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Ausgabe 94-2/2003

DAS DSCHUNGELBUCH 2

THE JUNGLE BOOK 2

Produktion: Disney Toon Studios / Walt Disney Animation / Walt Disney Television; USA / Australien 2003 – Regie: Steve Trenbirth – Buch: Karl Geurs, Carter Crocker – Schnitt: Christopher K. Gee, Peter Lonsdale – Musik: Joel McNeely, Lorraine Feather und Paul Grabowsky (Songs) – Länge: 73 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Buena Vista – Altersempfehlung: ab 6 J.

Wir erinnern uns: Es gab einmal einen süßen Waisenjungen, der im Dschungel von Wölfen aufgezogen wurde und in dem Bären Balu und dem Panter Baghira zwei treue Freunde fand. Irgendwann zog es den kleinen Mogli jedoch in die Nähe der Menschen, in deren Dorf er dem Mädchen Shanti schließlich folgte ... Vor mehr als 35 Jahren leitete der große Walt Disney die Produktion von "Das Dschungelbuch" (Regie: Wolfgang Reitherman), dem letzten und zugleich erfolgreichsten Film seines Lebens.

Regisseur Steve Trenbirth ("Der König der Löwen 2 – Simbas Königreich") und sein Art Director Mike Peraza ("Ice Age") treten jetzt mit der lang ersehnten Hit-Fortsetzung "Das Dschungelbuch 2" ein schweres Erbe an. Schließlich haben mittlerweile zwei Generationen zusammen mit dem schlaksigen Jungen und seinen netten "wilden" Weggefährten gelacht, geweint und gezittert. Nun darf man endlich erfahren, was die ungewöhnlichen Kumpels denn mittlerweile so treiben.

Mogli ist eigentlich rundum glücklich bei den Menschen. Seine Pflegeeltern lieben ihn, mit dem kleinen Ranjan und der hübschen Shanti hat er neue Freunde gefunden. Nur manchmal packt ihn das Heimweh nach der Wildnis und den Abenteuern mit Baghira und Balu. Letztgenannter wiederum vermisst seinerseits den kleinen Mogli schmerzlichst. Als er eines Tages die Trennung nicht mehr aushält und seinen Kumpan im Menschendorf besucht, werden die beiden prompt entdeckt. Im Tumult flüchtet Balu mit Mogli in den Dschungel. Daraufhin suchen nicht nur Shanti und Ranjan die beiden, sondern auch der Tiger Shir Khan heftet sich an deren Fersen. Er brennt schließlich seit langem darauf, den verhassten Mogli endgültig unschädlich zu machen ...

Die Story klingt bekannt und das ist von den Machern durchaus beabsichtigt. Warum sollte man an der Grundkonstellation des Original-Dschungelbuchs aus dem Jahre 1967, das allein in Deutschland gigantische 27 Millionen Besucher in die Kinos lockte und damit immer noch als der erfolgreichste Film aller Zeiten gilt, etwas ändern? Und so trifft Mogli auch diesmal im Urwald überall auf alte Bekannte – auf die hinterlistige Schlange Kaa ebenso wie auf den hilfsbereiten, aber etwas tollpatschigen Elefanten Colonel Hathi, auf den dicken, übermütigen Bären-Kumpel Balu ebenso wie auf den besonnenen, fast übervorsichtigen schwarzen Panter Baghira. Die wenigen neuen Figuren fügen sich nahtlos in die Geschichte ein, sorgen sogar für gewisse Highlights.

Auch auf musikalischer Ebene setzt man auf eine Mischung aus Altbewährtem und Innovativem. So wird allein der Balu-Klassiker "Probier's mal mit Gemütlichkeit" dreimal variiert. Dafür haben The Ten Tenors einen neuartigen "Dschungel-Rhythmus" kreiert, der allerdings lange nicht an das Original herankommt. Makellos und liebevoll animiert wird es dieses Projekt aus Disneys TV-Animations-Abteilung, die zuletzt "Tiggers großes Abenteuer" und "Disneys große Pause" hervorbrachte, dennoch schwer haben, kommerziell auch nur annähernd an seinen Vorgänger heranzureichen. Das liegt zum einen an der einfachen, unspektakulären, für den Fernseh- und Videogebrauch zugeschnittenen Aufbereitung, zum anderen an den veränderten Sehgewohnheiten der Kinder, die sich für "altmodische" Stoffe und Charaktere nicht so sehr erwärmen können – siehe dazu die Peter-Pan-Fortsetzung "Neue Abenteuer in Nimmerland", die hierzulande mit etwa 600.000 Besuchern weit hinter den Erwartungen blieb.

Positiv anzumerken ist die Synchronisation der deutschen Fassung von "Das Dschungelbuch 2". Dabei bewähren sich insbesondere die beiden Kästner-Darsteller Max Felder ("Pünktchen und Anton") als Moglis Sprechstimme und François Göske ("Das fliegende Klassenzimmer") als Moglis Singstimme. Aber auch Veteranen wie Tom-Hanks-Sprecher Arne Elsholtz als Baghira und Komiker-Legende Wolfgang Spier als Kaa sind treffend besetzt. Bleibt zum Schluss noch zu vermelden, dass der Film nur 72 Minuten (inklusive sehr ausführlichem Abspann) lang ist und damit, sieht man einmal von den – allerdings kurz gehaltenen – Spannungsmomenten mit Shir Khan ab, für ein junges Kinopublikum recht gut geeignet.

Thomas Lassonczyk

 

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