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Ausgabe 46-2/1991

DER ROTE BALLON

LE BALLON ROUGE

DER ROTE BALLON

Produktion: Films Montsouris, Frankreich 1956 – Regie und Drehbuch: Albert Lamorisse – Kamera: Edmond Séchan – Musik: Maurice Le Roux – Darsteller: Pascal Lamorisse – Laufzeit: 35 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Matthias-Film (16mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Albert Lamorisse, 1922 in Paris geboren, freier Schriftsteller, kam 24-jährig erstmals mit dem Medium Film in Berührung. Während einer Reise nach Tunis begeisterte er sich so sehr an der nordafrikanischen Landschaft, dass er einen Dokumentarfilm über die Insel Djerba drehte. Es genügte ihm bald nicht mehr, nur Natur und Landschaft festzuhalten. Als nächstes drehte er den Kurzspielfilm "Bim, der Esel" 1954), die Geschichte eines kleinen Esels und zweier arabischer Jungen. Dabei zeigte sich bereits Lamorisses besondere Begabung, Geschichten in Bildern zu erzählen und poetische Stimmungen optisch auszudrücken. Sein nächster s/w-Film, "Der weiße Hengst" (1953), nahm das Thema auf, die Freundschaft zwischen einem Kind und einem Tier. Mit vielen internationalen Preisen bedacht, brachte dieser Film dem Regisseur und Produzenten Lamorisse ein kleines Vermögen ein, das er in sein nächstes Filmprojekt investierte, wieder eine Freundschaftsgeschichte, diesmal zwischen einem kleinen Jungen und zwei Bären. Doch ein Skiunfall verurteilte den Künstler zu einer einjährigen Zwangspause. Danach zog es ihn nach Guatemala, wo ihn die Farbenpracht des Landes inspirierte, Farbe als poetisches Stilmittel filmisch zu nutzen.

Das Ergebnis ist "Der rote Ballon" 1956, von Jean Cocteau als eine "Feenerzählung ohne Fee" bezeichnet. Auch in diesem Film, der in Paris spielt, steht die Freundschaft zweier ungleicher Gefährten im Mittelpunkt, die eines Jungen, dargestellt von Lamorisses neunjährigem Sohn Pascal, zu einem großen roten Luftballon, und umgekehrt. Der schwebende Freund folgt dem Jungen überall hin, was die Erwachsenen stört und die Kinder des Viertels in Unruhe versetzt. Die wollen unbedingt selbst den Ballon besitzen. Da ihnen das nicht gelingt, zielen sie mit Steinen auf ihn, bis er Luft und Leben aushaucht. Die anderen Luftballons sind über die bitterlichen Tränen des kleinen Jungen so gerührt, dass sie aus allen Himmelsrichtungen herbei geflogen kommen, aus Dachluken, Fenstern und Türen, um ihn zu trösten. Am Schluss des leisen Films, der ohne Dialoge auskommt, schweben Hunderte von bunten Ballons mit dem kleinen Jungen in die Ferne, wo es keine bösen Menschen gibt.

Albert Lamorisse entwickelte von Film zu Film eine immer ausgeklügeltere Aufnahmetechnik, ohne dabei die Sensibilität zu verlieren. Bis heute hat dieses "große Filmgedicht" (so eine zeitgenössische Kritik) nichts von seiner sanften Schönheit eingebüßt. "Der rote Ballon" bekam 1956 in Cannes die "Goldene Palme", in Hollywood einen "Oscar" und noch mehrere internationale Auszeichnungen. Mit seiner einfachen, zu Herzen gehenden Geschichte bezaubert der Film Kinder und Erwachsene in gleicher Weise; zudem ist der nostalgische Blick zurück ins Paris der 50er-Jahre reizvoll.

Vier Jahre später drehte Albert Lamorisse "Die Reise im Ballon". Bei Filmaufnahmen für ein neues Projekt in Persien verunglückte er 1970 tödlich. Sein Leitmotiv war: "Ich liebe es, Filme nach meiner eigenen Fasson zu drehen. Und ich bin nicht Regisseur oder Produzent von Beruf, sondern nur Amateur."

"Der rote Ballon", jahrelang fast vergessen, steht ab sofort für das nichtgewerbliche Kinderkino in einer guten 16mm-Kopie wieder zur Verfügung.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DER ROTE BALLON im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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