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Ausgabe 91-3/2002

HI, TERESKA

CZESC TERESKA

Produktion: Propaganda Film AG Warschau, für Telewizja Polska S.A.; Polen 2000/2001 – Regie: Robert Glinski – Drehbuch: Jacek Wyszomirski, Robert Glinski – Kamera: Petro Aleksowski – Schnitt: Krzysztof Szpetmanski – Darsteller: Aleksandra Gietner (Tereska), Zbigniew Zamachowski (Edek), Karolina Sobczak (Renata), Malgorzata Rosniatowska (Mutter), Krzysztof Kiersznowski (Vater) u. a. – Länge: 86 Min. – s/w – Weltvertrieb: Telewizja Polska S.A., Warschau, Tel. 004822-5476774 (oder ggf. über 3sat, Mainz) – Altersempfehlung: ab 14 J.

Ein für das polnische Fernsehen produzierter Schwarzweißfilm weckt große Aufmerksamkeit auf internationalen Festivals und gewinnt dort (inklusive Regisseur und Hauptdarstellerin) gleich mehrere Preise, darunter in Karlovy Vary 2001 allein von drei verschiedenen Jurys. Dabei entspricht dieser fast dokumentarisch wirkende, kleine Film weder den heutigen Sehgewohnheiten eines Kinofilms noch der meistens opulenten Werbefilmästhetik, die dem Schwarzweißmaterial neue Glanzlichter zu versetzen weiß. Selbst das Thema einer Heranwachsenden, die mit den typischen Problemen des Erwachsenwerdens konfrontiert wird, ist nicht neu und wurde auch im polnischen Spielfilm schon mehrfach aufgegriffen. Was den Film auszeichnet, ist allein seine herausragende Darstellerin, das trostlose, eher durchschnittlich als extrem gezeichnete Lebensumfeld und die Art und Weise, wie sie versucht, sich in diesem sozialen Milieu zurechtzufinden.

Die zarte, äußerst schüchterne Tereska wirkt fast noch jünger, als sie mit ihren 15 Jahren ist. Sie wohnt in einem Warschauer Plattenbau in ärmlichen Verhältnissen, der Vater ein Säufer, der seine Frustration als unbedeutender Streifenpolizist mitunter in blinder Zerstörungswut auslässt, die Mutter hilflos, geduldig und bemüht, die Familie irgendwie zusammenzuhalten. Nach der Geburt der jüngeren Schwester, die eigentlich ein Junge werden sollte, gerät Tereska noch mehr ins Hintertreffen. Dabei hat sie ohnehin nicht viel zu sagen, weder in ihrer Familie noch bei Außenstehenden. Ihr einziger Vertrauter ist der gelähmte Alkoholiker Edek, der ihr manchmal erlaubt, eine brennende Zigarette auf seinen tauben Beinen auszudrücken. Er tut es freilich nicht ohne Hintergedanken. Da Tereska künstlerisch begabt scheint und Modedesignerin werden möchte, meldet die Mutter sie an einer Schneiderinnenschule an. Auch dort beschränkt sich ihr sozialer Kontakt auf ein Minimum. Dennoch interessiert sich plötzlich die vorlaute, mit allen Wassern gewaschene Renata für das unsichere Mädchen. Renata raucht, trinkt, sucht gezielt nach Männerbekanntschaften und hat offenbar Geld. Tereska gerät immer mehr unter den Einfluss der falschen Freundin, schwänzt die Lehre, gerät auf die schiefe Bahn, greift zur Gewalt. Und es gibt niemanden, der dies verhindern oder dem sie sich anvertrauen könnte ...

In vielen Großaufnahmen lässt Regisseur Glinski die innere Ratlosigkeit und Zerrissenheit des Mädchens auf überzeugende und unspektakuläre Weise spüren, das von ihrer Umwelt kaum wahrgenommen oder allenfalls als Projektionsfläche eigener Bedürfnisse benutzt wird. Tereskas gleichaltrige Kontaktpersonen reden im Vergleich zu ihr relativ viel, aber es sind sexuelle Anspielungen bei Jungen, spitze Bemerkungen bei den Mädchen, ausgetauschte Belanglosigkeiten, niemals geht es um echte Gefühle, eigene Befindlichkeiten. Wirkliche Orientierungspunkte fehlen in dieser demonstrativ vorgeführten Zweiklassengesellschaft, in der die "Armen" stumm und mittellos bleiben und die "Reichen" die anderen offensichtlich auch noch bestehlen und sie an der Nase herumführen. Und da Tereskas Leben so farblos, grau, eintönig und hoffnungslos ist, kann auch der Film konsequenterweise nur in Schwarzweiß sein. Nur am Ende, als sie in letzter Verzweiflung bereits zurückgeschlagen hat, wird sie plötzlich wahrgenommen: Hi, Tereska!

Die Realität hat diesen Film inzwischen auf bedrückende Weise überholt. Auch in ihrem wirklichen Leben ist die Hauptdarstellerin straffällig geworden und sitzt nun im Gefängnis. Unterdessen läuft "ihr" Film in den polnischen Kinos ...

Holger Twele

 

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Filmtitel - "H":

 

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KJK-Ausgabe 91/2002

 

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