Produktion: La Lanterna Magica / Fama Film / Monipoly Productions; Italien / Schweiz 1996 – Regie: Enzo d'Alò – Buch: Enzo d'Alò und Umberto Marino, nach dem gleichnamigen Roman von Gianni Rodari – Design Figuren und Dekor: Paolo Cardoni – Animation: Silvio Pautasso – Schnitt: Rita Rossi – Musik: Paolo Conte – 90 Min. – Farbe – FSK: o. A. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Kinowelt (35mm) – Altersempfehlung: ab 5 J.
Die Zeiten sind zwar vorbei, als es zu Weihnachten den (einen) Weihnachtsfilm im Kino gab, dennoch ist mit der Trickfilmversion des 1953 als Erstausgabe erschienenen Buches "La Freccia Azzurra" 1996 der klassische Weihnachtsfilm rechtzeitig ins Kino gekommen.
Die Geschichte ist Generationen von italienischen Kindern bekannt, geht es doch um die legendäre Befana, eine Mischung aus Gräfin und guter Hexe und dazu noch Besitzerin eines Spielzeugladens, die alljährlich am 6. Januar, dem Dreikönigstag, die Kinder mit den ersehnten Spielsachen belohnt – die braven, versteht sich. Eines Jahres nun liegt Befana mit einer schlimmen Grippe im Bett und ihr Assistent, Doktor Scarafoni, hat das Sagen. Der ist weit davon entfernt, so freundlich und uneigennützig die Wünsche der Kinder in der Stadt zu erfüllen, wie es bei Befana der Brauch ist. Er lässt sich von den Eltern die gewünschten Spielsachen teuer bezahlen, und damit er seine finsteren Pläne ungestört verwirklichen kann, gießt er der guten alten Befana ein bisschen Gift in die Medizin. Seine Herrschaft halten die Spielsachen bald nicht mehr aus, sie schreiben einen Abschiedsbrief für Befana und machen sich auf den Weg. Im "Blauen Pfeil", einer phantastischen Spielzeugeisenbahn aus Blech, finden alle Platz: der Indianer-Häuptling Silberfeder, Käpt'n Halbbart, die Puppen Barbara und Carlotta und nicht zuletzt Schnuffel, der Stoffhund. Sie müssen den kleinen Francesco finden, der sich so sehr die Eisenbahn gewünscht hat, aber von Scarafoni aus dem Laden gewiesen wurde, weil er nicht das Geld dafür hatte. Mit Francescos Hilfe wollen die Spielsachen zu den Kindern, denen sie versprochen sind. Als sich ein verärgerter Vater bei Befana beschwert, weil die bezahlten Spielsachen noch nicht eingetroffen sind, Befana außerdem die Giftflasche und den Abschiedsbrief ihrer Spielsachen entdeckt, fällt sie aus allen Wolken. Selbstverständlich kommt alles zum guten Ende – und auch der kleine Francesco ist glücklich, obwohl die Eisenbahn zu einem anderen Kind gefahren ist: Hat sich doch der Stoffhund Schnuffel in einen echtes Hündchen verwandelt, das bei dem Jungen bleibt. Am Dreikönigstag ist eben alles möglich!
Mit Gefühl für Kinderwünsche und -träume hat sich der aus Neapel stammende Drehbuchautor und Regisseur Enzo d'Alò und sein Team der Legende von Befana angenommen. Es ist, als blättere man in einem alten Bilderbuch – obwohl auch bei diesem voll animierten Film die Computertechnologie eine – ergänzende – Rolle spielt. Die handgefertigten Zeichnungen der Figuren und Hintergründe in traditioneller Aquarelltechnik haben in ihrer stilistischen Einfachheit einen sehr persönlichen Stil, inspiriert vom italienischen Ambiente, in der die Geschichte spielt. Die Gesichter, nur mit wenigen Linien und Punkten markiert, drücken auf sympathische Weise den Charakter der Figuren aus, und warme Farbtöne verbreiten eine behagliche Atmosphäre. Im Zusammenspiel von visueller und akustischer Gestaltung – für die stimmungsvolle Musik zeichnet der international renommierte Musiker und Komponist Paolo Conte – entstand ein liebenswerter Zeichentrickfilm, der sich auch für das künftige Weihnachtsfilm-Repertoire empfiehlt.
Christel Strobel
DER BLAUE PFEIL im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.
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