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Ausgabe 92-4/2002

BIBI BLOCKSBERG

Produktion: Bavaria / Ehmck Film; Deutschland 2002 – Regie: Hermine Huntgeburth – Buch: Elfie Donelly – Kamera: Martin Langer – Schnitt: Hansjörg Weißbrich – Musik: Biber Gullatz, Moritz Freise – Darsteller: Sidonie von Krosigk (Bibi Blocksberg), Maximilian Befort (Florian), Corinna Harfouch (Hexe Rabia), Katja Riemann (Barbara Blocksberg), Ulrich Noethen (Bernhard Blocksberg), Monica Bleibtreu (Walpurgia), Anja Sommavilla (Schubia), Elea Geissler (Arkadia), Christian Nickel (Tom) u.a. – Länge: 106 Min. – Farbe – FSK: o.A. – FBW: bw – Verleih: Constantin (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Seit über zwei Jahrzehnten gehören Bibi Blocksberg und ihr fliegender Besen Kartoffelbrei vor allem in Hörspielform zur festen Einrichtung unzähliger deutscher Kinderzimmer. Jetzt hat Hermine Huntgeburth eines der Abenteuer der kleinen Hexe nach einem Drehbuch ihrer Schöpferin Elfie Donnelly als Realfilm auf die Leinwand gebracht – und Regisseurin wie Autorin sind so angestrengt bemüht gewesen, ihrer illustren Darstellerriege genug zu tun zu geben.

Leinwand-Neuling Sidonie von Krosigk hat die undankbare Aufgabe, der kleinen Hexe, die als festes Bild in den Köpfen mehrerer Kindergenerationen herumspukt, ihr Gesicht zu leihen, und während sie sich tapfer neben einer Reihe der populärsten Schauspieler der Republik behauptet, ist sie doch viel zu sehr das abgeklärte, rappende, H&M-tragende, eben ganz normale Mädchen, als dass es ihr gelingen würde, den Funken überspringen zu lassen. Auch Katja Riemann bringt als Bibis ebenfalls hexende Mutter Barbara Blocksberg erstaunlich wenig Charakter in ihre Rolle mit. Dagegen scheint sich Corinna Harfouch als böse Gegenspielerin Rabia an Glenn Closes Cruella DeVil orientiert zu haben und schießt bei der Darstellung der eigensüchtigen, hinterlistigen Rabia weit über das Ziel hinaus, anstatt die trockene Kühle, die sie doch ansonsten so perfekt beherrscht, hier einmal zu Gruselzwecken einzusetzen. Was bleibt also von einem Film, der dem Zuschauer die Guten nicht richtig sympathisch machen kann und ihn über die Bösen nur lachen lässt? Eine Klamotte, die über weite Strecken Längen aufweist, deutlich versucht, den Tonfall von Chris Columbus' Harry-Potter-Verfilmung zu treffen und dabei den naiven Charme der eigenen Vorlage – vielleicht mit Absicht? – ganz vergisst.

Die Geschichte selbst, in der Bibi für einen tapferen Rettungseinsatz vorzeitig durch die Verleihung einer Kristallkugel zur vollwertigen Hexe erklärt wird und damit die Wut der eitlen Rabia erweckt, die ausgerechnet in dieser Kugel eine gestohlene Hexenformel versteckt hat – sie ist ein nach Schema gestricktes Abenteuer ohne Überraschungen oder besonderen Witz, allerdings doch mit genügend familiären Problemverwicklungen und gruseligem Effektzauber, dass sich die Frage stellt, ob die FSK, die den Film ab null Jahren freigegeben hat, wirklich dieselbe Fassung gesehen hat wie das Publikum.

Bärbel Schnell

 

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Ausgabe 92-4/2002

 

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