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Ausgabe 108-4/2006

ZAINA, KÖNIGIN DER PFERDE

ZAINA, CAVALIERE DE L'ATLAS

ZAINA, KÖNIGIN DER PFERDE

Produktion: Rezo Prod. / Prokino / France 3 Cinéma / FCC; Algerien / Frankreich / Deutschland 2005 – Regie: Bourlem Guerdjou – Buch: Bourlem Guerdjou, Juliette Sales – Kamera: Bruno de Keyzer – Musik: Cyril Morin – Darsteller: Aziza Nadir (Zaina), Sami Bouajila (Mustapha), Michel Favory (Abdellatif), Simon Akbarian (Omar) u. a. – Länge: 101 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – FBW: bw – Verleih: Prokino – Altersempfehlung: ab 8 J.

Es sind vor allem die imposanten Landschaftsbilder aus dem Atlasgebirge, im Breitwandformat souverän gefilmt von Bruno de Keyzer, die in Erinnerung bleiben. Der algerischstämmige französische Regisseur Bourlem Guerdjou erzählt vor dem Hintergrund der wilden Berg- und Wüstenkulisse des Atlas die abenteuerliche Geschichte einer weiblichen Initiation und Emanzipation, die Elemente des orientalischen Märchens, des Road Movies und des Westerns zu einem sehenswerten Kinoerlebnis für jung und alt verknüpft.

Vor langer Zeit im Atlasgebirge spielt die Geschichte, die uns die elfjährige Araberin Zaina erzählt. Sie hat gerade ihre Mutter Selma verloren. Weil sie ihren reichen Stiefvater Omar für deren Tod verantwortlich macht, lehnt sie es beim Begräbnis ab, mit ihm zu leben. Stattdessen geht sie mit ihrem leiblichen Vater Mustapha, der vor Selmas Tod nichts von Zaina wusste, fort. Der Nomade soll die besten Reiter seines Stammes nach Marrakesch führen, wo sie am berühmten Pferderennen, dem Agdal, teilnehmen wollen. Beim weiten Weg durch Wüsten und über Berge warten tiefe Felsspalten und rutschige Abstiege, aber auch hinterhältige Pferdediebe. Außerdem will der mächtige Omar Zaina einfach nicht aufgeben und greift mit seinen bewaffneten Gefolgsleuten immer wieder Mustaphas Gruppe an. Auf der beschwerlichen Reise kommen sich Vater und Tochter allmählich näher, bis endlich am Horizont das verheißungsvolle Marrakesch auftaucht.

Die Formulierung "Es war einmal ...", von Zaina im Off vorgetragen, gibt den Ton des Films vor, der zunächst an die Sagen aus "Tausend und einer Nacht" erinnert. Doch Guerdjou, der vor sieben Jahren in seinem Film "Vivre au paradis" den Alltag algerischer Immigranten in Paris unter die Lupe nahm und dafür den Preis für das beste Erstlingswerk in Venedig gewann, packt in die Märchengeschichte reichlich Konfliktstoff aus der arabischen Gesellschaft, die noch heute tiefgreifend patriarchalisch geprägt ist und Frauen kaum Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Zaina fungiert als Hoffnungsträgerin: Sie wiederholt die wagemutige Tat ihrer Mutter, die verbotenerweise am Pferderennen teilgenommen und es sogar gewonnen hat, dafür aber von ihrem Mann verstoßen und von der männlich geprägten Gesellschaft geächtet wurde.

Die schwierige Beziehung zwischen Tochter und Vater steht im Mittelpunkt, während die vielen Kämpfe mit Widersachern und Unbilden der Natur dramaturgische Garnitur bleiben: Sie sind außerdem zu episodisch angelegt, um höhere Spannung aufzubauen. Dass die Darsteller, allen voran die begabte junge Azir Nadir als Zaina, ihre Aufgaben solide lösen, tröstet darüber hinweg, dass der Ausgang der Story recht vorhersehbar ist, der Off-Kommentar der Heldin manchmal zu betulich wirkt und der Jubel der Männergemeinde über den Sieg des Mädchens im Show Down unglaubwürdig ist. Trotz solcher Schwächen ist "Zaina" ein visuell attraktiver Abenteuerfilm für Kinder und Familien. Das hat er mit dem Publikumspreis beim Filmfestival von Locarno 2005 schon bewiesen.

Reinhard Kleber

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.ZAINA, KÖNIGIN DER PFERDE im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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Ausgabe 108-4/2006

 

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