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Ausgabe 139-3/2014

BESTE CHANCE

Bild: BESTE CHANCE
© Majestic Filmverleih

Produktion: H&V Entertainment / Lieblingsfilm / BR; Deutschland 2014 – Regie: Marcus H. Rosenmüller – Buch: Karin Michalke, Marcus H. Rosenmüller – Kamera: Stefan Biebl – Schnitt: Georg Söring – Musik: Gerd Baumann – Darsteller: Anna Maria Sturm (Kati), Rosalie Thomass (Jo), Volker Bruch (Toni), Ferdinand Schmidt-Modrow (Rocky), Florian Brückner (Mike), Martin Schick (Ruben), Heinz Josef Braun (Jos Vater), Bettina Redlich (Jos Mutter), Andreas Giebel (Katis Vater), Johanna Bittenbinder (Katis Mutter) u. a. – Länge: 102 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Majestic – Altersempfehlung: ab 12 J.

Kati und Jo, beste Freundinnen aus "Beste Zeit" (2007) und "Beste Gegend" (2008), haben sich aus den Augen verloren. Kati ist unzufrieden mit ihrem derzeitigen Leben und fühlt sich von der bevorstehenden Prüfung an der Uni München zunehmend überfordert. Jo hingegen, auf Selbsterfahrungstrip in Indien, scheint es gut zu gehen in der Ferne. Gelegentlich erhält Kati eine Postkarte, doch als sie eines Tages auf ihrer übervollen Mailbox Jos flehentliche Hilferufe hört, gerät sie in Panik. Jo muss gerettet werden! Sofort fährt Kati heim ins Dachauer Land, nach Tandern, und versucht, ihre alte Clique zu aktivieren. Eine naive Vorstellung, denn nach fünf Jahren Abwesenheit haben die Freunde von einst – Rocky, Mike, Toni – ihr eigenes Leben. Also fliegt Kati mit dem Segen der Eltern, und mit derem Geld, allein nach Indien, hin zu jenem Ashram, von dem Jo einst geschwärmt hatte. Indien zeigt sich so exotisch, wie man sich das vorstellt: Menschenmassen wuseln durch enge und staubige Straßen, alles ist bunt und laut, doch im Ashram umhüllen sanfte Klänge die Meditierenden. Katis Blick fällt auf Ruben, einen smarten Schweizer, dem sie wie vielen anderen zuvor das Foto ihrer Freundin zeigt. Auch der kennt sie nicht, hat sie noch nie gesehen, sagt er jedenfalls.

Als politische Unruhen in Indien gemeldet werden, sind die Eltern von Kati und Jo besorgt. Die Mütter beschließen, dass es Aufgabe der Väter sei, ihre Töchter wohlbehalten nach Tandern zurückzubringen. Kati ahnt von alledem nichts, während sie mit Ruben, echt ein Typ zum Verlieben, weiterzieht. In Tandern indessen taucht unversehens Jo bei ihrer alten Clique auf und erfährt, was ihre Mobilfunk-Hilferufe ausgelöst haben. Das Handy spielt eine weitere schicksalhafte Rolle, denn zufällig sieht Kati den Anruf von Jo auf Rubens Handy und hört von ihrer Freundin, dass Ruben, dieser Schuft, der Grund für Jos Verzweiflung und ihre überstürzte Rückkehr in die Heimat ist. Die bayerischen Väter, in Fernreisen ungeübt, aber unerschrocken, erleben derweil manches Abenteuer, werden schließlich all ihrer Habseligkeiten ledig, genau wie Kati, die ohne Papiere auf dem Konsulat eintrifft. Da gibt es ein unerwartetes, freudiges Wiedersehen der Ausgeraubten. Während die Mission der Väter beendet ist, startet Kati ein neues Kapitel ihres Lebens – sie nimmt sich eine Auszeit, um Klarheit  über ihre Zukunft zu gewinnen. Damit beginnt ihr eigener Trip, voll im Hier und Jetzt, und zwar in Indien.

War "Beste Zeit", der erste Teil von Rosenmüllers Heimat-Trilogie, ein feinfühliger Film über heranwachsende Mädchen und deren Gefühlslage zwischen Großstadtsog und Heimatliebe, und der bereits ein Jahr später folgende zweite Teil "Beste Gegend", Mitte der 90er-Jahre angesiedelt, auch ein wehmütiger Ausflug in die Vergangenheit, so führt "Beste Chance" aus der bayerischen Heimat hinaus. Das Team ist dasselbe geblieben. Aber die Zeitebene hat sich verschoben. Obwohl nur fünf Jahre vergangen sind, befinden sich die Protagonisten offensichtlich in der Gegenwart, wovon nicht zuletzt die mobilen Kommunikationsmittel künden. Andererseits hat Indien als Sehnsuchtsort für Freiheit und Selbsterfahrung noch den Stellenwert von einst. Im letzten Teil der Trilogie tritt die stimmige wie authentische Beschreibung von Heimat, was die vorhergehenden Filme so besonders gemacht hat, in den Hintergrund zugunsten einer exotischen, stellenweise klischeehaften, bisweilen nah am Klamauk inszenierten Handlung, eher aufgeregt als aufregend erzählt. Obwohl Kati und Jo, die überzeugenden Hauptdarstellerinnen, einem nah geblieben sind, berühren sie nicht mehr die Herzen. Zu viele Handlungsstränge, zum Beispiel Katis Begegnung mit der armen kleinen Diebin, die sie unbedingt ins Elternhaus zurückbringen möchte, als wäre dort die Welt in Ordnung, oder Jos Schwangerschaft, der Grund für ihre Verzweiflung und  überstürzte Rückkehr, führen weg von der ursprünglichen Geschichte einer tiefen Freundschaft, die Raum und Zeit mühelos überwindet.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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KJK-Ausgabe 139/2014

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