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Ausgabe 58-2/1994

DIE KLEINEN DELPHINE

TA DELPHINIA TOU AMBRACICOU

Produktion: Greek Film Centre / Angelos Sideratos, Griechenland 1993 – Regie und Buch: Dinos Demopoulos, nach seinem Roman – Kamera: Walter Lassaly – Schnitt: Ioanna Spiliopoulou – Musik: Christos Leontis – Darsteller: Stavros Doyakos, Constantina Alevra, Spyros Pantazis, Nikitas Chronis, Constantina Andriopoulou u. a. – Länge: 100 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Greek Film Centre, 10, Panepistimiou, GR-10671 Athens, Tel. (...) 3631733, Fax (...) 3614336 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Griechenland, eine ägäische Insel, irgendwann, in den Zwanziger Jahren vielleicht. Zur Unterhaltung der Sommerfrischler auf dem Linienboot taucht der achtjährige Petros nach Kleingeld. Eines Tages kommt die siebenjährige Anthoula mit dem Schiff in sein Dorf – sie kommt zwar aus der Stadt, wird aber zunächst bleiben, weil ihr Vater auf die Insel versetzt wurde. Die Kinder freunden sich an, und Petros nimmt das Mädchen mit in seine Phantasiewelt aus Piratenträumen und Scherenschnitt-Theater. Bei einem ihrer Streifzüge treffen sie in einer verlassenen Hütte auf die finstere Seite der Realität: Ein tuberkulosekranker Junge muss dort die Wochentage allein verbringen, während seine Mutter, von der Dorfgemeinschaft wie eine Aussätzige geschnitten, anderswo arbeitet. Von den Vorurteilen der Erwachsenen völlig unberührt, sind Petros und Anthoula einfach nur neugierig auf ihren Altersgenossen. Und schnell entdecken sie seine Stärke: Er kann lesen, und er könnte es ihnen beibringen. Die Kinder machen einen Handel und tauschen Lese-Unterricht gegen Verpflegung, die sie von ihrem Taschengeld absparen oder zusammenstehlen. Während sich die Kinder anfreunden, beschließen die Männer des Dorfes, sich der unerwünschten Außenseiter ein für allemal zu entledigen.

In nostalgisch gefärbten Bildern erzählt der griechische Regisseur und Romanautor Dinos Demopoulos eine Art "Alexis Sorbas" für Kinder. In ausgesprochen witzigen Dialogen entwickelt sich die Freundschaft zwischen dem Dorfjungen und der höhergeborenen Großstädterin, die nicht nur ihre Träume teilen, sondern zunehmend durch das Ziel verbunden sind, dem kranken Jungen zu helfen, der wiederum durch seine Krankheit und andere dramatische Umstände eigentlich unberührbar ist. Die Erwachsenen sind zwar in die Nebenrollen gedrängt, aber nicht eindimensional angelegt. Das lichtdurchflutete, über weite Strecken originelle Stimmungsbild warb auf dem Filmmarkt der Berlinale um die Verleihergunst.

Bärbel Schnell

 

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Ausgabe 58-2/1994

 

Filmbesprechungen

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Interviews

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KJK-Ausgabe 58/1994

 

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