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Ausgabe 130-2/2012

DAS HAUS DER KROKODILE

Produktion: Rat Pack Filmproduktion / Viafilm; Deutschland 2011 – Regie: Philipp Stennert, Cyrill Boss – Buch: Philipp Stennert, Cyrill Boss, Eckhard Vollmar, nach dem gleichnamigen Roman von Helmut Ballot – Kamera: Philip Peschlow – Schnitt: Connie Strecker – Musik: Christoph Zirngibl, Helmut Zerlett – Darsteller: Joanna Ferkic (Cora), Kristo Ferkic (Viktor), Vijessna Ferkic (Louise), Christoph Maria Herbst (Friedrich Debisch), Thomas Ohrner (Viktors Vater), Gudrun Ritter (Frau Debisch) u. a. – Länge: 91 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – FBW-Prädikat: besonders wertvoll – Verleih: Constantin – Altersempfehlung: ab 8 J.

Viele Kinderkinomacher setzen auf Nummer sicher und verfilmen bekannte Vorlagen oder realisieren Remakes. So auch der Produzent Christian Becker, der mit "Wickie und die starken Männer" einen der erfolgreichsten Kinderfilme der letzten Jahre hergestellt hat und die "Vorstadtkrokodile"-Trilogie initiiert hat. Diesmal beauftragte er das Regieduo Cyrill Boss und Philipp Stennert, den Kinderroman "Das Haus der Krokodile" (1971) von Helmut Ballot erstmals fürs Kino zu adaptieren. 1975 hatte die ARD den Stoff bereits in einem Sechsteiler verarbeitet. Damals spielte Thommy Ohrner den kleinen Helden, diesmal ist der inzwischen 46-Jährige in einem Kurzauftritt als dessen Vater zu sehen.

Der elfjährige Viktor Laroche ist mit seiner Familie gerade in die alte, unheimliche Villa seines Großonkels gezogen, der sich ins Altersheim zurückgezogen hat. Als die Eltern auf Geschäftsreise gehen, sollen Viktors ältere Schwestern Cora und Louise auf ihn aufpassen, doch die haben Anderes im Kopf. So kann Viktor durch die vollgestellten Räume streifen, wo er auf düstere Masken, antike Waffen, alte Fotos und ein kleines ausgestopftes Krokodil stößt, das sein Onkel von der Großwildjagd in Afrika mitgebracht hat. Als der Junge eines Nachts in den Spiegel schaut, huscht eine dunkle Gestalt durch das Zimmer. Einbrecher oder Geist? Von dem Lärm beunruhigt, eilen die strenge Nachbarin Frau Debisch und ihr seltsamer Sohn Friedrich herbei. Sie halten den Einbrecher für ein Hirngespinst des passionierten Lesers von Detektivgeschichten. In einem verbotenen Zimmer entdeckt Viktor kurz darauf in einer Geheimschublade das Tagebuch seiner Großcousine Cäcilie, die vor vier Jahrzehnten auf rätselhafte Weise im Treppenhaus zu Tode stürzte. Die Zeichnungen im Tagebuch scheinen auf ein Geheimnis hinzudeuten, das mit dem Tod des elfjährigen Mädchens zusammenhängt. Als sich zeigt, dass auch der Einbrecher hinter dem Tagebuch her ist, gibt Viktor keine Ruhe, bis er das Mysterium aufgeklärt hat.

Boss und Stennert sowie ihr Co-Autor Eckhard Vollmar kombinieren in ihrem spannenden Kinderkrimi geschickt Genremuster des Gruselfilms mit Spukhaus und phantastischer Schatzsuche. Gerade indem sie aus der Sicht Viktors erzählen, können sie die kindliche Abenteuerlust mit einer Spurensuche verknüpfen, die es dem Außenseiter ermöglicht, eigene Ängste zu überwinden. Die geradlinige Erzählweise macht deutlich, dass es den Filmemachern nicht um ästhetische Innovationen geht, sie wollen vielmehr mit konventionellen Mitteln effektiv unterhalten. In ihrem "Grusel-Film für Kinder" nutzen sie reichlich typische Gestaltungsmittel wie knarrende Dielen, düstere Keller, staubige Speicher, Geheimverstecke und undurchsichtige Nebenfiguren, aber nie so heftig, dass Kinoneulinge überfordert wären.

Dazu passt die wirkungsvolle Lichtsetzung des Kameramanns Philip Peschlow, die die Grenze zum Horror stilsicher wahrt, und eine Tongestaltung, die effektiv Spannung generiert, ohne zu plakativ zu werden. Obwohl die Vorlage in die siebziger Jahre zurückreicht, setzt die Inszenierung auf einen eher zeitlosen Look. Auch sonst verzichten die Regisseure auf vordergründige Trickeffekte oder moderne Popsongs, sie konzentrieren sich lieber auf die zugkräftige Story um den introvertierten Hobby-Detektiv. Mit dem Geschwistertrio Kristo, Joanna und Vijessna Ferkic haben sie drei kameraerfahrene Talente engagiert, die geschwisterliche Reibereien aus eigener Erfahrung kennen und lebensechte Dialoge sprechen. Die Erwachsenenfiguren sind deutlich stärker typisiert, geraten aber nicht in die Nähe von den Lachnummern oder Karikaturen, auf die Erwachsene gerne in Kinderfilmen reduziert werden. Eindrucksvoll spielt vor allem die 75-jährige Gudrun Ritter als finstere Frau Debisch.

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 130/2012

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