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Ausgabe 87-3/2001

NEWENAS WEITE REISE

Produktion: Ottokar Runze GmbH & Co Filmherstellung KG, in Koproduktion mit NDR, BR, ORB und SWR; Deutschland / Bulgarien 2000 – Regie: Nenad Djapic – Buch: Nenad Djapic, Marc Eric Wessel – Kamera: Anton Bakarski – Schnitt: Krasimira Velitchkova – Musik: Ingo Ludwig Frenzel – Darsteller: Florian Jaeger, Victoria Borisova, Dieter Pfaff, Peter Franke, Heike Falkenberg, Max Herbrechter, Igor Galo – Länge: 88 Min. – Farbe – Weltvertrieb: EuroArts International GmbH, Teckstr. 64, D-70190 Stuttgart, Tel. 0049-(0)711-268760, Fax 0049-(0)711-2687678 – Altersempfehlung: ab 10 J.

In seinem Film "Newenas weite Reise" stellt Nenad Djapic zwei vollkommen unterschiedliche Kinderwelten vor. Da ist zunächst Jan, ein 13-jähriger Junge, dessen Eltern ständig arbeiten und kaum Zeit für ihn haben. Ansonsten hat er aber vom Fernseher über Handy und Faxgerät alles, was man sich vorstellen kann. Er sitzt vor dem Fernsehgerät, in dem gerade Kriegsszenen gezeigt werden, und ärgert sich, dass die Übertragung "seines" Basketballspiels auf Grund der aktuellen Berichterstattung ausfällt. Noch größer ist seine Enttäuschung, als ihm seine Eltern mitteilen, dass die für die Sommerferien geplante Reise nach New York zu einem wichtigen Basketballspiel abgeblasen werden muss und er stattdessen zu seiner Mutter, die geschäftlich in Italien zu tun hat, fahren soll. Von dort aus soll er auf dem Frachter seines Onkels die Sommerferien verbringen.

Und dann ist da Newena. Von ihr erfährt der Zuschauer zunächst nur, dass sie vor der Polizei flieht. Die erste Berührung der beiden Welten findet statt, als Newena auf der Flucht vor der Polizei Jans Mutter vor das Auto läuft. Hier findet aber nur ein kurzer Blickkontakt statt.

Als Jan seine Reise auf dem Schiff antritt, fühlt er sich zunächst sehr allein gelassen, da sein Onkel dem Alkohol mehr zugetan ist als ihm. Der Einzige, der sich um ihn kümmert, ist der Schiffskoch. Jan geht auf eigene Faust auf Entdeckungsreise – und stößt schon bald wieder auf Newena. Diese hat sich inzwischen als blinder Passagier auf dem Schiff versteckt. Nur sehr langsam gelingt es Jan, Newenas Vertrauen zu gewinnen. Obwohl sie nicht viel von sich erzählt, spürt er, dass Newena seine Hilfe braucht. Um sie nicht allein zu lassen, versteckt er sich selbst als blinder Passagier auf dem Schiff, als er an einem Hafen von seinen Eltern abgeholt werden soll. Newena scheint ihre abweisende Haltung gegenüber Jan ganz aufgegeben zu haben – bis zu dem Tag, als sie ihm ein halb verbranntes Foto ihrer Familie zeigt. Leichthin meint der Junge, sie könne ja ein neues Foto machen. Da beginnt Newena zu schreien, alle ihre Verwandten seien tot. In ihrer Verzweiflung drückt sie den Knopf der Alarmanlage und rennt davon. Die gesamte Mannschaft wird alarmiert, doch Jan schützt Newena, indem er sich als einzigen blinden Passagier seinem Onkel stellt.

Am Hamburger Hafen wird er von seinen Eltern in Empfang genommen. An Bord kommt außerdem ein Mann vom Jugendschutz. Er suche ein kleines Mädchen aus einem Kriegsgebiet. Fast alle ihre Angehörigen seien ums Leben gekommen und sie selbst sei auf der Suche nach ihrem Bruder, der in einem Kinderheim in Hamburg untergekommen sei. Gemeinsam fahren sie dorthin und es gelingt Jan, mit Newena, die inzwischen auch zum Heim gelaufen ist, zu sprechen und sie zu beruhigen. So kommt es schließlich zu einem Wiedersehen zwischen Newena und ihrem Bruder.

Der Regisseur Nenad Djapic macht in seinem Film deutlich, unter welch unterschiedlichen Umständen Kinder aufwachsen. Sehr einfühlsam ist ihm dabei die Begegnung der beiden Kinder gelungen. Bewusst wurde ausgespart, aus welchem Land Newena kommt. Kriege gäbe es überall auf der Welt, so der Regisseur, doch für die meisten Kinder seien sie zum Glück "anderswo". Nenad Djapic (Jahrgang 1948) weiß, wovon er redet. Er stammt selbst aus Ex-Jugoslawien. Heute lebt er als Maler, Drehbuchautor und Regisseur in Berlin. "Newenas weite Reise" wird sein letzter Kinderfilm sein. Die Situation des Kinderfilms habe sich in den letzten Jahren vollkommen geändert, er sei heute zu sehr "Ware", die Produktionsbedingungen und die Ästhetik des Kinderfilms hätten sich grundlegend geändert, somit sei "eine Epoche zu Ende gegangen".

Obwohl der Film Längen aufweist und das Happy End – in dem Jans Eltern auf einmal Zeit haben, Newenas blinder Bruder durch eine Operation wieder sehen kann und auch der alkoholabhängige Onkel sich wieder gebraucht fühlt – etwas unrealistisch anmutet, ist dieser Film durchaus zu empfehlen. Ein Problem könnte die FSK-Freigabe werden, da zum einen Sechsjährige das Thema noch nicht richtig verstehen werden – was auch aus Fragen nach dem Film deutlich wurde – und zum anderen eine Freigabe ab 12 Jahren die zehn- und elfjährigen Zuschauer, für die der Film sehr geeignet ist, verloren gehen.

Charis Finkbein

 

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