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Ausgabe 71-3/1997

DIE DICKE VERA

LARGER THAN LIFE

Produktion: Castle Rock/Turner; USA 1996 – Regie: Howard Franklin – Buch: Roy Blount jr. – Kamera: Elliot Davis – Schnitt: Sidney Levin – Musik: Miles Goodman – Darsteller: Bill Murray (Jack Corcoran), Janeane Garofalo (Mo Newman), Linda Fiorentino (Terri), Anita Gilette (Vera Corcoran) – Länge: 93 Min. – Farbe – Verleih: Concorde-Castle Rock/Turner (35mm) – Alterseignung: ab 10 J.

Die Liebe zwischen Mensch und Tier schlägt oft seltsame Kapriolen, manche Viecher – wie die "treuen" Elefanten – sind dem Homo sapiens ans Herz gewachsen. Was liegt näher, als eine dieser wunderlichen "Beziehungskisten" zu einer tierischen Komödie zu machen? Bis sich Zwei- und Vierbeiner verstehen, dauert es bei Howard Franklin eine ganze Weile. Denn der knallharte Motivationstrainer Jack Corcoran hat nur eins im Sinn: Geld. Skrupellos zockt er seine Trainingsteilnehmer ab, die glauben, etwas fürs Leben zu lernen. Als er eines Tages die Erbschaft seines Vaters an der Ostküste antreten soll, hofft er auf den großen Reibach. Leider besteht die kümmerliche Hinterlassenschaft nur aus Schulden und einer Elefantenkuh, die sich auf den ersten Blick in den Unsympath verliebt und dabei aus einem Teil des Städtchens Kleinholz macht. Um den Dickhäuter lukrativ zu verscherbeln, muss er ihn nach Kalifornien bugsieren, kein leichtes Unterfangen bei der tonnenschweren Genossin.

Quer durch die USA geht der Trip, bald sind die "dicke Vera" und der smarte Yuppie ein Herz und eine Seele, ziehen per pedes über die Landstraße, wenn es mit der Mitnahme im Auto nicht so richtig klappt. Bis der unglückliche Erbe geläutert die Lady zum Happy End nicht an eine harte Hollywood-Tiertrainerzicke verkauft, sondern generös zum Flug in die Freiheit nach Sri Lanka bringt, stolpert er von einer haarsträubenden Situation in die andere. Was "tierisch gut" als Satire auf überflüssige Psycho-Seminare und menschliches Hahn-im-Korb-Gehabe begann, entpuppt sich bald als Road Movie ohne Inspiration, die Figuren sind oberflächlich gezeichnet, Franklin setzt ein Klischee ans andere. Starkomiker Murray liefert müde Gags von vorgestern und wirkt wie ein aufgedrehter Derwisch, dass man fast nach dem Tierschutzverein rufen möchte, um die Elefantendame vor dem Nervenbündel Mensch zu schützen. Da nützt die Verzierung der hanebüchenen Story mit etwas Ökobewusstsein und der gelungenen Wandlung vom penetrant geldgeilen Paulus zum sensiblen Saulus wenig. Bei Franklins Pseudo-"Familienfilm" kommen weder Kinder noch Erwachsene auf ihre Kosten. Selbst die packenden Tierszenen und der ausgeprägte Charme der "dicken Vera" können die dümmliche Handlung nicht übertünchen. Tipp: Lieber in den Zoo gehen!

Margret Köhler

 

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Ausgabe 71-3/1997

 

Filmbesprechungen

DIE DICKE VERA| DIZZY, LIEBER DIZZY| HUNGER – SEHNSUCHT NACH LIEBE| ICH HABE AUCH EINEN PAPA| IM GULLY| IMUHAR "EINE LEGENDE"| DIE KLEINE ZAUBERFLÖTE| LOVED UP| MEISTERDETEKTIV KALLE BLOMQUIST LEBT GEFÄHRLICH| EIN SACK REIS| SCHRÄGE VÖGEL| DIE SCHWANENPRINZESSIN UND DAS GEHEIMNIS DES SCHLOSSES|

Interviews

Hammerich, Rumle - "Geburt und Tod, das macht das ganze Leben doch so spannend"| Huse, Michael F. - "Ich würde mich riesig freuen, wenn der Film den Sprung nach Amerika schafft"| Kammermeier, Steffi - "Man wird gelobt für die wunderbare Absicht, einen Kinderfilm zu machen, doch die konkrete Unterstützung dann ist eher halbherzig"| Losansky, Rolf - "Ich erzähle mit einem Augenblinzeln"| Marshall, Klaus & Jürgen - "Wir sind der Meinung, dass wir einen schönen, vorzeigbaren Familienfilm gemacht haben"| Mune, Ian - "Das Thema ist die Konfrontation mit dem Tod"|

Kinder-Film-Kritiken

Die kleine Zauberflöte|


KJK-Ausgabe 71/1997

 

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