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Ausgabe 108-4/2006

CARS

CARS

Produktion: Walt Disney Pictures / Pixar; USA 2006 – Regie: John Lasseter – Buch: Dan Fogelman, John Lasseter, Joe Ranft, Kiel Murray, Phil Lorin, Jorgen Klubien – Schnitt: Ken Schretzmann – Musik: Randy Newman – Deutsche Stimmen: Daniel Brühl, Bettina Zimmermann, Rick Kavanian, Oliver Kalkofe u. a. – Länge: 116 Min. – Farbe – FSK: o. A. Verleih: Buena Vista – Altersempfehlung: ab 8 J.

Sieben Jahre ist es her, dass John Lasseter, der Mitgründer der Digitalschmiede Pixar, bei "Toy Story 2" Regie geführt hat. Beim siebten Kinofilm Pixars hat der bekennende Autoliebhaber nun selbst wieder Platz auf dem Regiestuhl genommen und mit "Cars" ein Auto-Märchen auf die Leinwand gezaubert, in dem ein rassiger Sportwagen und etliche andere Autos menschliche Züge annehmen und in einem Wüstenkaff viele Abenteuer erleben und einige Lektionen fürs Leben lernen.

Der aufstrebende Sportwagen Lightning McQueen träumt nach ersten Renn-Lorbeeren davon, den legendäre Piston Cup in Kalifornien zu gewinnen. Auf dem Weg zu diesem Superrennen rutscht der rote Flitzer aus dem Transporter und strandet in dem verschlafenen Wüstennest Radiator Springs an der legendären Route 66. Lightning möchte so schnell wie möglich wieder weg, doch weil er die Hauptstraße des Kaffs aufgerissen hat, verurteilt ihn Richter Doc Hudson dazu, die Straße zu reparieren. Weil sich der eingebildete Sportrenner dabei erstmal störrisch verhält, dauert der Aufenthalt länger als geplant. So erhält er aber auch Gelegenheit, die Bewohner des Dorfes kennen zu lernen: Hook, den rostigen Abschleppwagen, der jeden aus dem Dreck zieht, die charmante Porsche-Lady Sally, die früher als Anwältin in Los Angeles gearbeitet hat und nun ein Motel betreibt, und Sarge, ein pensionierter Militär-Jeep aus dem Jahr 1942, den sein Flowerpower-Hippie-Nachbar Bully nervt, wenn er jeden Morgen zu Jimmy-Hendrix-Klängen erwacht.

Am Anfang dürfte mancher Zuschauer Schwierigkeiten haben, den Vehikeln auf vier Rädern menschliche Ausstrahlung abzukaufen, sehen die mehr als zwei Dutzend Autos mit Sprechrollen bei aller Beweglichkeit ihrer 'Körperteile' und der Flexibilität der 'Gesichtszüge' doch etwas steril aus. Auch die konventionelle Story braucht im Vergleich zu den Pixar-Hits "Monster AG", "Findet Nemo" oder "Die Unglaublichen" etwas mehr Zeit, um in die Gänge zu kommen. Doch nach einer Weile gelingt es Lasseter, mit liebevollen Details in Biografien und Ausstattung, vielen phantastischen Einfällen und einem zunehmend herzerwärmenden Plot die Identifikationshürde zu überwinden und die Zuschauerherzen zu erobern. Umso mehr als das anfänglich lärmige Sportspektakel sich langsam, aber sicher in eine charmante Country-Side-Komödie wandelt, die dazu mit anrührenden Background-Geschichten wie der ruhmreichen Vergangenheit von Doc Hudson aufwartet. Dass sich bei 116 Minuten im Mittelteil der Verwicklungen in Radiator Springs einige Längen einschleichen, werden einige ungeduldige Jungzuschauer verschmerzen können.

In handwerklicher Hinsicht zeigt sich "Cars" auf der Höhe der Zeit: Wie hier die Lackoberflächen der Autos glänzen, Staubwolken über den imposanten Wüstenlandschaften wabern und die Rennautos in Schumacher-Tempo über die Piste rasen, zeigt die exzellente Güteklasse der Pixar-Animatoren. Und bei der Ausstattung der Kulissen, die ein nostalgisches 50er-Jahre-Feeling aufkommen lassen, sind Sorgfalt, Einfallsreichtum und Detailfreude nicht zu übersehen.

Im Vergleich zum Original scheint die deutschsprachige Synchronfassung sogar mehr prominente Sprecher aufzubieten: So erliegt Daniel Brühl als Lightning den Reizen von Bettina Zimmermann als attraktive Sally, während die Comedians Rick Kavanian, Oliver Kalkofe und Christian Tramitz humoristische Akzente setzen. Außerdem hat Buena Vista etliche Größen der Formel 1- und Sport-Szene für Gastauftritte ins Boot geholt: Michael Schumacher, Mika Häkkinen, Cora Schumacher, Niki Lauda, Christian Danner, Heiko Wasser und Franziska van Almsick. Ein flotter Soundtrack mit Stücken von Sheryl Crow und Brad Paisley und dem Score von Randy Newman rundet den Kinospaß ab.

Reinhard Kleber

 

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Ausgabe 108-4/2006

 

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Filmbesprechungen

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Interviews

Krää , Gernot - Interview mit Gernot Krää zu "Paulas Geheimnis"| Palombo, Joel - "Ich möchte ein Kino, das zum Fragen herausfordert"| Proskar, Danielle - "Mit Kindern zu drehen ist sehr bereichernd – ein ständiger Sonnenschein am Set"| Rosslenbroich, Gabriele - "Wir sind überzeugt, dass man Kindern das Medium Film im Kino näher bringen muss"| Schardt, Andreas - "Für viele ist die Förderung durch das Kuratorium so etwas wie ein Gütesiegel"| Schwochow, Christian und Matthias Adler - "Man wacht morgens auf und dann ist eine Figur da – und die hieß ganz schnell Marta"| Stacke, Manuela und Katrin Milhahn - "Es gibt nicht viele Filme, die Kinder noch interessieren und trotzdem auch schön sind für Erwachsene" |


KJK-Ausgabe 108/2006

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