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Ausgabe 42-2/1990

NUR DER MOND SCHAUT ZU

WHAT THE MOON SAW

Produktion: Boulevard Films, Australien 1989 – Regie: Pino Amenta – Drehbuch: Frank Howson – Kamera: David Connell – Schnitt: Philip Reid – Ton: Andrew Rammage – Musik: John Capek – Darsteller: Andrew Shephard (Steven), Pat Evison (Großmutter), Danielle Spencer (Emma), Mark Hennessy (Tony/Sindbad) u. a. – Laufzeit: 97 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Bravo Entertainment Group, 110-114 Errol Street, AUS-North Melbourne, Vic 3051 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Eine alte Mimenweisheit besagt, um am Theater zu arbeiten, müsse man nicht unbedingt verrückt sein, aber besser wäre es schon. Stevens Oma hat sich ein Leben lang daran gehalten, und ihr Leben wurde davon geprägt. Eine Theaterenthusiastin, die in früheren, besseren Zeiten rauschende Erfolge auf der Bühne feierte, denen sie nun ein wenig mit Wehmut beim Billettverkauf an der Kasse nachhängt. Eine Menschenfreundin und vor allem kein Trauerkloß. Davon profitiert zuallererst ihr Enkel, den sie für ein paar Wochen vom Land zu sich in die Stadt geholt hat. Sie führt den kleinen Steven ganz selbstverständlich in die Wunderwelt des schönen Scheins ein. Und der Knabe erlebt diese Welt wie einen Traum: täglich im Parkett sitzend und immer wieder dasselbe Stück betrachtend, hinter den Kulissen das mehr oder weniger feine Intrigenspiel der Kollegen untereinander wahrnehmend, als Spiegelbild der Erwachsenenwelt in den Beziehungen zu Altersgefährten.

Regisseur Pino Amenta schickt seinen Kinderprotagonisten vorzugsweise beobachtend durch diese Glamour-Szenerie, die bei näherer Betrachtung gar nicht mehr so strahlt, sondern harte Arbeit bedeutet, wo Enttäuschung, Intrige und Trauer auch Zutaten sind, aus denen der Erfolg gemacht ist. Aber eben darin sehe ich einen Vorzug dieses stillen Films. Vorgeführt wird nämlich: Die Menschen haben einen Traum – hier ist es der vom Theater – und für den setzen sie sich ein. Sie machen ihn wahr, weil es sich lohnt, denn durch ihn leben sie. Steven -und mit ihm der Kinderzuschauer – erlebt es. Dazu bedarf es vor allen Dingen der menschlichen Solidarität. Und als die gefordert ist, wird Steven das einzige Mal selbst aktiv, auf kindlich-naive Weise zwar, aber die Aktion führt zum gewünschten Ergebnis. Traum braucht die Tat. Und die Motivation für sie kann auch Hinwendung, kann Liebe sein. Daran nun ist nichts Verrücktes. Dem kindlichen Zuschauer leuchtet dies besonders ein, er hat es noch nicht vergessen! Auch eine Ermutigung, die der Film vermitteln will. Denn Steven hat sich verliebt ...

Das ist eine freundliche Empfehlung für die ganze Familie. Die wachen, staunenden und zugleich träumenden Augen des kleinen Andrew Shephard bleiben im Gedächtnis. Amenta überfordert seinen Kinderdarsteller nirgendwo, deshalb wirkt der immer überzeugend. Pat Evison spielt eine Knuddel-Oma, die man am liebsten zur eigenen Familie zählte. Und Emmas hübsches Gesicht – es gehört Danielle Spencer – macht die Verliebtheit des Jungen nur allzu verständlich. Da stören dann auch nicht die mitunter überzogenen Figurenbeziehungen, wie die zwischen Direktor Zachary und seinen "Untergebenen". Eine gefällig-modische Musik bringt die Total-Schwenks über Australiens herrliche Landschaft erst recht zur Geltung.

Joachim Giera

 

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