Produktion: LENFILM, UdSSR 1990 – Regie und Drehbuch: Witali Kanewski – Kamera: Wladimir Bryljakow – Musik: Sergej Banewitsch – Darsteller: Pawel Nasarow (Valerka), Dinara Drukarowa (Galja), Jelena Popowa (Valerkas Mutter) – Laufzeit: 105 Min. – s/w – OmU – FSK: ab 12 – Verleih: NEF 2 Filmverleih (35mm) – Auszeichnungen: Goldene Kamera Cannes 1990; Europäischer Filmpreis 1990 (Drehbuch)
Im äußersten Osten der Sowjetunion fristen im Jahre 1947 der zwölfjährige Valerka und die gleichaltrige Galja ein ebenso trostloses Leben wie die Erwachsenen. Ob sowjetische Verbannte oder japanische Kriegsgefangene, alle müssen mit den unwirtlichen Lebensbedingungen in dieser kalten, verregneten Gegend fertig werden. Das perspektivlose Dasein im Lager wird bestimmt von Hunger und Verbrechen, Lethargie und Rücksichtslosigkeit. Der aufgeweckte Valerka behauptet sich in diesen unwürdigen Verhältnissen erst durch Aufsässigkeit, dann mit Sabotageakten. So hintertreibt er den stupiden Parademarsch zum Lobpreis des Diktators Stalin, indem er die Schullatrine mit Hefe zum Überlaufen bringt. Als er daraufhin von der Schule gewiesen wird, lässt er eine Lokomotive entgleisen. Seine Mutter kümmert sich kaum um ihn, sie hat mit ihren Liebhabern genug zu tun. Dafür hilft ihm die altkluge Galja immer wieder aus der Patsche. Als der Junge ausreißt und von einer Verbrecherbande in einen Raubmord verwickelt wird, sucht sie ihn und überredet ihn zur Rückkehr. Auf dem Heimweg werden sie von den Banditen, die einen Verrat befürchten, überfallen. Galja kommt dabei ums Leben, während Valerka "nur" verletzt wird. Galjas Mutter verliert aus Schmerz über den Verlust ihres Kindes den Verstand.
In seinem ersten Spielfilm präsentiert Witali Kanewski eine stalinistische Sowjetunion, die in ihren erschreckenden Auswüchsen noch bedrückender wirkt als die Sowjetunion unter Gorbatschow, wie sie Sergej Bodrow kürzlich in "S.E.R. – Freiheit ist ein Paradies" porträtierte. Nicht nur die Situation der Lagerinsassen ist deprimierend, genauso ist auch die Stimmung von Kanewskis Schwarzweiß-Film. Die Geschichte der Außenseiter wird konsequent aus der kindlichen Perspektive erzählt. Mit seinen schonungslosen Bildern verlangt er dem Zuschauer einiges ab, vermittelt jedoch zugleich bittere Einsichten in die Auswirkungen eines totalitären Systems.
Der 1937 geborene Regisseur verarbeitete in dem geradezu dokumentarisch wirkenden Film eigene Erfahrungen. Wie der Protagonist wuchs auch Kanewski im Fernen Osten auf. Im Presseheft des Verleihs berichtet er: "Dieser Film ist die Auferstehung meiner Vergangenheit. Der Regisseur ist jemand, von dem ein Stück mit dem Film stirbt, der sich vollkommen hingibt. (...) Mein Film ist voll von all der Zärtlichkeit und Unverdorbenheit, die ich mir von meiner ersten Liebe und meiner Kindheit bewahrt habe. Meine Biographie spiegelt sehr genau die Geschichte der Sowjetunion wieder: Waisenhaus, Entbehrungen, Gefängnis, Hungersnot. Mein Leben war nicht härter als das Millionen anderer."
Acht Jahre verbrachte Kanewski wegen jugendlicher "Dummheiten" im Gefängnis. Erst 1977 konnte er sein 1960 begonnenes Regie-Studium an der Moskauer Filmhochschule abschließen. Nach weiteren Reglementierungen arbeitete er als Bühnenbeleuchter und Statist. 1987 gab ihm das Leningrader Lenfilm-Studio die Möglichkeit, einen eigenen Film zu machen, nachdem sich der Regisseur Alexej German für ihn einsetzte. Der unter schwierigen materiellen Verhältnissen gedrehte Film, dessen grotesker Titel einen Kinderreim zitiert, lässt den unbedingten Ausdruckswillen Kanewskis deutlich spüren. In einem Interview sagte er: "Es ist, als ob man Ihnen die Wahl lässt, erschossen zu werden oder schneller und weiter zu laufen als die anderen, mit dem Wissen, dass der Sieger verschont wird. Ich wollte schneller und weiter laufen als alle. Ich habe diesen Film mit der lebenswichtigen Dringlichkeit eines zum Tode Verurteilten gemacht." Sein Film wurde 1990 beim Festival in Cannes mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet und erhielt im gleichen Jahr für das Drehbuch den Europäischen Filmpreis.
"Halte still, stirb, erwache" ist mit aller seiner Tristesse im sowjetischen Kino der Perestroika kein Einzelfall. Kanewskis Film steht sogar paradigmatisch für zwei Haupt-Tendenzen: die Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit und die Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Umbruchsphase. Die Geschichte spielt zwar kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, doch die geschilderte Atmosphäre einer absoluten Apathie trifft allem Anschein nach genauso gut die jetzige Situation. Wer sich vergleichbare Gegenwartsfilme wie "Das astehnische Syndrom", "Morphium – Die Nadel", "Mein Name ist Harlekin" oder "Der zweite Kreis" anschaut, dem bleibt wenig Hoffnung auf eine grundlegende Verbesserung der Verhältnisse, in denen die Sowjetbürger leben müssen.
Reinhard Kleber
HACHIKO – EINE WUNDERBARE FREUNDSCHAFT HÄNDE WEG VON MISSISSIPPI HÄNSEL UND GRETEL – 1954 HÄNSEL UND GRETEL – 2006 HÄNSEL UND GRETEL IM ZAUBERWALD HÄRTETEST DAS HÄSSLICHE ENTLEIN & ICH HALBE PORTIONEN DER HALS DER GIRAFFE HALS ÜBER KOPF HALTE STILL, STIRB, ERWACHE EINE HAND VOLL GRAS DAS HANDBUCH DES JUNGEN GIFTMISCHERS EINE HANDVOLL PARADIES HANNAH MONTANA – DER FILM HANNI & NANNI 2 HANNI & NANNI 3 HANNI UND NANNI HANS IM GLÜCK HAPPY FEET HAPPY TIMES HARD ROAD HARRIET, DIE KLEINE DETEKTIVIN HARRY POTTER UND DER FEUERKELCH HARRY POTTER UND DER HALBBLUTPRINZ HARRY POTTER UND DER ORDEN DES PHOENIX HARRY POTTER UND DER STEIN DER WEISEN HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES – TEIL 1 HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES – TEIL 2 HARRY POTTER UND DIE KAMMER DES SCHRECKENS HARUN – ARUN HASENHERZ HASS HASS IM KOPF DAS HAUS DER KROKODILE DIE HAUSSCHLÜSSEL HAVANNA STATION HEARTS IN ATLANTIS HEAVENLY CREATURES HEFFALUMP – EIN NEUER FREUND FÜR WINNIE PUUH HEIDI – 2001 DER HEIMKEHRER HEJAR – GROSSER MANN, KLEINE LIEBE HELDEN WIE WIR HENRI HENRY UND VERLIN HERCULES HERKULES UND DIE SANDLOT-KIDS HERR BELLO HERR DER DIEBE DER HERR DER RINGE – DIE GEFÄHRTEN DER HERR DER RINGE – DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS DER HERR DER RINGE – DIE ZWEI TÜRME HERR FIGO UND DAS GEHEIMNIS DER PERLENFABRIK DAS HERZ DES PIRATEN DAS HERZ VON JENIN HERZLICH WILLKOMMEN ODER UNBEFUGTEN EINTRITT VERBOTEN HERZLICH WILLKOMMEN ODER UNBEFUGTEN ZUTRITT VERBOTEN DER HERZOG HERZOG ERNST HERZSPRUNG DER HEUSCHRECK UND DIE AMEISE EINE HEXE IN UNSERER FAMILIE / EINE HEXE IN DER FAMILIE HEXE LILLI – DER DRACHE UND DAS MAGISCHE BUCH HEXE LILLI – DIE REISE NACH MANDOLAN HEXEN AUS DER VORSTADT HEXEN HEXEN HI, TERESKA HIER IST ESTHER BLUEBURGER HIER KOMMT LOLA! HILFE! ICH BIN EIN FISCH HILFE, ICH BIN EIN JUNGE! DER HIMMEL FÄLLT DER HIMMEL HAT VIER ECKEN DER HIMMEL IST MEIN HAUS DER HIMMEL IST MEIN HAUS HIMMEL UND HÖLLE – 1990 HIMMEL UND HÖLLE – 1994 HIMMEL UND HUHN HIMMELSKINDER HIN UND HER HINTER DEN WOLKEN HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND DER HOBBIT – EINE UNERWARTETE REISE DER HOBBIT – SMAUGS EINÖDE HODDER RETTET DIE WELT / HODDER DER NACHTSCHWÄRMER HODJA AUS PJORT HÖHER ALS DER HIMMEL HÖHERE GEWALT DIE HÖLZERNE KAMERA HOFFNUNG UND RUHM HOLUNDERBLÜTE HOMMAGE AU CINÉMA DIE HONIGKUCKUCKSKINDER HOOK HOP HOPPET HORIZON BEAUTIFUL HOT DOGS – WAU, WIR SIND REICH HOW ARE THE KIDS? HOWARDS HANDEL DIE HÜTER DES LICHTS HUGO CABRET HUGO, DAS DSCHUNGELTIER HUI BUH — DAS SCHLOSSGESPENST HULK DIE HUMMEL UND DER FROSCH DER HUND AUS DER ELBE HUNGER – SEHNSUCHT NACH LIEBE HUSTY