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Ausgabe 93-1/2003

DIE OLSEN BANDE JUNIOR

OLSEN BANDEN JUNIOR

Produktion: Nordisk Film Production; Dänemark 2001 – Regie: Peter Flinth – Buch: Anne-Marie Olesen, Lars Mering, Nicolaj Scherfig – Kamera: Torben Forsberg – Schnitt: Ghita Beckendorff, Line Shou Hillerbrand – Musik: Bent Fabricius-Bjerre, Søren Hyldgaard – Darsteller: Aksel Leth, Jacob Bernit, Christian Stoltenberg, Signe Lerche, Jesper Langberg, Ellen Hilligsee u. a. – Länge: 85 Min. – Farbe, 35mm – Verleih: Arsenal – Altersempfehlung: ab 8 J.

Der dänische Waisenjunge Egon Olsen, der in einem Kinderheim aufwächst, ist nicht auf den Kopf gefallen. Nun hat er sich einen besonderen Plan ausgedacht: Er will adoptiert werden. Natürlich nicht von gewöhnlichen Mittelstandseltern, sondern von einem richtig reichen Paar. Mit der Unterstützung seiner beiden Freunde Benny und Kjeld kann Egon seinen Plan in die Wirklichkeit umsetzen. Überglücklich sitzt er im Rolls Royce seiner scheinbar millionenschweren Adoptiveltern und freut sich auf sein neues Leben. Doch bald muss er erfahren, dass seine neuen Eltern ein geheimes Weltraumprojekt leiten und ihn für eine Million Kronen vom Heimleiter gekauft haben, um ihn als Versuchskaninchen an Bord einer Rakete ins Weltall zu schicken. Egon fühlt sich betrogen und flüchtet trotz der strengen Bewachung aus dem Labor. Das einzige, was er jetzt noch will, ist die Million. Wird er das Geld bekommen und wird er den Abschuss der Rakete ins Weltall verhindern können?

In seinem zweiten langen Kinospielfilm variiert der 1964 geborene dänische Regisseur Peter Flinth, der 1997 mit seinem Kinderabenteuerfilm "Das Auge des Adlers" einen erfolgreichen und viel beachteten Einstand gegeben hatte, auf geschickte Art den populären Olsenbande-Stoff. Den jungen und alten Fans der eigenwilligen Kultfiguren beschert er das Vergnügen, drei halbwüchsige "Nachfolger" der Olsens bei ihren Abenteuern begleiten zu können. Zuletzt war im November 1999 der vierzehnte und zugleich letzte Film mit dem beliebten Ganoventrio aus Dänemark in den deutschen Kinos angelaufen. Eine beachtliche Leistung nach einer 17-jährigen Leinwandpause in Deutschland! "Der (wirklich) allerletzte Streich der Olsenbande" kam nach seinem Erfolg in Ostdeutschland nach einigen Wochen auch im Westen heraus. Dort hatten die Olsenbande-Filme aber nie den Kultstatus erreicht wie in der DDR und später auch in den neuen Bundesländern.

Nach dem 14. Olsen-Film hatte sich die bewährte Machart aber erledigt, denn Regisseur, Hauptdarstellerin und Hauptdarsteller waren gestorben und Ove Sprogoe, der letzte große Star der Serie, wurde allmählich zu alt. Ebenfalls aus Altersgründen konnte Erik Balling, der "Erfinder" des Gauner-Trios, nur noch beratend tätig sein. In dieser Situation erinnerte man sich an die Verjüngung des ältlich gewordenen schwedischen Genre-Pendants "Jönssen-Bande", deren Ganoven-Hauptdarsteller einfach in Kinder verwandelt wurden und als "Kleine Jönssen-Bande" 1996/97 erfolgreich auftraten.

Nach diesem Muster fertigte der dänische Fernsehsender TV2 für das Vorweihnachtsprogramm 1999 den sogenannten "Julkalender" (Weihnachtskalender), 24 kurze Folgen mit einer 'kleinen' Olsenbande. Nachdem diese verjüngte Olsenbande auf eine große Resonanz gestoßen war, entschied die Produktionsfirma Nordisk, das Konzept um eine Kinofassung zu erweitern. Vor allem für Kenner der alten Olsenbande-Filme ist es reizvoll zu beobachten, wie Flinth hier die Konventionen des bekannten Figurenarsenals zugleich bewahrt und durch Überraschungsmomente innovativ überschreitet. So etwa wenn Benny und Kjeld als Kleinausgaben der teils tollpatschigen, teils begriffsstutzigen Ganovenfreunde des erfindungsreichen Egon für lustige Situationen sorgen oder die bewährte Mixtur aus Slapstick und respektloser Freude an anarchistischen Revolten gegen verbohrte Autoritäten frische Blüten treibt. In Dänemark erreichte "Olsenbande Junior" immerhin 74.000 Kinobesucher, eine beachtliche Zahl für ein kleines skandinavisches Land.

Vor allem wenn sich in "Olsenbande Junior" die drei Jungs mit unerschöpflichem Einfallsreichtum gegen die skrupellosen Raketenbauer behaupten, sorgt der flotte Kinderkrimi für eine hohe Lacherquote. Einen beträchtlichen Schmunzelfaktor erzeugen auch die sonderbaren Zutatenlisten, die Egon seinen verblüfften Kameraden auftischt, um den nächsten Streich vorzubereiten: Da können sich schon mal Juckpulver, ein Stück alter Käse und ein Nadelstreifenanzug zu einem effektvollen Einsatzrezept vereinen. Bei der Handlungslogik und der Frage der Wahrscheinlichkeit sollten kritische Zuschauer in diesem Kinderkrimi allerdings großzügig sein. Es geht ja hauptsächlich um den Kinospaß.

Reinhard Kleber

 

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Ausgabe 93-1/2003

 

Filmbesprechungen

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