Zum Inhalt springen

Ausgabe 116-4/2008

LOVE, PEACE & BEATBOX

LOVE, PEACE & BEATBOX

Produktion: Karl-Handke-Filmproduktion; Deutschland 2007 – Regie, Buch und Schnitt: Volker Meyer-Dabisch – Kamera: Andreas Gockel – Musik und Mitwirkende: Mando, Wetlipz, Chlorophil, Bee Low, Zeero, DJ Mesia, Mastee, Ro Beat, Darkmanz, Steff la Cheffe, Neves, Lieschen u. a. – Länge: 70 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Wild Style / GMfilms – Altersempfehlung: ab 12 J.

Jeder Mensch weiß, dass man mit dem Mund Geräusche machen kann, bereits kleine Kinder trainieren hier mit Ausdauer und Freude. Weniger bekannt ist aber, dass das Erzeugen und Imitieren von Tönen mit dem Mund zu einer richtigen Meisterschaft werden kann, die Phantasie, Begabung und körperliche Fitness voraussetzt. Als Vorläufer dieser Disziplin werden die Geräuschemacher beim Film erachtet. Das Beatboxing, wie diese vor allem den Percussion-Instrumenten nachempfundene Stimmkunst heißt, die durch ebenfalls mit Mund, Zunge und Lippen erzeugte Srcatches, Cuts, Melodien oder Vocals ergänzt wird, hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren zum fünften Element des HipHop entwickelt. Da man für diese Fertigkeiten nichts anderes benötigt als sich selbst, sind einige in der Szene gar der Meinung, eigentlich sei es das erste und wichtigste Element.

Der unterhaltsame Dokumentarfilm von Volker Meyer-Dabisch stellt diese in Berlin besonders aktive junge Musikszene als Teil einer Jugendkultur vor, die seit 2001 ihren Siegeszug durch die ganze Welt angetreten hat. Zu Wort und Ton kommen dabei einige der erfolgreichsten Beatbox-Protagonisten Deutschlands, darunter die 4xSample Crew, der zurzeit amtierende Deutsche Meister im Teambeatboxen. Während in der ersten Hälfte anhand von zahlreichen Kurzinterviews die Entstehung und vor allem die Begeisterung der Beatboxer zum Ausdruck kommen, konzentriert sich der zweite Teil auf die Höhepunkte der Beatboxmeisterschaften 2006 und 2007. Das ist zwar vielfach nur mit Handkamera "abgefilmt", in seiner unmittelbaren Authentizität aber dennoch faszinierend anzusehen, in der Begeisterung für das Metier ansteckend und an keiner Stelle langweilig. Bee Low, der Gründer des Battle-Beatboxing, formuliert die riesige Motivation für diese Musikrichtung treffend damit, "etwas zu können, was andere Leute nicht können". Dass es dafür keiner finanziellen oder technischen Mittel bedarf, erhöht den Anreiz. Auch Frauen, traditionell etwas vorsichtiger in der Artikulation von "seltsamen" Geräuschen, die als "anrüchig" empfunden werden könnten, haben inzwischen das Beatboxing für sich entdeckt, und das, obwohl die Geräuscherzeugung sehr stark bassbetont ist.

Insgesamt ist dem Regisseur, dem man die genaue Kenntnis der Szene abnimmt, ein kurzweiliges – der Film ist auch nur 70 Minuten lang und damit nicht künstlich überladen – Porträt gelungen, das die filmischen Mittel ganz in den Dienst der Sache und der Protagonisten stellt. Ein sympathisch unspektakulärer Dokumentarfilm, der Jugendliche direkt anspricht und ihnen positiv vermittelt, dass die Herausbildung von Identität, persönlichem Ausdrucksvermögen und eigener Lebensentwürfe auch jenseits gängiger Karrierevorstellungen möglich ist.

Holger Twele

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.LOVE, PEACE & BEATBOX im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

Permalink fr Verlinkungen zu dieser Seite Dauerhafter, direkter Link zu diesem Beitrag


Ausgabe 116-4/2008

 

Inhalt der Print-Ausgabe 116-4/2008|

Filmbesprechungen

EIN AUSSERIRDISCHER SOMMER| BLUTSBRÜDER| DER BRIEF FÜR DEN KÖNIG| DANCE FOR ALL| DIARI| KRABAT| LOVE, PEACE & BEATBOX| MEIN BESTER FREUND| DER MONDBÄR – DAS GROSSE KINOABENTEUER| PHOEBE IM WUNDERLAND| SON OF A LION| SPUK IM EIS| DIE VERTRETUNGSLEHRERIN / ALIEN TEACHER| WAR CHILD|

Interviews

Chrobog, Christian Karim - "Das ist für einen Filmemacher natürlich ein Glücksfall"| Gilmour, Benjamin - "Zur Hölle mit Osama!"| Preuschhof, Sabine - "Wir wollen das Kulturgut Märchen lebendig halten"| Ried, Elke - "Das tapfere Schneiderlein" kehrt zurück| Rosenbaum, Uwe - Mit wenigen Mitteln viel erreicht|

Hintergrundartikel

„Dornröschen“|


KJK-Ausgabe 116/2008

PDF-Download Originalausgabe (PDF)

 

Anzeigen:

Einzelne Ausgaben:

Filmtitel nach Alphabet:

Zusatzmaterialien:

Volltext-Suche:

 

 


Sonderausgaben bestellen!