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Ausgabe 129-1/2012

DER RUF DER WALE

BIG MIRACLE

Produktion: Universal Pictures / Anonymous Content / Working Title Films; USA 2012 – Regie: Ken Kwapis – Buch: Jack Amiel, Michael Begler, nach einer Vorlage von Thomas Rose – Kamera: John Bailey – Schnitt: Cara Silverman – Musik: Cliff Eidelman – Darsteller: Drew Barrymore (Rachel Kramer), John Krasinski (Adam Carlson), Ted Danson (McGraw), Vinessa Shaw (Kelly Meyers), Ahmaogak Sweeney (Nathan) u. a. – Länge: 110 Min. – Farbe – Verleih: Universal Pictures Germany – Altersempfehlung: ab 10 J.

Die historisch verbriefte Rettungsaktion dreier Grauwale, die sich 1988 im Norden Alaskas zwischen den Eismassen verirrt hatten, hätte man als rührseliges, sentimentales Drama inszenieren können. Doch Regisseur Ken Kwapis kommt nicht von ungefähr vom Komödienfach ("Lizenz zum Heiraten") und kann dieser durchaus tragischen Geschichte einige sehr humorvolle Seiten abgewinnen. Im Zentrum des Geschehens steht ein verschlafenes Inuit-Dörfchen, das plötzlich in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerät, als ein Lokalreporter einen Bericht über eine dreiköpfige Walfamilie filmt, die vom Packeis eingeschlossen ist. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer und mit einem Mal sind nicht nur die Medien und eine umtriebige Greenpeace-Aktivistin, sondern auch ein reicher Öl-Baron und sogar der US-Präsident persönlich, der seinen besten Soldaten schickt, an einer Rettung der mächtigen Meeressäuger interessiert, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Motiven.

Kwapis meistert es hervorragend, ein rundes Dutzend Handlungsstränge und Nebenfiguren zu einem großen Ganzen zu verweben und gibt auch den Eingeborenen ein Forum, in dem er die Geschichte, die lose auf Tom Roses Buch "Freeing the Whales: How the Media Created the World's Greatest Non-Event" basiert, aus der Sicht eines elfjährigen Inuit-Jungen (Newcomer Ahmaogak Sweeney) erzählt. Neben dem Culture Clash kommt es auch zu einem politischen Aufprall der Supermächte. Denn in allerletzter Sekunde muss die US-Regierung einen russischen Eisbrecher um Hilfe bitten, was damals, inmitten des Kalten Krieges, einer mittleren Sensation gleichkam, aus heutiger Sicht jedoch und mit dem entsprechenden Abstand mit viel Amüsement betrachtet werden kann.

Wenn man dem Film überhaupt etwas vorwerfen will, dann sind es die CGI-Wale, die zum Teil etwas unrealistisch wirken, wenn sie ihre mächtigen Köpfe aus dem Eisloch stecken. Sehr berührend dagegen jene Szene, in der die von Drew Barrymore verkörperte Greenpeace-Kämpferin zu den Tieren hinab taucht, um eines davon von einem Fischernetz zu befreien. Während sich das ältere Publikum darüber hinaus an einer hochkarätigen Besetzung erfreuen wird, dürfte den jüngeren Zuschauern das knapp zweistündige Natur-, Medien- und Politikspektakel ein wenig zu lang geraten sein. Dennoch lohnt es sich, den Abspann abzuwarten, denn hier werden aus Archivmaterial die realen Vorbilder, die für die Figuren von "Der Ruf der Wale" dienten, ihren Schauspielern gegenübergestellt.

Thomas Lassonczyk

 

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