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Ausgabe 100-4/2004

GIRLS CLUB – VORSICHT BISSIG!

MEAN GILRS

Produktion: Paramount / M.G. / Broadway Video; USA 2004 – Regie: Mark S. Waters – Buch: Tina Frey, nach dem Buch "Queen Bees and Wannabees" von Rosalind Wiseman – Kamera: Daryn Okada – Schnitt: Wendy Greene Bricmont – Darsteller: Lindsay Lohan (Cady Heron), Rachel McAdams (Regina George), Lacey Chabert (Gretchen Wieners), Amanda Seyfried (Karen Smith), Tina Fey (Miss Norbury), Lizzy Caplan (Janis Ian), Tim Meadows (Mr. Duvall), Amy Poehler (Mrs. George) u. a. – Länge: 97 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: UIP – Altersempfehlung: ab 14 J.

Bereits zum zweiten Mal nach der Körpertauschkomödie "Freaky Friday" zeigt der US-Regisseur Mark Waters, dass er ein Händchen für bissige Komödien mit talentierten Jungschauspielern und älteren Stars hat. Ungeachtet des irreführenden deutschen Verleihtitels ist "Girls Club" mehr als eine weitere der gängigen Teenie-Klamotten. Waters nutzt die albern-bissigen Zickenkämpfe an einer High School vielmehr auch dazu, ernste Themen wie Solidarität, Verantwortung und soziale Toleranz zu verhandeln.

Die 15-jährige Cady ist im afrikanischen Busch aufgewachsen, wo sie von ihren Eltern, einem Biologenehepaar, unterrichtet wurde. Ihre Kenntnisse der animalischen Revierkämpfe im Dschungel kann sie alsbald auf die High School anwenden, die sie nach dem Umzug nach Chicago besucht. Dort liefern sich diverse Cliquen von den Mathe-Fans bis zur Freaks-Gruppe mit der neo-punkigen Janis und dem schwulen Damian ihre Dauerscharmützel. Als unangefochtene Nr. 1 gilt jedoch die attraktive Regina als "Queen Bee". Ihrer modebewussten Plastics-Clique gehören auch die kriecherischen Ja-Sagerinnen Gretchen und Karen an. Zunächst versuchen Janis und Damian die neue Außenseiterin in ihre Bande zu integrieren, doch dann entdeckt Regina die Reize Cadys. Als sich Cady ausgerechnet in den smarten Aaron, Reginas Ex-Boyfriend, verliebt, kommt es zu Eifersüchteleien. Doch nicht nur Regina erweist sich als Meisterin des Mobbings – Cady hat im Dschungel gelernt, sich zu wehren.

Die gebürtige New Yorkerin Lindsay Lohan, die schon mit drei Jahren als Ford Model posierte und in mehr als 60 TV-Spots auftrat, hat sich mit der Hauptrolle in "Girls Club" als aufgehender Jungstar in Hollywood etabliert. Schon in ihren jüngsten Arbeiten "Confessions of a Teenage Drama Queen" und "Freaky Friday" ließ die 17-Jährige vor allem ihr komödiantisches Talent erkennen. In ihrem neuen Film bewältigt sie nun auch eine zwiespältige Rolle: Als harmlose Sympathieträgerin erliegt Cady im Verlauf der Intrigenschlacht doch rasch der Faszination des Glamours und den Verlockungen, zur bewunderten Peer Group zu gehören.

Unter Waters Regie liefert die Riege der jungen Darsteller solide Leistungen ab, allen voran Rachel McAdams als vermeintlich selbstsicherer Barbie-Klon. Für die Erwachsenen-Generation bleiben nur Randauftritte. Die durchgehende Typisierung des Figurenensembles rührt teilweise daher, dass die Drehbuchautorin Tina Fey, die im Film auch eine Mathelehrerin spielt, sich auf Erkenntnisse des Bestsellers "Queen Bees and Wannabees" von Rosalind Wiseman stützt.

Bringt der amüsante Zickenkrieg zwischen den wahrhaft "boshaften Mädchen", so der aussagekräftige Originaltitel, für alle schmerzliche Lerneffekte mit, so überzieht Waters den pädagogischen Bogen kurz vor Schluss, als die Lehrer die aufmüpfige Schülerschar in der Turnhalle zur peinlichen Gruppentherapie antreten lassen. Mit einem hohen Erzähltempo und reichlich flotter Musik dürfte "Girls Club" keine Mühe haben, nicht nur die angepeilte junge weibliche Zielgruppe zu erreichen, sondern auch ihre männlichen Begleiter und die Müttergeneration.

Reinhard Kleber

 

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Interviews

Payer, Peter - "Ich fand die Geschichte von drei Generationen, die in einem Haus leben, sehr reizvoll"| Schneider, Wolfgang - Kulturelle Bildung ist nicht Event-Kultur|

Hintergrundartikel

Keine Mauerspechte, aber Brückenbauer| "Die Blindgänger"| "Das Geheimnis der Frösche"|

Kinder-Film-Kritiken

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