Produktion: Svensk Filmindustri, Schweden 1977 – Regie: Olle Hellbom – Drehbuch: Astrid Lindgren, nach ihrem gleichnamigen Roman – Kamera: Rune Ericson – Schnitt: Jan Persson – Musik: Björn Isfält, Lasse Dahlberg – Darsteller: Staffan Götestam (Jonathan), Lars Söderdahl (Karl), Allan Edwall (Mattias), Gunn Wållgren (Sofia) u. a. – Laufzeit: 105 Min. – Farbe und s/w – FSK: ab 6 – Verleih (16mm und 35mm): atlas film + av
Dass auch Kinder sich mit Tabu-Themen wie beispielsweise dem Tod beschäftigen, weiß jeder, der sich schon mal der Kinderfrage gegenüber sah: "Was passiert, wenn ich tot bin?" Im Kinderkino allerdings haben es bisher nicht viele Autoren und Regisseure gewagt, sich diesem – zugegeben – schwierigen Thema zu nähern. Ein erfolgreicher Versuch ist die bereits vor über zwölf Jahren entstandene Verfilmung des Romans "Die Brüder Löwenherz" von Astrid Lindgren. Er behandelt das Thema in Form eines modernen Märchens. Erzählt wird die Geschichte der Brüder Karl und Jonathan Löwe(nherz), deren Liebe zueinander auch den Tod überwindet:
Ein Arbeiterviertel in Stockholm – fotografiert in Schwarzweiß. Der kleine Karl –genannt Krümel – weiß, dass er bald sterben muss. Um ihn zu trösten, erzählt ihm sein älterer Bruder Jonathan vom zauberhaften Land Nagijala und seinem wunderbaren Kirschblütental. Dort werden sie sich nach Krümels Tod wieder treffen und eine glückliche Zeit haben. Aber es kommt ganz anders. Das Haus der zwei brennt ab und Jonathan stirbt, als er mit Krümel auf dem Rücken aus dem Haus springt, um ihn zu retten. Doch bald schon folgt ihm der Kleine ins Land der Verheißung. Aber auch dies ist nicht das Paradies, als das es erscheint: Im benachbarten Dornrosental herrscht der grausame Tengil mit seinen Schwarzen Reitern und dem Monster Katla. Jonathan und Karl machen sich auf, das Land vom Tyrannen zu befreien. Nach vielen Abenteuern stellen sie Tengil zum Entscheidungskampf, und als es so aussieht, als würden sie gewinnen, holt er Katla zu Hilfe. Jonathan kann Tengil das Horn, das den Drachen kontrolliert, entwinden, und so wird der Tyrann das Opfer seiner eigenen Kreatur. Nun muss Jonathan noch Katla töten, sonst wird in Nagijala nie Frieden sein. Bei diesem Kampf wird er tödlich verwundet, und erneut scheinen die Brüder sich trennen zu müssen. Noch einmal kann Jonathan seinem Bruder Hoffnung geben: Wer hier stirbt, gelangt in das Land des ewigen Lichtes – nach Nangilima. Diesmal wird es Krümel sein, der mit seinem Bruder auf dem Rücken den entscheidenden Sprung wagt.
Der Film mit seinen klaren schönen Bildern, der dazu fast ohne Effekte auskommt, wirkt in der heutigen Zeit des Überwältigungskinos beinahe ein wenig antiquiert. Das liegt sicherlich auch an den einfachen und verständlichen Symbolen wie etwa helle Farben für das Gute und dunkle für das Böse. Aber eben die einfache, dabei wirksame Bildsprache macht den Film gerade für Kinder verständlich. Man muss dabei nicht gleich so tief in die Kiste der Interpretation greifen, wie Kritiker das bei der Erstaufführung des Films taten: So sah man Katla als Symbol der Bombe, Tengil und seine Diktatur als Sinnbild für Faschismus. Astrid Lindgren selbst hat sich immer gegen solche Interpretationen gewehrt. Für sie ist das "eine Geschichte über den Kampf um die Freiheit und die Liebe zweier Brüder". Natürlich ist es schon ein bisschen mehr. Vor allem der Versuch, abseits theologischer und sonstiger – erwachsener – Interpretationen, Kindern einen angstfreieren Umgang mit dem Tod zu ermöglichen. Der Tod wird hier als Herausforderung dargestellt, die zu bewältigen Mut erfordert.
Dieser vielschichtige Kinderfilm ist eine der besten Lindgren-Adaptionen, die deren Stammregisseur Olle Hellbom zwischen 1957 und 1982 – seinem Todesjahr – gedreht hat. Dazu tragen vor allem die magischen und wundervoll fotografierten Bilder und Landschaften des Kameramannes Rune Ericson ("Ronja Räubertochter") bei. Die Geschichte fesselt die Kinder bis zum Schluss. Kinderkino vom Feinsten: spannend, magisch und märchenhaft, ohne die Realität aus dem Auge zu verlieren. P.S.: Astrid Lindgren bezeichnete "Die Brüder Löwenherz" als ihre Lieblingsverfilmung.
Lutz Gräfe
DIE BRÜDER LÖWENHERZ im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.
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