(Interview zum Film BESCHKEMPIR)
KJK: Wie fühlt man sich als junger Darsteller, wenn man die Hauptrolle in einem Film gespielt hat, der inzwischen auf zahlreichen Festivals der Welt aufgeführt wurde und auch bedeutende Preise erhielt?
Mirlan Abdikalikow: "Es war ungewöhnlich und überraschend für mich, dass dieser Film plötzlich so große Ehrungen bekam. Ich habe eigentlich keine besonderen Gefühle, aber es ist doch sehr spannend für mich. Es ist mehr eine angenehme Spannung und auch eine gewisse Aufregung. Als Filmstar fühle ich mich deshalb jedoch nicht!"
Zum 8. Festival des Jungen Osteuropäischen Films in Cottbus erhielt der Film im letzten Jahr den Hauptpreis. Hattest Du das erfahren und jemals zuvor von der Stadt Cottbus oder diesem Festival gehört?
"Von dem Preis in Cottbus weiß ich natürlich, aber von der Stadt Cottbus und dem Festival selbst hatte ich vorher, ehrlich gesagt, noch nie etwas gehört."
Wie alt bist Du jetzt und wie alt warst Du während der Dreharbeiten zum Film?
"Bei den Dreharbeiten am Film war ich fünfzehn, jetzt bin ich siebzehn."
Hattest Du jemals zuvor bereits als Schauspieler gearbeitet?
"Meine erste Rolle hatte ich mit sechs Jahren. Es war ein Film, den mein Vater, Aktan Abdikalikow, gemeinsam mit einem anderen Regisseur drehte, der Titel war: 'Es lief ein weißer Hund'. Danach habe ich im Film meines Vaters 'Selkintschek' / 'Die Schaukel' mitgespielt. Auch in einem Dokumentarfilm mit dem Titel 'Ostanowka' / 'Haltestelle' bin ich aufgetreten. Weiter habe ich in Kirgisien in einigen Werbefilmen mitgespielt."
Wo bist Du geboren und zur Schule gegangen, welchen Beruf möchtest Du erlernen? Liegen Deine Zukunftspläne in Kirgisien oder in einem anderen Land dieser Erde?
"Ich bin in dem kirgisischen Dorf Kun-Tuu geboren, aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Gegenwärtig setze ich dort meine ganz normale Schulausbildung fort. Mein eigentlicher Berufswunsch ist Kameramann, aber dazu gibt es bei uns keine allzu gute Ausbildung. Und so möchte ich zunächst Fernsehjournalistik studieren, aber später doch noch Kameramann werden. Gegenwärtig möchte ich nicht aus Kirgisien weggehen, weil mein Vater auf Grund seines Berufes sehr viel unterwegs ist. Und zu Hause bei meiner Mutter und den beiden Schwestern muss wenigstens ein Mann bleiben."
Was glaubst Du, warum hat Dich Dein Vater für diese Rolle ausgesucht?
"Der Film erzählt die Geschichte meines Vaters, er trägt stark autobiografische Züge. Mein Vater wollte die Rolle des Jungen nur mit jemanden besetzen, der ihm sehr nahe steht, mit ihm möglichst blutsverwandt ist und sie deshalb auch gut verstehen kann. Und dafür bin letztlich eigentlich nur ich in Frage gekommen."
Bist Du selbst der Meinung, dass Du diese Rolle verstanden hast?
"Ja, natürlich, selbstverständlich!"
Zu den Dreharbeiten: Was hat Dir am meisten Spaß gemacht und was war am schwersten oder hat Dich vielleicht geärgert?
"Geärgert hat mich nichts und es gab auch nichts, was irgendwie besonders schwer war. Den meisten Spaß haben mir die erotischen Szenen gemacht, sie waren für mich am aufregendsten. Die anderen Kinder, die bei den Dreharbeiten zugegen waren, haben sich dabei geschämt und sind alle weggerannt, so dass am Schluss nur der Kameramann, der Regisseur, also mein Vater, und ich am Drehort übrig geblieben sind. Alle anderen haben sich hinter dem Hügel versteckt."
Würdest Du als Schauspieler auch für andere Regisseure als für Deinen Vater arbeiten wollen?
"Ja, mit einem bekannten oder berühmten Regisseure schon!"
Du bist mit dem Film hier in Artek zu Gast. Glaubst Du, dass ein Kinderfilmfestival das Richtige ist, denn er ist ja eigentlich ein "Erwachsenenfilm". Wie läuft er hier?
"Ich denke, es ist ein Film für alle, selbstverständlich auch für Kinder. Hier in Artek ist er bisher sehr gut angekommen und die Reaktion der Kinder war durchweg positiv. Er hat allen sehr gefallen. Auch die Fragen der Kinder waren sehr interessant, am häufigsten wurde gefragt, welche Episoden die schwersten waren."
Und Dir selbst, hat Dir der Film gefallen und warst Du mit Dir zufrieden?
"Natürlich hat er mir gefallen."
Mit Mirlan Abdikalikow sprach Volker Petzold beim 7. Kinderfilmfestival in Artek/Krim, 1999
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