Zum Inhalt springen

Ausgabe 43-3/1990

NILS KARLSSON DÄUMLING

NILS KARLSSON PYSSLING

NILS KARLSSON DÄUMLING

Produktion: AB – Svensk Filmindustri / SVT 1, Schweden 1990 – Regie: Staffan Götestam – Drehbuch: Astrid Lindgren, nach ihrer Kurzgeschichte – Kamera: Rolf Lindström, Roland Sterner – Musik: Anders Berglund – Darsteller: Oskar Löfkvist (Bertil), Jonathan Lindoff (Nils), Britta Pettersson (Mutter), Charlie Elvegard (Vater), Ulla Sallert (Hulda) – Laufzeit: 72 Min. – Farbe – Weltvertrieb: AB Svensk Filmindustri – Altersempfehlung: ab 6 J.

Der fünfjährige Bertil muss allein zu Hause bleiben, wenn Vater und Mutter am Morgen zur Arbeit in die Fabrik gehen. Er spielt ein bisschen hier und ein bisschen da, aber mit Tante Hulda, die im 1. Stock wohnt, hat er schon gar keine Lust mehr zu spielen – so muss sie mit ihrer Katze "Mensch-ärgere-dich-nicht" spielen. Der kleine Bertil ist sehr allein und sehr traurig, und wenn er an seine Schwester Märta denkt, die an einer schweren Krankheit gestorben ist, wird er noch trauriger. Doch plötzlich klettert ein klitzekleines Wesen, nicht größer als ein Daumennagel, aus dem Mauseloch unter Bertils Bett und stellt sich ihm als Nils Karlsson vor. Die beiden Jungen sind zwar unterschiedlich groß, teilen aber das gleiche Schicksal: Beide langweilen sich allein. Das hat jetzt ein Ende, denn Nils Karlsson Däumling verrät Bertil, mit welchem Trick er sich verkleinern und zur rechten Zeit auch wieder seine richtige Größe annehmen kann. Und mit dem einfachen Wort "Killevips" wechselt Bertil fortan die Größe und die Welten. Die beiden sind vollauf damit beschäftigt, aus dem kargen, schmutzigen Quartier, das Nils Karlsson von einer raffgierigen Maus gemietet hat, ein warmes, behagliches Zuhause zu machen. Bertils Eltern sind erstaunt und erfreut über die Wandlung ihres Söhnchens. Wenn sie jetzt mit dem Fahrrad am Morgen in die Fabrik fahren, winkt ihnen ein fröhlicher Junge nach, der nicht mehr allein sein muss – und Nils Karlsson mit seiner roten Däumlings-Zipfelmütze winkt vorwitzig mit, bevor er sich flugs wieder in Bertils Pullover versteckt.

"Nils Karlsson Däumling", eine Erzählung aus dem Jahre 1956, ist die jüngste Verfilmung aus dem reichen literarischen Schaffen von Astrid Lindgren, und die die erste Spielfilmregie von Staffan Götestam, der als Schauspieler begann und bei vielen Bühneninszenierungen eng mit Astrid Lindgren zusammengearbeitet hat. Seine erste Filmrolle hatte er als Jonathan in der eindrucksvollen Lindgren-Verfilmung "Die Brüder Löwenherz" (Olle Hellbom, 1977). Die Vertrautheit mit dem Werk und ein Gefühl für die Welt der Astrid Lindgren kommt Götestams Films zugute. Wie immer schrieb Astrid Lindgren auch für "Nils Karlsson Däumling" das Drehbuch selbst und erfand für den Film noch einige Figuren, die sich in der über 30 Jahre alten Erzählung nicht finden. Als wesentlichste Ergänzung ist Tjoffsan, die Furcht erregende, in Däumlings Reich überdimensionale, schwarzfellige Maus zu nennen, die dem kleinen Nils Karlsson das Leben schwer macht.

Wie die beiden kleinen Jungen diesem Untier trotzen und was sie sich ausdenken, um einander zu helfen, lässt mitfühlen, mitfürchten und mitfreuen. Zudem ist die Tricktechnik hier ganz in den Dienst der Geschichte gestellt und sorgt durch die beiden Perspektiven für Überraschung, Witz und Spaß; wenn etwa die Zuckerdose, die Bertil aus der Küche mitbringt, für die beiden Wichte in Nils Karlssons Behausung zur Badewanne wird, die beiläufige Bemerkung von Bertil aber, dass er in der Zuckerdose gebadet habe, beim Vater amüsierte Ungläubigkeit auslöst. So liebevoll im Detail die Ausstattung (wobei der Film in etwa in der Entstehungszeit der Originalerzählung angesiedelt ist), so hervorragend besetzt sind auch hier wieder die beiden Kinderdarsteller.

"Nils Karlsson Däumling", ein gefühlvoller, warmherziger Film, empfiehlt sich auch bereits für "Kino-Anfänger" (nicht zuletzt wegen seiner günstigen Länge von 72 Minuten), und so ist zu, wünschen, dass sich auch bald bei uns ein Verleih seiner annimmt – und dass bei der deutschen Synchronisation mit Behutsamkeit ans Werk gegangen wird.

Christel Strobel

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.NILS KARLSSON DÄUMLING im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

Permalink fr Verlinkungen zu dieser Seite Dauerhafter, direkter Link zu diesem Beitrag


Ausgabe 43-3/1990

 

Filmbesprechungen

300 MEILEN BIS ZUM HIMMEL| HEXEN HEXEN| DAS LÄCHELN DER SONNE| LIEBLING, ICH HABE DIE KINDER GESCHRUMPFT| DIE MAUERBROCKENBANDE| DIE MINISTRANTEN| NILS KARLSSON DÄUMLING| RÜCKWÄRTS LAUFEN KANN ICH AUCH| DIE SCHATZINSEL| SHALOM GENERAL| WARUM?|


KJK-Ausgabe 43/1990

 

Anzeigen:

Einzelne Ausgaben:

Filmtitel nach Alphabet:

Zusatzmaterialien:

Volltext-Suche:

 

 


Sonderausgaben bestellen!