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Ausgabe 129-1/2012

DER GESTIEFELTE KATER

PUSS IN BOOTS

Produktion: DreamsWorks Animation: USA 2011 – Regie: Chris Miller – Buch: Tom Wheeler, David H. Steinberg, Jon Zack, Brian Lynch, nach dem Märchen "Der gestiefelte Kater" der Brüder Grimm – Schnitt: Eric Dapkewitz – Musik: Henry Jackman – Stimmen: Benno Fürmann (Der gestiefelte Kater), Elton (Humpty Alexander Dumpty), Andrea Sawatzki (Jill), Christian Berkel (Jack) – Länge: 90 Min. – Farbe – 3D – FSK: o. A. – Verleih: Paramount  Altersempfehlung: ab 8 J.

Vorhang auf für das Spin Off der erfolgreichen "Shrek"-Reihe. Mit dem ersten Solo-Auftritt des populären Katers, der 2004 im zweiten der vier "Shrek"-Filme auftauchte, möchte das US-Studio Dreamworks Animation offensichtlich die Lücke schließen, die das Ende der Filmreihe hinterlassen hat. Die Story blendet zurück in die Zeit, bevor die Macho-Miezekatze erstmals Shrek begegnet. Als Waisenkind wird Puss von einer menschlichen Mutter zum braven Jüngling erzogen, gerät jedoch durch seinen gerissenen Freund, den launenhaften Eierkopf Humpty Alexander Dumpty, auf die schiefe Bahn. Als Humpty ihn in einen Bankraub verwickelt und verrät, muss Puss untertauchen. Jahrelang wird er steckbrieflich gesucht, bis er in einem mexikanischen Saloon auf die kampferprobte Katze Kitty Samtpfote trifft, die für Humpty arbeitet. Der Eierkopf möchte sich mit dem Kater, der sich nach Vergebung durch die geliebte Pflegemutter sehnt, aussöhnen und überredet ihn, bei einem lukrativen Coup mitzumachen. Ein wichtiges Motiv für den Kater ist dabei, dass er so in der Nähe der attraktiven Taschendiebin Kitty bleiben kann. Gemeinsam brechen die drei auf, um dem Gaunerpaar Jill und Jack drei magische Bohnen zu entwenden. Diese verwandeln sich in eine riesige Ranke, die sich bis zu einem Wolkenschloss hinaufschraubt, wo das Trio eine Gans findet, die goldene Eier legt. Die abenteuerliche Schatzsuche gestaltet sich aber schwieriger als gedacht.

Mit dem listigen Märchenkater der Brüder Grimm hat der gestiefelte Glücksritter des Films nur noch wenig zu tun, dafür umso mehr mit dem Degenschwinger Zorro. Wie in den Actionreißern um den mexikanischen Robin Hood reiht Miller zahlreiche Verfolgungsjagden und Fechtduelle aneinander, gewürzt mit schwungvollen Tanzeinlagen und pointierten Rededuellen zwischen dem stolzen Kater und der agilen Kitty, die so gut stehlen kann, weil man ihr die Krallen entfernt hat. Zwischen den Action-Sequenzen knüpfen die Autoren ein leidlich dünnes Drehbuchnetz, das allerlei Versatzstücke aus Märchen und Mythen mit Anspielungen auf Filmklassiker kombiniert. Diverse Filmzitate von James Bond über Italowestern bis zum smarten Caper Movie "Über den Dächern von Paris" gewinnen jedoch nie die parodistische Schärfe oder gar bissige Ironie des ersten "Shrek"-Films, sondern dienen als humoristische Kontrastfolie zu den vielen Actionszenen, bei denen Miller die Möglichkeiten der Raumillusion der 3D-Projektion genüsslich ausreizt. Schon die Verfolgungsjagd zu Beginn ist in dieser Hinsicht ein Augenschmaus.

Auf der Strecke bleibt bei dem turbulenten Spektakel fürs Familienpublikum allerdings die emotionale Tiefe, die nie das Maß an Anteilnahme des Publikums wie in den Pixar-Filmen erreicht. Allenfalls eine Waisenhaus-Sequenz über die harte Kindheit von Puss und Humpty vermag kleine wie große Zuschauer ansatzweise zu rühren. Während zwischen Kitty und Puss durchaus die Funken fliegen, bleibt das Ausdrucksspektrum und damit das Identifikationsangebot des Eierkopfs leider arg beschränkt. Dafür überrascht Miller immer wieder mit liebevollen Details und witzigen Einfällen. Leihen in der Originalfassung die Hollywood-Stars Banderas, Salma Hayek, Zach Galifianakis und Billy Bob Thornton den Helden ihre Stimme, so setzt auch die deutsche Synchronisation auf prominente Stimmen. Nach diesem erfolgreichen Einstand dürfte der Weg für eine Fortsetzung frei sein.

Reinhard Kleber

 

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