Produktion: Crone Film Produktion / The Danish Film Institute, Dänemark 1984 -Drehbuch: Bjarne Reuter, nach seiner gleichnamigen Geschichte – Regie: Bille August – Kamera: Fritz Schrøder – Ton: Nils Bokkenheuser – Schnitt: Thomas Gilason – Musik: Bo Holten, Nanna – Darsteller: Mads Bugge Andersen (Buster), Katarina Stenbeck (Joanna) u. a. – Laufzeit: 88 Min. – Farbe – 35mm-Verleih: Nickelodeon, Am Schweizer Hof 5c, 1000 Berlin 37, Tel. 030-8011070 – empfohlen ab 6 J.
Es ist kein Zufall, dass der Junge in Bille Augusts Film an seinen Namensvetter Keaton erinnert, wobei man das oft zitierte "... der Mann, der niemals lachte" nicht auf den zehnjährigen Buster Oregon Mortensen übertragen kann. Um Mund und Augen hegt sein Sommersprossengesicht immer ein leichtes Schmunzeln.
Buster ist nicht gerade auf Rosen gebettet: Seine Eltern haben wenig Geld, so muss er als Botenjunge bei einem Lebensmittelhändler etwas dazuverdienen. Eigentlich ist er viel zu schmächtig für diese Arbeit. Und weil er eben so ein zartes Kerlchen ist, bleibt er meistens übrig, wenn seine Mitschüler eine Fußballmannschaft wählen. Aber nicht nur er steht im "Abseits", seine jüngere Schwester Ingeborg trifft es noch viel härter. Ihr Traum vom Ballett wird wohl nie in Erfüllung gehen, da sie ein krankes Bein hat. Der viel ältere Lars, dieser Aufschneider, hänselt Ingeborg, weil sie hinkt. Statt die Beschützerrolle zu übernehmen, nimmt Buster Reißaus; aber er hat schon eine Idee, auf welche Weise er Ingeborg rächen kann. Ihm fällt immer etwas ein. Das Zaubern ist seine große Leidenschaft. Die vom Großvater erlernten Tricks beherrscht er gut und setzt seine Umwelt damit in Erstaunen. – Ein Schicksalsschlag für den kleinen Buster ist der Tod seiner Nachbarin, der alten Frau Larsen, von ihr hat sich der Junge immer verstanden gefühlt. Wie er an ihrem Sterbebett steht und zärtlich ihre Hand nimmt, macht sie ihm Mut, um alles in der Welt das Zaubern nicht aufzugeben.
Der Zuschauer gerät bei diesem Film in ein ständiges Wechselbad von Mitlachen und Mitleiden, wobei tragische Situationen nicht überstrapaziert werden. Im Gegenteil, man könnte dem Regisseur vorwerfen, dass er die "Welt Busters" ein bisschen zu glatt zeichnet. Buster nimmt alle Ereignisse, die ihn zwar auch betroffen machen, letztendlich doch mit einer Schwerelosigkeit hin und bleibt Sieger trotz Niederlagen. Dass die Erwachsenen oft nur schemenhaft skizziert sind oder Klischees benutzt werden, um sie uns vorzustellen, nimmt man dem Film jedoch nicht übel. Buster ist der eigentliche Held der Geschichte von Anfang an, ob da nun ein scheinautoritärer Direktor, eine geizige alte Dame oder die pikierte Mutter Joannas auftauchen, sie bilden nur das Passepartout, aus dem Buster umso farbenprächtiger heraustritt.
Bille August verpackt eine Menge Ideen in Witz und schon in ein Stück Selbstironie, wenn er Buster und Ingeborg mit dem Vater Ferienreise-Quartett spielen lässt. Jeder von ihnen hat übergroße Spielkarten, auf die sie die Angebote der Reiseprospekte geklebt haben, in der Hand. Da sticht schon mal eine Mallorca-Reise, zwei Wochen Vollpension, einen Flug nach Teneriffa aus o. ä., für die Familie ein sowieso nicht zu realisierender Wunsch.
Ganz anders geht es da der kleinen Joanna, dem Wunderkind am Klavier, in die Buster "unsterblich" verliebt ist. Es erinnert schon ein bisschen an Romeo und Julia, wie sie in ihrem anmutig weißen Kleid auf dem Balkon steht und Buster sie anhimmelt. Aber ihre Familien sind nicht verfeindet, so wie in der klassischen Vorlage, vielmehr kennen sie sich gar nicht, denn es trennen sie Welten. Joannas Mutter achtet peinlich genau darauf, dass das auch so bleibt. Dennoch wird Buster von Joanna zur Gartenparty eingeladen. Frisch gebadet, einparfümiert, mit Sternen besteckt und noch wehendem Zauberumhang platzt Buster mitten in die festliche Runde. Wenn man so will, liegt in der Überzeichnung der Hautevolee und deren Gegenüberstellung zu "Busters Welt" der gesellschaftskritische Ansatz des Regisseurs.
Busters Auftritt wird ein voller Erfolg: Auf den zuerst gelangweilten Gesichtern der Gäste wechseln sich jetzt Entsetzen und Staunen ab. Buster zieht die Show ab, und so erntet er als Star des Abends gebührenden Applaus. Die Bestätigung für ihn ist, dass ihm auch Joanna ein Lächeln schenkt.
Sowohl die UNICEF-Jury als auch die CIFEJ-Jury bei den Berliner Filmfestspielen/KinderFilmFest 1985 vergab ihren Preis an Bille Augusts Film "Busters Welt". Letztere mit der Begründung: "... für seine menschliche Wärme, die Poesie, für den optimistischen Blick in die Zukunft sowie für das Verständnis und die Rücksichtnahme auf die Kinderwelt."
Renate Zylla
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