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Ausgabe 71-3/1997

"Wir sind der Meinung, dass wir einen schönen, vorzeigbaren Familienfilm gemacht haben"

Gespräch mit Klaus & Jürgen Marshall, Hannelore Marshall-Oehmichen, Hans Kautzmann und Stefan Schmieder vom Ensemble der Augsburger Puppenkiste

(Interview zum Film DIE STORY VON MONTY SPINNERRATZ)

KJK: Macht es einen Unterschied, ob man fürs Fernsehen oder fürs Kino spielt?
Augsburger Puppenkiste: "Im Fernsehen haben Sie einen Bildschirm von maximal 71 cm in der Diagonale; im Kino, zumal in CinemaScope, ist das doch etwas mehr. Und wenn man beim Fernsehen des Öfteren sagt, das versendet sich; den Vorteil haben Sie im Kino nicht. Denn der Zuschauer sieht alles. Das beginnt bei den Puppen selbst. Was sich im Fernsehen versendet, das muss für die Kamera im Kinofilm noch mal nachgebessert werden."

Wie war der Dreh mit wirklichen Menschen und in echtem Wasser?
(Einer zückt eine Strichliste und macht den dritten Strich für die Frage nach dem echten Wasser, die die Leute von der Puppenkiste in jedem Interview geradezu verfolgt)
Augsburger Puppenkiste: "Das war vor allem beim Charon ein Problem, schon beim Bauen der Figur. Bis wir dann draufgekommen sind, wir könnten das Ganze offen machen und aus Blech; so wie eine offene Badewanne. Wir haben die Sequenzen mit den echten Menschen gleichzeitig gedreht. Das Hauptproblem der Kamera war dabei, dass der Puppenspieler in der Regel 1,60 Meter über der Puppe steht, und wenn der Schauspieler 1,80 Meter groß ist, dann hat die Kamera damit Probleme."

Wie wird man eigentlich Puppenspieler?
Augsburger Puppenkiste: "Man hat einfach Glück und ist zur rechten Zeit am rechten Ort. Ich bin von Freiburg nach Augsburg gezogen. Dann habe ich irgendwann mal bei der Puppenkiste angerufen, weil außer den Fuggern kannte ich von Augsburg nur die Puppenkiste. Da habe ich dann ein Praktikum gemacht und hab' dann noch eine Zeitlang warten müssen, weil keine Stelle frei war."

Gibt es Überlegungen für weitere Kinofilme?
Augsburger Puppenkiste: "Das muss man abwarten. Wir hatten mit 'Monty Spinnerratz' ein Buch, das sich ideal fürs Kino geeignet hat. Wenn wir wieder so ein Buch bekommen und die Rahmenbedingungen stimmen, dann kann es durchaus einen zweiten Kinofilm geben."

Wie sieht denn die Zukunft der Puppenkiste im Fernsehen aus?
Augsburger Puppenkiste: "Die ist im Moment etwas ungewiss. Wir wollen wieder Fernsehproduktionen machen, sind aber nicht daran gebunden. Unsere Hauptaufgabe ist, unseren Theaterbetrieb aufrecht zu erhalten. Wir haben im Jahr über 350 Vorstellungen mit über 80.000 Besuchern, mit 222 Sitzplätzen bei einer Platzausnutzung von 102 Prozent; die zwei Prozent sitzen auf dem Schoss ihrer Eltern. Das ist unser Haupthandwerk und alles, was darüber hinausgeht – sei es Fernsehen, Kino oder vielleicht mal eine Tournee – ist zusätzlich."

Glauben Sie, dass der Film auch im Ausland Erfolg haben könnte?
Augsburger Puppenkiste: "Also wir sind der Meinung, dass wir einen schönen, vorzeigbaren Familienfilm gemacht haben. Wir sind nicht unbedingt auf der kompletten Kommerzschiene gelaufen, sondern haben einen Kinderfilm gemacht, der die Phantasie der Zuschauer anspricht, der die Zuschauer bewegen wird, und ich würde mir dafür weltweit viele Zuschauer wünschen. Das werden nicht nur jüngere sein."

Glauben Sie, dass Puppen die Phantasie der Kinder mehr anregen als der Realfilm?
Augsburger Puppenkiste: "Davon bin ich überzeugt. In einem Real- oder Zeichentrickfilm, erst recht in einem computeranimierten Film, wird so viel Perfektion angeboten. Wir haben bewusst gezeigt, dass die Fäden dabei sind, dass man das alles sieht, dass alles andere die Phantasie dazu bringen muss. Trotz aller Möglichkeiten, die man heute im Actionkino oder generell im Realfilm hat; die spannendsten Filme hat Hitchcock gemacht. Und der hat nichts gezeigt."

Interview: Lutz Gräfe

 

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