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Ausgabe 123-3/2010

DER KLEINE NICK

LE PETIT NICOLAS

DER KLEINE NICK

Produktion: Fidélité Films; Frankreich 2009 – Regie: Laurent Tirard – Buch: Alain Chabat, Grégoire Vigneron, Laurent Tirard, nach der gleichnamigen Kinderbuchserie von René Goscinny und Jean-Jacques Sempé – Kamera: Denis Rouden – Schnitt: Valérie Deseine – Musik: Klaus Badelt – Darsteller: Maxime Godart (Nick), Vincent Claude (Otto), Charles Vaillant (Georg),  Virgile Tirard (Joachim), Valérie Lemercier (Nicks Mutter) Kad Merad (Nicks Vater), Sandrine Kiberlain (Lehrerin) u. a. – Länge: 91 Minuten – Farbe – FSK: o. A. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Central / Senator Film Verleih – Altersempfehlung: ab 6 J.

Was wollt ihr später einmal werden? Das ist das Thema der Klassenarbeit, die die beliebte Grundschullehrerin ihren aufmerksamen Schülern stellt. Und alle beginnen eifrig zu schreiben, bis auf den kleinen Nick, der zwar genau weiß, was seine Freunde Otto, Georg, Chlodwig, Frank, Roland und Adalbert werden wollen, aber für sich selbst nicht die geringste Vorstellung von später hat. Denn es gefällt ihm, wie es jetzt ist. Bei den Eltern hat er eine exklusive Stellung und wenn Mama ihm abends zärtlich die Haare bürstet, ist er absolut glücklich.

So lieb und anschmiegsam er zu Hause ist, so einfalls- und erfindungsreich ist er draußen. Als Mitschüler Joachim einen kleinen Bruder bekommt und wenig später nicht mehr in der Klasse auftaucht, reimen sich die Jungs eine Geschichte zusammen: Das Baby hat Joachim den Platz weggenommen, Liebe und Geld reichen nicht mehr aus für den Erstgeborenen, also wurde er auf die Seite geschafft, im Wald ausgesetzt wie der kleine Däumling. Für Nick verdichten sich die Anzeichen, dass auch seine Eltern auf ein Baby warten. Sind sie doch auffallend zuvorkommend zueinander und streiten kaum noch. Die Buben beraten, was zu tun sei. Der erste Plan, sich unentbehrlich zu machen, geht gründlich daneben. Also soll ein Profiverbrecher angeheuert werden. Der kostet mindestens fünfhundert Riesen. Die Lausbuben entwickeln unermüdlich Pläne, um an Geld zu kommen.

Nicks Eltern ahnen von alledem nichts, wundern sich nur, dass ihr kleiner Liebling beim Waldausflug partout nicht aus dem Wagen steigen will. Sie haben ihre eigenen Probleme. Denn Madame möchte Monsieurs Chef nebst Gattin nach Hause einladen, um eine Gehaltserhöhung zu initiieren. Für diesen bedeutenden Abend präpariert sie sich – intellektuell, kulinarisch und optisch. Das geht so gründlich daneben, dass sich Nicks Mama nur noch betrinken kann, was sie auch tut. Und so hangeln sich alle von einer kleinen Katastrophe zur nächsten. Das mit anzusehen ist im höchsten Maße vergnüglich. Am Ende des Films weiß Nick endlich, was er einmal werden möchte: mit seinen Geschichten die Menschen zum Lachen bringen. Wie René Goscinny, Schöpfer des "kleinen Nick", von "Asterix" und "Lucky Luke".

Dem Regisseur Laurent Tirard ist es mit seinem Drehbuch gelungen, von der Tochter des verstorbenen Autors René Goscinny und dem Zeichner Jean Jacques Sempé die Filmrechte ihres Bestsellers "Le petit Nicolas" zu erwerben, der seit fünfzig Jahren Generationen von Kindern und Erwachsenen in Frankreich erfreut. Im Vorspann – eine Referenz von und an Sempé – kommt der kleine Nick gezeichnet daher, wie wir ihn kennen. Die real verfilmte Geschichte spielt in der Zeit ihrer Entstehung, als kleine Jungen noch gekämmt, gescheitelt und adrett gekleidet in die Schule kamen und der Lehrerin aufs Wort folgten. Nach der Schule jedoch flüchten sie in eigene Sphären, schaffen sich Freiräume, in denen sie, unbeobachtet und unbeeinflusst von Erwachsenen, ihre Phantasie ausleben, mit allen Konsequenzen – eine kleine verschworene Bande. Das erinnert an "Krieg der Knöpfe". Regisseur Laurent Tirard: "Jeder erkennt sich in dieser ganz eigenen Mischung aus Ironie und Poesie wieder, dieser Blick, der ein sehr kindlicher ist, aber gleichzeitig mit dem Verständnis eines Erwachsenen. Sempé und Goscinny verstanden es einfach, da eine Saite anzuschlagen … einen bestimmten Duft, eine Musik einzufangen, die aus dem Buch steigt."

Und Tirard verstand es, diesen Duft ins Kino zu bringen. Mit Kad Merad als Nicks Vater, der in "Willkommen bei den Sch’tis" die Hauptrolle spielte, ist ihm ein Coup gelungen, ebenso mit Maxime Godart als kleinen Nick und Valérie Lemercier als Mama. Auch die anderen Jungs sind eine Traumbesetzung. In Frankreich avancierte "Der kleine Nick" mit 5,5 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Film des Jahres 2009.

Gudrun Lukasz-Aden

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 124-3/2010 - Interview - "Das Parfüm der Kindheit"

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DER KLEINE NICK im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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"Die Prophezeiung der Frösche"|


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