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Ausgabe 116-4/2008

SPUK IM EIS

DUGGHOLUFOLKID

Produktion: Taka Film Production; Island 2007 – Regie und Buch: Ari Kristinsson – Kamera: Kjell Vassdal – Schnitt: Elisabet Rónaldsdóttir – Musik: Øistein Boassen – Darsteller: Bergpór Porvaldsson, Pórdis Hulda Arnadóttir, Arni Beinteinn Arnason, Erlendur Eiríksson u. a. – Länge: 82 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Nonstop Sales, Döbelnsgatan 24, 11352 Stockholm, Schweden, Tel.: +46 8 6739980, Fax: +46 8 6739988, e-mail: info@nonstopsales.com – Altersempfehlung: ab 10 J.

Technik-Freak Kalli hat es nicht leicht: In der Schule wird er von einer Mädchengang gemobbt, seine alleinerziehende Mutter hat kaum Zeit für ihn und schickt ihn zu allem Überfluss auch noch über Weihnachten zu seinem Vater und dessen neuer Familie. Nicht nur dass das irgendwo in der Mitte von Nirgendwo ist, er muss sich dort auch mit seiner Stiefschwester Ellen, der "Hexe", herumschlagen. Als wäre das nicht genug, lassen sein Vater und dessen Frau die zwei gleich in der ersten Nacht allein, denn bei Ellens hochschwangerer Mutter setzen die Wehen ein. Nach einem Streit mit Ellen hat Kalli die Schnauze voll und will ein Taxi rufen, um nach Hause zu fahren. Doch dafür muss er zum einzigen Sendemast in der Umgebung laufen, der sich auch noch als defekt erweist. Dem versierten Kalli gelingt es zwar, das Kabel zu reparieren, aber in seiner Unwissenheit übersieht er die Anzeichen des drohenden Schneesturms und ist schnell in Lebensgefahr. Aber Ellen findet ihn und das Schaf, das er vor der Schlachtung schützte und das ihm mit seiner Wärme wohl das Leben rettete. Jetzt sind die beiden auf sich allein gestellt in einem mörderischen Blizzard, in dem ein einsames Haus Rettung verheißt. Doch in dem Haus wohnt ein Geist, der danach trachtet, seinen schlechten Ruf zu retten; denn es heißt von ihm, er habe als kleiner Junge eine Gruppe von Menschen über eine Klippe in den Tod geführt. Auch ein Eisbär macht den Kids zu schaffen ...

Schon vor zehn Jahren überzeugte Ari Kristinsson mit "Stikkfrí/... und raus bist du". Sein neuer Film bietet einen spannenden Mix aus wirklich gruseligen Szenen, ein wenig Action, gemischt mit isländischen Sagen und Mythen. Und mittendrin die zwei Kinder, die ihre Rollen mehr als überzeugend verkörpern. Ein Abenteuerfilm im Winter, der mit seinen originellen Ideen für sich einnimmt und dabei seinen Figuren immer treu bleibt: Etwa wenn Kalli im Schneesturm selbstvergessen mit einfachsten Mitteln den Mobilfunk-Sendemast repariert oder Ellen den beiden einen Iglu baut, damit sie überleben können. Und es ist die Geschichte einer langsam wachsenden Freundschaft über alle Differenzen hinweg. Denn die Gegensätze zwischen dem Großstadt-Computerfreak Kalli auf der einen und der dem sehr isländischen Mystizismus ergebenen Ellen auf der anderen Seite erweisen sich sogar als produktiv; am Ende ergänzen sich die beiden und es ist ausgerechnet Kalli, der seine Angst vor dem Geist überwindet und Ellen überredet, dem armen Jungen zu helfen.

Eine klassische Kindergeschichte, in der die Kids alleine ihre Probleme lösen; ja selbst der Geist ist eigentlich noch ein Kind. Und die Erwachsenen kommen erst dazu, als alles schon vorbei ist. Und vieles werden sie nie erfahren. Dabei findet Ari Kristinsson, der ehemalige Kameramann Frídrík Thor Frídríkssons, kongeniale Bilder für die widerstreitenden Gefühle der Kinder zwischen Einsamkeit und der Angst verlassen zu werden, aber auch Hoffnung und Mut in schwierigen Situationen.

Lutz Gräfe

 

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Ausgabe 116-4/2008

 

Inhalt der Print-Ausgabe 116-4/2008|

Filmbesprechungen

EIN AUSSERIRDISCHER SOMMER| BLUTSBRÜDER| DER BRIEF FÜR DEN KÖNIG| DANCE FOR ALL| DIARI| KRABAT| LOVE, PEACE & BEATBOX| MEIN BESTER FREUND| DER MONDBÄR – DAS GROSSE KINOABENTEUER| PHOEBE IM WUNDERLAND| SON OF A LION| SPUK IM EIS| DIE VERTRETUNGSLEHRERIN / ALIEN TEACHER| WAR CHILD|

Interviews

Chrobog, Christian Karim - "Das ist für einen Filmemacher natürlich ein Glücksfall"| Gilmour, Benjamin - "Zur Hölle mit Osama!"| Preuschhof, Sabine - "Wir wollen das Kulturgut Märchen lebendig halten"| Ried, Elke - "Das tapfere Schneiderlein" kehrt zurück| Rosenbaum, Uwe - Mit wenigen Mitteln viel erreicht|

Hintergrundartikel

„Dornröschen“|


KJK-Ausgabe 116/2008

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