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Ausgabe 96-4/2003

WAS MÄDCHEN WOLLEN

WHAT A GIRL WANTS

Produktion: Castle Rock / Gaylord IHSl Tomorrow / Sloane Square / Warner; USA 2003 – Regie: Dennie Gordon – Buch: Jenny Bicks, Elizabeth Chandler, nach "The Princess Diaries" von William Douglas Home – Kamera: Andrew Dunn – Schnitt: Charles McClelland – Musik: Rupert Gregson-Williams – Darsteller: Amanda Bynes (Daphne Reynolds), Clin Firth (Lord Henry Dashwood), Kelly Preston (Libby Reynolds), Anna Chancellor (Glynnis Payne), Christina Cole (Clarissa Payne), Oliver James (Ian Wallace) u. a. – Länge: 95 Min. – Farbe -Verleih: Warner Bros. (35mm) – Alterseignung: ab 12 J.

Die 17-jährige New Yorkerin Daphne fliegt spontan nach London, wo sie endlich ihren Vater persönlich kennen lernen will. Ihre Mutter Libby, eine unkonventionelle Rock-Musikerin, hatte den britischen Adeligen seinerzeit kurz vor der Hochzeit verlassen, weil sie glaubte, dass seine Familie sie nicht akzeptieren würde. Der zunächst verblüffte Lord Dashwood akzeptiert das geradlinige Mädchen als seine leibliche Tochter und führt sie in die feine Gesellschaft ein, was zu etlichen amüsanten Verwicklungen führt. Seine arrogante Verlobte Glynnis und deren eifersüchtige Tochter Clarissa brüskieren die unbedarfte Daphne jedoch, wo es nur geht. In dem charmanten Musiker Ian findet Daphne einen Verbündeten, der sich mit der High Society-Etikette bestens auskennt. Doch bald muss sich Daphne entscheiden, wo sie hingehört.

Die US-Regisseurin Dennie Gordon, die mit einigen Episoden der TV-Kultserie "Ally McBeal" bekannt wurde, lehnt sich mit dem modernen Filmmärchen lose an die kurzweilige Familienkomödie "Was weiß Mama von der Liebe?" mit Rock Hudson aus dem Jahr 1958 an und kombiniert den Stoff mit dem bewährten Cinderella-Motiv zu einem zuckersüßen Unterhaltungsmenü für die lebenslustige Generation der "Bauchnabelfreien". Der Großteil des oberflächlichen Humors resultiert aus der Konfrontation der Kulturen, wobei sämtliche Klischee-Vorstellungen über das verklemmte Gebaren der britischen High Society für Gags herhalten müssen und durch nette Slapstick-Einlagen wie eine verunglückte Modenschau ergänzt werden, bei der Daphne als unfreiwilliges Amateur-Model einem konsternierten Mitglied der königlichen Familie vor die Füße fällt.

Die pausbäckige Amanda Bynes, Star einer eigenen Show im US-Kids-Sender Nickelodeon, verkörpert den romantischen Teenager voller ungestillter Vatersehnsucht und brüchigem Selbstbild mit unverbrauchtem Charme. Mit dem erfahrenen Colin Firth, der schon in dem Kinohit "Bridget Jones" einen britisch korrekten Konservativen mit Herz gab, bildet sie ein spannungsreiches Tochter-Vater-Gespann, das sich etliche Scharmützel bis zum unvermeidlichen Doppel-Happy-Ending liefert, in dem auch endlich die Romanze der Mutter ihre Vollendung erfährt.

Mit sentimentalen Liebesfilmen wie "Message in a Bottle" hat die Produzentin Denise DiNovi schon einige Erfahrung gesammelt. Mit der seichten romantischen Komödie "Was Mädchen wollen" zeigt sie, dass der Traum – vom Aschenputtel zur schönen Prinzessin mit reichem kleinen Lord – noch immer gerne geträumt wird. Über gravierende Drehbuchschwächen wie zum Beispiel die nahe liegende Frage, warum eine so emanzipierte Mutter wie Libby sich nicht längst mal ans Telefon gehängt hat und im Interesse ihrer Tochter über ihren Schatten gesprungen ist, ihren Ex-Liebhaber anzurufen, muss man sehr großzügig hinwegsehen. Oder warum das britische Weichei jenseits der ohnehin reichlich durchsichtigen Intrige des Hofstaats die temperamentvolle Musikerin einst überhaupt hat ziehen lassen, ohne wenigstens einen kleinen Versuch zu unternehmen, sie zurück zu gewinnen?

Reinhard Kleber

 

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