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Ausgabe 96-4/2003

DAS WUNDER VON BERN

DAS WUNDER VON BERN

Produktion: Linie Shark Entertainment / Senator; Deutschland 2003 – Regie: Sönke Wortmann – Buch: Sönke Wortmann, Rochus Hahn – Kamera: Tom Fährmann – Schnitt: Ueli Christen – Musik: Marcel Barsotti – Darsteller: Louis Klamroth (Matthias Lubanski), Peter Lohmeyer (Richard Lubanski), Sascha Göpel (Helmut Rahn), Lucas Gregorowicz (Paul Ackermann), Katharina Wackernagel (Annette Ackermann) u. a. – Länge: 118 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Senator (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden. Dies hat nun Sönke Wortmann, der 1994 mit "Der bewegte Mann" einen der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten schuf, eindrucksvoll bewiesen. Mit "Das Wunder von Bern" widerlegt er jenes alte Vorurteil, Spielfilme über Fußball würden hierzulande niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Kurioserweise ist seine aktuelle Arbeit auch deshalb so spannend, aufregend und mitreißend, weil sich Wortmann als ausgewiesener Fan und Ex-Fußballer – er selbst stieg einst mit der SpVgg Erkenschwick in die zweite Bundesliga auf – zurückgenommen und dafür den Regisseur in sich perfektioniert hat.

Natürlich zelebriert er trotzdem noch einmal jenes Wunder von Bern, als die Deutschen 1954 als krasse Außenseiter im WM-Endspiel Ungarn schlugen und erstmals Fußball-Weltmeister wurden. Aber damit gibt sich der 44-Jährige nicht zufrieden. Parallel dazu erzählt er auch die (Nachkriegs-)Geschichte des elfjährigen Fußball-Fanatikers Matthias Lubanski (Naturtalent: Lohmeyer-Spross Louis Klamroth), der unter der strengen Hand seines vom Krieg traumatisierten Vaters (selten so gut gesehen: Peter Lohmeyer) leidet. Gerade die Szenen zwischen Vater und Sohn zählen mit zum Intensivsten und Melodramatischsten, was man in den letzten Jahren von deutschen Produktionen zu sehen bekam. Und schließlich präsentiert Wortmann noch einen dritten Handlungsstrang, zeigt den aufstrebenden Münchner Sportjournalisten Paul Ackermann, der live von der WM berichten darf. Im Schlepptau befindet sich seine junge Frau, die Fußball so ganz und gar nicht interessiert.

Auf diese letzte Erzählebene hätte möglicherweise verzichtet werden können. Denn als Vehikel, auch Ignoranten des runden Leders von der Faszination Fußball zu überzeugen, ist es überflüssig. Und Lucas Gregorowicz bleibt als Ackermann eher blass, lässt sich von seiner Partnerin Katharina Wackernagel recht widerstandslos an die Wand spielen. Ganz im Gegensatz wiederum zu Kinodebütant Sascha Göpel, der als Helmut Rahn in seiner jugendlichen Unbeschwertheit und draufgängerischen Art an den jungen Horst Buchholz erinnert. Optisch gut getroffen auch Sepp Herberger, verkörpert von Peter Franke. Allerdings wird diese Figur ein wenig vernachlässigt und lediglich auf deren legendären Fußball-Weisheiten wie "Der Ball ist rund" und "Ein Spiel dauert neunzig Minuten" reduziert.

Nichtsdestotrotz ist Sönke Wortmann, dessen vorangegangener Film – sein Hollywood-Debüt "Der Himmel von Hollywood" – wohl nie eine deutsche Leinwand schmücken wird, mit "Das Wunder von Bern" ein kleines Kinowunder gelungen, ein großes Melodram, geschickt gespickt mit schönen Anekdoten, feinem Humor und grandiosem Sport. Vom Erfolg dieses Werks ist kurioserweise auch das Wohl und Wehe des angeschlagenen Senator Filmverleihs abhängig, genau jene Firma, die Wortmanns US-Film einen Kinostart in Deutschland bis zum heutigen Tag verweigert hat.

Thomas Lassonczyk

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DAS WUNDER VON BERN im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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