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Ausgabe 51-3/1992

PETER PAN – 1953

Produktion: Walt Disney Pictures, USA 1953 – Regie: Hamilton Luske, Clyde Gironimi, Wilfred Jackson – Buch: Ted Sears, Joe Rinaldi u. a., nach dem Theaterstück "Peter Pan" von James M. Barrie – Animatoren: Wolfgang Reitherman, Milt Kahl, Frank Thomas u. a. – Schnitt: Donald Halliday – Musik: Oliver Wallace – Laufzeit: 77 Min. – Farbe – FSK: ab 6, ffr. – Verleih: Warner Bros. (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Die Ursprünge von Peter Pan reichen bis in das Jahr 1904 zurück. Der in Schottland geborene Buch- und Theaterautor James M. Barrie ersann eine Figur, die kindliche wie erwachsene Eigenschaften in sich vereint: Peter Pan, ein Junge, der nicht erwachsen werden will. Der junge Walt Disney, zu Gast in London, war von der Theateraufführung hingerissen, besonders von der Fähigkeit des Peter Pan, durch die Lüfte fliegen zu können. Nach einem kurzen Zwischenspiel auf der Bühne – Walt Disney spielte selbst Peter Pan – war die Idee einer Zeichentrickversion dieses in England populären Stoffs geboren. 1939 erwarb Walt Disney die Rechte und begann in den frühen 40er-Jahren mit der Bearbeitung. Nach "Schneewittchen" und "Bambi" sollte "Peter Pan" der dritte abendfüllende Zeichentrickfilm aus den Disney-Studios werden. Doch der Zweite Weltkrieg und damit verbundene große finanzielle Probleme legten das Projekt über zehn Jahre lang lahm. 1950 bekam der grün behütete Junge grünes Licht. Das Kreativteam der Disney-Studios, gerade fertig geworden mit "Alice im Wunderland" (1951), setzte sich an die Arbeit, begab sich ins Nimmerland, der Heimat des Peter Pan, wo dieser unerschrocken gegen Käptn Hook kämpft. – "Hook" ist Titelgeber auch für die neueste Peter-Pan-Adaption von Steven Spielberg, in den USA ein Riesenerfolg, bei uns weniger, da die Figur hier weniger bekannt ist.

Der Zeichentrickfilm von Walt Disney aus dem Jahre 1953 beginnt realistisch mit der Vorstellung der Londoner Familie Darling: Vater George, Mutter Mary, Tochter Wendy und deren beiden kleinen Brüder John und Michael und nicht zu vergessen, das "Kindermädchen", der Bernhardiner Nana. Wendy ist betrübt, hat der Vater doch beschlossen, dass diese Nacht ihre letzte im Kinderzimmer ist, da sie für alberne Kindergeschichten zu erwachsen sei. Kindergeschichten von Peter Pan, dem Knaben, der nicht erwachsen werden will, die sie Abend für Abend ihren Brüdern erzählt. Sie fühlt sich solidarisch mit Peter Pan, den sie aus nächtlichen, traumhaften Begegnungen kennt. Als die Eltern das Haus verlassen, kommt der Herbeigesehnte zum Fenster herein geflogen auf der Suche nach seinem Schatten und nimmt die Kinder mit auf eine Abenteuerreise ins Nimmerland. Peters Fee Naseweis verhilft den Kindern mit ein bisschen glitzerndem Zauberstaub zum Fliegen – obwohl sie ziemlich eifersüchtig auf Peters neue Freundin Wendy ist. Sie gelangen zur Schatzinsel, wo Käptn Hook mit seinen Piraten schon auf den Kampf mit Peter Pan wartet. Die Nacht der Abenteuer, Gefahren und Überraschungen endet dort, wo die Geschichte ihren Anfang nahm: im Haus der Familie Darling.

Das alles wird auf arglose, schlichte, von keinen pädagogischen Ambitionen getrübte Weise ganz im Denken der 50er-Jahre erzählt: Mädchen sind weibliche, Jungen sind männliche Wesen, Indianer sind Rothäute, die man skalpiert, weil man sonst am Marterpfahl landet, Seeräuber werden abgeschlachtet. Die deutsche Synchronisation in Dialog und Gesang tut ihr Übriges. In mancher Szene traut man seinen Ohren und Augen nicht ob dieser Weltsicht. Andererseits ist der Film ein Zeitdokument, und so ist es nur konsequent, dass die Synchronisation aus dem Jahre 1953 für die Wiederaufführung in 1992 beibehalten wurde. Trotz dieser Einwände hat Disney's "Peter Pan" einen naiven Charme, ist originell, phantasievoll, liebevoll gezeichnet – wie man es von den Disney-Filmen der frühen Jahre kennt. Pädagogische Bedenken sind ob dieser Gewalt im Zeichentrickfilm nicht angesagt, da Kinder von heute sich gern auf einen Ausflug ins Gestern mitnehmen lassen. Anders als bei Spielbergs "Hook" braucht es bei Disney keine Vorkenntnisse über Peter Pan und seinen Mythos. Auch Uneingeweihten wird die Figur nahe gebracht.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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Ausgabe 51-3/1992

 

Filmbesprechungen

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