche Schlusssong, "Heute Abend bin ich bei dir", der das letzte Bild übertönt, ist absolut fehl am Platz.
Gudrun Lukasz-Aden
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