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Ausgabe 78-2/1999

DIE DREI POSTRÄUBER

Produktion: Wega-Filmproduktions GmbH; Österreich 1998 – Regie: Andreas Prochaska – Buch: Ivo Schneider und Andreas Prochaska, nach der gleichnamigen Geschichte von Christine Nöstlinger – Kamera: Michi Riebl – Schnitt: Evi Romen – Musik: McGregory's, Erwin Kiennast – Darsteller: Rudolf Kowalski (Gerader Otto), Claude Oliver Rudolph (Krummer Otto), Thierry van Werveke (Schräger Otto), Dolores Schmidinger (Kitty), Gusti Wolf (Aline), Jane Tilden (Alice), Sarah Veit (Ivonka Pivonka), Nicola Etzelstorfer (Liese), Uwe Schweiger (Meier), Franz Weisser (Ferri) u. a. – Länge: 93 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Austrian Film, Stiftgasse 6, A-1070 Wien, Fax 0043-1-5266801 (35mm) – Alterseignung: ab 6 J.

Ein kleiner Vorort von Wien. Die "Mupferbande" liegt auf der Lauer. Wieder einmal steht einer der vielen "Alles-entscheidenden-Schlachten" gegen die Feindesbande der "Schmutzer" bevor. Nur das Vorbeiradeln von Liese und Ivonka unterbricht die konzentrierten Vorbereitungen des Angriffs für einen kurzen Moment. Meier, einer der beiden Chefs der Mupferbande, kann nicht davon lassen, der blonden Liese hinterher zu träumen. Sie gefällt ihm ausgesprochen gut. Nur zu dumm, dass sie ausgerechnet die kleine Schwester des "Ober-Schmutzers" ist. Doch ohne Meiers Kommando – kein Angriff. Obwohl Ferri, der zweite Mupfer-Chef, längst "Attacke" befohlen hat.

Liese und Ivonka haben andere Sorgen. Sie wissen von den geheimen Plänen der drei Ottos, einen Postraub zu begehen. Die zwielichtigen Brüder bewohnen ein altes Haus im Ort. Am Abend versucht Ivonka, die drei Männer weiter zu belauschen. Doch ist sie unvorsichtig und wird von den Verbrechern geschnappt.

Die Mupfers haben gegen die Schmutzerbande wieder eine herbe Niederlage eingefangen. Welche Schmach, wie die blanken Hinterbacken aus den zerschnittenen Hosen herausschauen. Meier und Ferri müssen ernsthaft um ihre Führungsposition bangen, sollten sie nicht bis zum nächsten Tag eine Idee für ein neues Bandenabenteuer haben. Dass es Liese sein wird, die der Mupfer-Gang zu spannenden Ermittlungen verhilft, bleibt keine Überraschung. Sie machen sich auf die Suche nach Ivonka. Die Spur führt die Bande nach Wien.

Eine interessante Banden- und Kriminalgeschichte bahnt sich zu Beginn von Andreas Prochaskas Film "Die 3 Posträuber" an. Doch soviel gleich vorweg: Die einmal aufgebaute Spannung kann der Film nicht gänzlich durchhalten. Zu häufig scheint die Kamera etwas distanziert von den Darstellern zu agieren. Da nützt auch die Enge des Hauptquartiers der Mupferbande nichts. Dennoch stecken durchaus schöne Ideen in der Geschichte, die auf einem Buch von Christine Nöstlinger basiert. Beispielsweise die drei unterschiedlichen Charaktere der Otto-Brüder, oder wie die beiden Jungen-Banden ihren Zwist austragen und wie Meier von den Schmutzern gefangen genommen wird und Würmer essen muss. Das hat das kindliche Kinopublikum beeindruckt.

Die Schwächen des Films liegen in der Dramaturgie und in der Inszenierung. Insbesondere durch die in loser Folge eingeflochtenen Albernheiten und die slapstickartigen Szenen verlieren die Protagonisten der Geschichte immer wieder die (zum Teil mühsam) aufgebaute und "erspielte" Glaubwürdigkeit. Der Erzählfluss und die Konsequenz in der Inszenierung leiden darunter. Schade, dass hier Potenziale, die in Darstellern wie Claude Oliver Rudolph, Rudolf Kowalski oder auch Sarah Veit (in der Rolle der kleinen Ivonka) stecken, nicht in entsprechendem Maße nutzbar gemacht wurden und damit zur Intensivierung der Geschichte hätten beitragen können. Zudem erschwert die Vielzahl an mehr oder weniger gleichwertigen Protagonisten den Zugang des Publikums auf die einzelnen Persönlichkeiten. Weder rasante Taxifahrten durch Wien noch der "Krimi-Showdown" im Burgtheater können über Durchhänger des Films hinwegtäuschen. Ebenso wenig, wie die auf dieser Bühne gern gesehenen Schauspielerinnen Gusti Wolf und Jane Tilden mit ihren Rollen als Lieses Geigenlehrerinnen für die Geschichte besonders dienlich sind. Die beiden Figuren samt ihrer Darstellungsweise erscheinen nicht nur überflüssig, sondern ausgesprochen nervig.

Dennoch: Kinder der ersten beiden Schuljahrgänge können sich an der Tollpatschigkeit der drei Ottos und am Mut der Bandenmitglieder – immerhin inklusive dem der beiden Mädchen – erfreuen und streckenweise spannende Unterhaltung erleben.

Markus Achatz

 

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Ausgabe 78-2/1999

 

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