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Ausgabe 69-1/1997

NAPOLEON – ABENTEUER AUF VIER PFOTEN

NAPOLEON

Produktion: Film Australia Herald ACE / Furry Features Films; Australien 1996 – Regie: Mario Andreacchio – Buch: Mario Andreacchio, Michael Bouchier, Mark Saltzman – Kamera: Roger Dowling – Schnitt: Ted McQueen-Mason – Musik: Bill Conti – 80 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Jugendfilm (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Kleine Kinder überschätzen schon einmal gerne ihre eigenen Möglichkeiten. Warum soll es da einem Golden Retriever-Welpen anders ergehen? Zumal die Filmemacher in "Napoleon – Abenteuer auf vier Pfoten" ihrem Hunde-Helden sehr menschliche Züge verliehen haben. Das Unglück beginnt schon beim Namen. "Krümel" ruft die stolze Hunde-Mutti ihr zehn Monate altes Baby. Doch "Krümel" – was für ein Name für einen denkenden Hund, der sich eher als "Napoleon" sieht, der die Welt erobert.

Die Welt, das ist in diesem Fall die Buschlandschaft jenseits der Stadtgrenzen von Sydney in Australien. Und für Krümel, pardon, Napoleon ist die Wildnis voller Gefahren. An erster Stelle bedroht ihn allerdings eine verwilderte Stadtkatze, ein schwarzes Ungeheuer, das im rauen Busch den Verstand verloren hat und alles, was da kreucht und fleucht, für unterschiedlich große Mäuse hält. Ganz anders der wilde Galah-Vogel Birdo, der sich eher als übervorsichtig krächzender Freund erweist und Napoleon immer wieder aus der Patsche hilft.

Regisseur Andreacchio, im australischen Kino und Fernsehen zuhause, hat einen Tierfilm für Kinder gedreht, eine phantasievolle Story, die er zunächst für seine eigenen Kinder erfand und die auf ihre Art durchaus mit der des später entstandenen "Schweinchen Babe" konkurrieren kann. Natürlich sind die putzigen, sprechenden Tierchen für ernsthafte Zoologen unnatürlich vermenschlicht. Doch für die Filmemacher, die für die Rolle des Napoleon 64 schnell wachsende Hunde-Welpen, die einander möglichst wie ein Ei dem anderen gleichen mussten, nacheinander beschäftigten, galten andere Herausforderungen.

Die Tiere – und es fehlt keines der exotischen Exemplare zwischen Kolabär, Echse, Spinne und Schlange, die der australische Kontinent zu bieten hat – bewegten sich in der überwältigenden Landschaft, während die filmische Reise von der grünen Küste ins rote Wüsten-Innere des Landes ging. 34 Wochen – andere Filme entstehen eher in 34 Tagen – wurde mit einem kleinen Team gedreht, während Napoleon laut Script die Elemente der Natur kennen lernt: Erde, Feuer, Wasser, Luft. Dabei passten die Filmemacher immer wieder ihr Drehbuch dem nicht vorauszuberechnenden Verhalten der Tiere an. Dann wurde der Film geschnitten und erst danach die Dialoge von Mark Saltzman geschrieben. Zum Schluss sorgte Alt-Meister Bill Conti mit seiner Musik für die notwendige Emotion.

Das Ergebnis ist ein Film mit Witz und Spannung, in dem sich die Kinder mit ihrem Helden Napoleon identifizieren können. Und wenn am Ende ein tollpatschiger Baby-Pinguin davon faselt, er sei "Conan, der Killer"-Pinguin, dann haben die Zuschauer mit Napoleon bereits gelernt, wohin ungebremster Größenwahn im Comic-Stil führen kann.

Bodo Fründt

 

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Ausgabe 69-1/1997

 

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