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Ausgabe 108-4/2006

OH, WIE SCHÖN IST PANAMA

OH, WIE SCHÖN IST PANAMA

Produktion: Papa Löwe Filmproduktion, in Koproduktion mit Warner Bros. Filmproduktion Germany, MABO und Rothkirch Cartoon-Film; Deutschland 2006 – Regie: Martin Otevrel – Drehbuch: Kidscripts, nach dem Buch von Janosch – Kamera: Miroslav Valasek – Musik: Annette Focks – Stimmen: Til Schweiger (Kleiner Tiger), Dietmar Bär (Kleiner Bär), Anke Engelke (Fisch), Ralf Schmitz (Schnuddel die Maus), Mirko Nontschew (Reise-Esel), Friedrich Schönfelder (Paradiesvogel) u. a. – Länge: 74 Min. – Farbe – FSK: o. A. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Warner Bros. – Altersempfehlung: ab 4 J.

Der kleine Tiger und der kleine Bär leben glücklich in ihrem Haus am Fluss. Im Wald geht Tiger auf Pilzjagd, und im Garten wachsen saftige Beeren und vielerlei Gemüse, aus denen Bär leckere Gerichte kocht. Eines Tages wird eine Holzkiste angeschwemmt, die die Aufschrift "Panama" trägt und nach Bananen duftet. Für die beiden Freunde steht fest: Ein Land, wo Bananen wachsen, muss das Land ihrer Träume sein. Und so machen sie sich vom Fernweh gepackt auf den Weg nach Panama. Doch wo liegt Panama? Sie fragen unterwegs Schnuddel, die Maus mit dem Tandem, die Kuh des Bauern, Hase und Igel und den Esel im Güterzug, der auf der Suche nach "Amore" ist. Schließlich stechen sie sogar mit einem Schiff in See, begleitet von dem lustigen Fisch, dem der kleine Bär einmal die Freiheit geschenkt hat. Nach einem Sturm werden sie an Land gespült. Das Ziel scheint erreicht, denn hier wachsen überall Bananen. Doch bald haben die Freunde "immer nur Bananen" satt und geraten darüber sogar in Streit. Der große Paradiesvogel fliegt sie auf seinem Rücken in ein Land, wo es einen Wald voller Pilze und am Fluss ein Häuschen mit einem Garten voller Beeren und Gemüse gibt ... Für Tiger und Bär steht fest: Sie haben ihr Panama gefunden, denn hier ist es am allerschönsten!

Nach dem beliebten und preisgekrönten Janosch-Bilderbuch ist ein wunderbar warmherziger Film entstanden, der ohne Einschränkung auch und besonders für die Jüngsten zu empfehlen ist. Da wäre zunächst einmal die geradlinige und episodisch angelegte Dramaturgie zu nennen, die mit ruhigem Erzähltempo und überschaubarem Figurenarsenal kein Seh-Alter überfordert; Gleiches gilt für die Filmlänge. Der Film kommt ohne Gag-Hektik und vordergründige Action aus und hat dennoch seine spannenden Momente, etwa die Szene mit der wackeligen Hängebrücke oder das Unwetter auf See. Woran beispielsweise ein Film wie "Hui Buh – das Schlossgespenst" scheitert, das gelingt hier spielend: "Oh, wie schön ist Panama" wird sowohl seiner literarischen Vorlage als auch dem Medium Film gerecht. Für den visuellen Spannungsbogen ist die Reise von Tiger und Bär um einige Abenteuer und Figuren ergänzt worden, wobei Stil, Humor und Aussage von Janoschs Original erhalten bleiben. Dafür bürgt die Papa Löwe Filmproduktion als Tochter der Janosch Film + Medien AG und Schöpfer der Fernsehepisoden im "Tigerentenclub". Da sieht man auch gerne über ein subtil platziertes Tigerenten-Fahrrad hinweg – Janosch ist eben längst auch eine Marke.

Es begeistern insbesondere die liebevoll und detailreich gestalteten Bilder in typisch Janosch'scher Farb- und Formästhetik fernab jeden süßlichen Kitsches. Annette Focks' groß orchestrierte Musik transportiert die heiter-gelassene Stimmung und liefert mit dem "Panama Song" auch noch ein eingängiges Lied zum Mitsingen. Ebenso gelungen ist die Synchronisation – wer hätte Til Schweiger eine derart warme und leichte Stimmfarbe zugetraut? Der von Anke Engelke gesprochene Fisch, eine der eigens für den Film erdachten Figuren, erinnert nicht von ungefähr an Dory aus "Findet Nemo".

Wie schon Dorothy im "Zauberer von Oz" lernte, "There's no place like home", so stellen auch Tiger und Bär nach ihrer abenteuerreichen Reise fest, dass es Zuhause am schönsten ist – und Janoschs federleicht vermittelte Botschaft ergänzt: Freundschaft ist das Allerbeste.

"Kindgerecht" hat oft einen schalen Beigeschmack, weil der Begriff immer auch "pädagogisch wertvoll" impliziert – und das klingt nicht wirklich nach Spaß. Diesem Film aber darf getrost das Gütesiegel "kindgerecht" und Spaß attestiert werden. Selten hat ein Kinderfilm so bezaubert, und zwar Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Ein filmisches Kleinod.

Ulrike Seyffarth

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.OH, WIE SCHÖN IST PANAMA im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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Ausgabe 108-4/2006

 

Inhalt der Print-Ausgabe 108-4/2006|

Filmbesprechungen

AB DURCH DIE HECKE| CARS| DAS HÄSSLICHE ENTLEIN & ICH| HUI BUH — DAS SCHLOSSGESPENST| KARO UND DER LIEBE GOTT| LOVITOR| MARTA UND DER FLIEGENDE GROSSVATER| MEIN KLEINER BRUDER| MILCH UND OPIUM| MONSTER HOUSE| MORGEN, FINDUS, WIRD'S WAS GEBEN| OH, WIE SCHÖN IST PANAMA| PAULAS GEHEIMNIS| DER ROTE KAKADU| TKKG – DAS GEHEIMNIS UM DIE RÄTSELHAFTE MIND-MACHINE| VITUS| WIE MAN KROKODILE ZÄHMT| ZAINA, KÖNIGIN DER PFERDE|

Interviews

Krää , Gernot - Interview mit Gernot Krää zu "Paulas Geheimnis"| Palombo, Joel - "Ich möchte ein Kino, das zum Fragen herausfordert"| Proskar, Danielle - "Mit Kindern zu drehen ist sehr bereichernd – ein ständiger Sonnenschein am Set"| Rosslenbroich, Gabriele - "Wir sind überzeugt, dass man Kindern das Medium Film im Kino näher bringen muss"| Schardt, Andreas - "Für viele ist die Förderung durch das Kuratorium so etwas wie ein Gütesiegel"| Schwochow, Christian und Matthias Adler - "Man wacht morgens auf und dann ist eine Figur da – und die hieß ganz schnell Marta"| Stacke, Manuela und Katrin Milhahn - "Es gibt nicht viele Filme, die Kinder noch interessieren und trotzdem auch schön sind für Erwachsene" |


KJK-Ausgabe 108/2006

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