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Ausgabe 129-1/2012

THE LIVERPOOL GOALIE oder: Wie man die Schulzeit übersteht

KEEPER'N TIL LIVERPOOL

Produktion: 4 1/2, Oslo; Norwegen 2010 – Regie: Arild Andresen – Buch: Lars Gudmestad – Kamera: Gaute Gunnari – Schnitt: Jon Endre Mørk – Darsteller: Ask van der Hagen (Jo), Susanne Boucher (Mari), Mattis Asker (Einar), Jostein Skranes Brox (Tom Erik), Andrine Sæther (Jos Mutter) u. a. – Länge: 84 Min. –  Farbe – Verleih: drei-freunde Filmverleih, e-mail: info@drei-freunde.de – Altersempfehlung: ab 10 J.

Kinderfilme werden im Allgemeinen als eigenes Genre betrachtet. Dem ist natürlich nicht so, denn jede Produktion wäre dann ein "Filmfilm", weil man sie gleich in zwei Genreschubladen einsortieren müsste. "The Liverpool Goalie", das Spielfilmdebüt des norwegischen Werbefilmers Arild Andresen, führt diese Diskussion endgültig ad absurdum: Weil sich die Geschichte keinen Deut um Genregrenzen schert. Drehbuchautor Lars Gudmestad hat munter alle möglichen Zutaten durcheinander gemischt. Das Ergebnis ist eine romantische Komödie, die immer wieder souverän Realität und Fiktion mischt. Selbst als Erwachsener kann man sich nie ganz sicher sein, ob sich der junge Held gerade in eine seiner Visionen tagträumt oder ob das Schicksal seine schlimmsten Albträume Wirklichkeit werden lässt.

Reduziert auf den Handlungskern, erzählt "The Liverpool Goalie" die älteste Geschichte der Welt: boy meets girl. Jo ist 13 und ein ausgezeichneter Schüler, aber ansonsten eher zurückhaltend. Seine große Leidenschaft ist das Sammeln von Fußballkarten. Das ändert sich, als er eine neue Mitschülerin bekommt. Mari ist hübsch, klug und schlagfertig. Sie bietet sogar dem tumben, aber umso kräftigeren Tom-Erik, für den Jo regelmäßig die Hausaufgaben macht, die Stirn. Mari spielt also mindestens eine Liga über Jo. Der hoffnungslos verliebte Junge macht sich daher größer, als er ist, und verheddert sich prompt in einem Gespinst aus erfundenen Geschichten und Halbwahrheiten. Als er auf der Suche nach der gestohlenen Fußballkarte mit Pepe Reina, dem Torhüter des FC Liverpool, beim Einbruch ins Haus von Tom-Eriks Eltern erwischt wird und dem Schulrowdy fortan als Sklave dienen muss, ist er bei Mari endgültig unten durch.

Die Liebe zum Detail, der Einfallsreichtum, die Originalität der Seitenstränge und die Beiläufigkeit, mit der Gudmestad und Andresen diese Handlung entwickeln, machen den Film zu einer herausragenden Komödie. Dass auch erwachsene Zuschauer viel Freude an der Geschichte haben werden, verdankt "The Liverpool Goalie" nicht zuletzt dem sympathischen Humor. Das beginnt schon mit dem Einstieg, wenn Jo schildert, auf welche Weise man als Junge seines Alters zu Tode kommen kann. Als Sohn einer überängstlichen Mutter, die vor "Mobilkrebs" warnt und Fußball für viel zu gefährlich hält, kennt er sich in dieser Hinsicht bestens aus.

Immer wieder für Verblüffung aber sorgen vor allem Jos Visionen. Die können durchaus positiver Natur sein, wenn er Mari am ersten Schultag ganz weltmännisch in ein Gespräch verwickelt; aber meist treiben sie die Konsequenzen seiner Handlungen auf absurdeste Spitzen, so dass Jo mal im Knast, mal am Nordpol endet oder von einem Killer gejagt wird. Darüber hinaus hat Arild Andresen gerade seine jungen Darsteller ausgezeichnet geführt. Gleiches gilt für die bemerkenswert gute Synchronregie. Ein mit diversen Festivalpreisen ausgezeichnetes wunderbares Filmvergnügen mit großartigen Dialogen und einem märchenhaft schönen Happy End.

Tilmann P. Gangloff

 

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