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Ausgabe 76-4/1998

DR. DOLITTLE

DR. DOLITTLE

Produktion: Davis Entertainment / Joseph M. Singer Entertainment; USA 1998 – Regie: Betty Thomas – Buch: Nat Mauldin, Larry Levin, basierend auf den Erzählungen von Hugh Lofting – Kamera: Russell Boyd – Schnitt: Peter Teschner – Musik: Richard Gibbs – Darsteller: Eddie Murphy (Dr. Dolittle), Kristen Wilson (Lisa Dolittle), Oliver Platt (Dr. Weller), Peter Boyle (Calloway), Ossie Davis (Archer Dolittle); deutsche Tierstimmen: Thomas Fritsch, Peer Augustinski, Ingolf Lück, Traudl Haas – Länge: 85 Min. – Farbe – FSK: o.A. – Verleih: Twentieth Century-Fox (35mm) – Alterseignung: ab 10 J.

In den USA hat Eddie Murphys Version des Kinderbuchklassikers "Dr. Doolittle" (doch, ja, eigentlich schreibt er sich mit zwei "o") völlig überraschend genauso hohe Einspielergebnisse erzielt wie "Godzilla". Branchenkenner munkeln, Grund dafür sei der "erwachsene Humor" gewesen, mit dem "Dr. Dolittle" jene Kids lockt, denen der Eintritt zu "Godzilla" aus Altersgründen verwehrt bleibt, die sich aber auch nicht mit "Barneys großem Abenteuer" abspeisen lassen wollten. Nun ist dieser "erwachsene Humor" natürlich nichts anderes als ein Euphemismus für die zahllosen Zoten, mit denen die schräge Arztgeschichte gespickt ist. Kurioserweise startet der Film hierzulande ohne Altersbeschränkung, und man weiß nicht, ob man sich nun wünschen soll, dass etwa ein Vierjähriger sich denken kann, warum ein Schaf nach dem "Schäferstündchen" mit schmerzendem Hintern in Dolittles Praxis kommt – oder lieber nicht ...

Aber von vorn: Schon im zartesten Alter hat John Dolittle seine Familie damit verwirrt, dass er sich am liebsten mit seinem Hund unterhielt. Zwar trieb ihm der Vater damals den Unfug erfolgreich aus, doch als etwa dreißig Jahre später – inzwischen ist er ein erfolgreicher Arzt – sein Leben in der Krise steckt, kehrt die ungewöhnliche Gabe der Rede zu ihm zurück. Die üblen Beschimpfungen eines Straßenköters, der ihm vors Auto läuft, sind nur der Anfang von Dolittles tierischen Heimsuchungen, denn als sich unter den vierbeinigen und geflügelten Bewohnern der Nachbarschaft herumspricht, dass es da einen Arzt gibt, der Tiere wirklich versteht, verwandelt sich Dolittles Wohnung prompt in einen Zoo. Und wieder gibt es Familienprobleme, denn diesmal ist es Dolittles Frau, die nicht an sein seltsames Talent glaubt – bis er im dramatischen Finale vor ihren Augen ohne Netz und doppelten Boden einen Tiger heilt.

Schon in ihrem Spielfilmdebüt, der Howard-Stern-Biografie "Private Parts", vermischte die Regisseurin Betty Thomas Schlüpfrigkeit und Komik zu gelungener Unterhaltung. Dieses ließe sich auch über ihren "Dr. Dolittle" sagen, wäre da eben nicht die Tatsache, dass diesmal nicht die ausgewachsenen Bewunderer und Hasser des amerikanischen "enfant terrible" Howard Stern, sondern Kinder im Grundschulalter ihr Zielpublikum sind. Und während es ja sein mag, dass man diese mit den braven "Doolittle"-Zeichentrickepisoden aus den Sechzigern nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann, schießen die "Modernisierungsmaßnahmen" der ansonsten sauber produzierten Komödie eindeutig über das Ziel hinaus.

Bärbel Schnell

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 17-4/1984 - Hintergrund - "Doktor Dolittle und seine Tiere"

 

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Ausgabe 76-4/1998

 

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