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Ausgabe 120-4/2009

LAURAS STERN UND DER GEHEIMNISVOLLE DRACHE NIAN

Produktion: Rothkirch Cartoon-Film / Warner Bros.; Deutschland 2009 – Regie: Piet de Rycker, Thilo Rothkirch – Buch: Piet de Rycker, Thilo Rothkirch, Rolf Giesen, Alexander Lindner, nach Figuren der Kinderbücher von Klaus Baumgart – Schnitt: Christine Lüdecke – Musik: Henning Lohner, Guy Cuyvers, Frank Federsel – Länge: 75 Min. – Farbe – FBW: besonders wertvoll – FSK: o. A. – Verleih: Warner Bros. – Altersempfehlung: ab 6 J.

Computeranimierte Kinderfilme made in Gerrmany – bis vor wenigen Jahren war so etwas kaum vorstellbar. Heute gehören sie inzwischen fast zum Kinoalltag, man denke nur an "Mullewapp" und "Prinzessin Lilifee". Auch das Ehepaar Maya Gräfin und Thilo Graf Rothkirch bleibt fünf Jahre nach Lauras erster Sternenreise sowie zwei weiteren Werken ("Der kleine Eisbär 2" und "Kleiner Dodo") seiner Linie treu und präsentiert mit dem Sequel "Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian" ein fantasievolles, liebevoll designtes Abenteuer für die ganz jungen Kinogänger. Dabei halten sich Spannung und Spaß in etwa die Waage, ohne beide Komponenten allzu sehr auszureizen. Zugleich legen die Rothkirchs und ihr langjähriger Regie- und Drehbuchpartner Piet De Rycker viel Wert auf die Wiedererkennung ihrer Marke, die sich dank der Buchvorlagen von Klaus Baumgart in den deutschen Kinderzimmern vornehmlich weiblichen Geschlechts bereits felsenfest etabliert hat.

Nach einem "himmlischen" Vorspann mit durchs All fliegenden Musikinstrumenten und allerlei Spielzeug rückt denn auch umgehend Lauras Familie in den Fokus. Die ist gerade auf dem Weg nach Peking, wo Mama, die Cello-Virtuosin, gemeinsam mit chinesischen Musikern zum dortigen Neujahrsfest ein Konzert geben wird. Mit im Gepäck auch Lauras Stern. Doch weil der nicht durch die strengen Flughafenkontrollen kommt, muss er seiner Freundin eben hinterher fliegen. Im fernen Asien geht das glitzernde Maskottchen allerdings verloren und wird von dem chinesischen Mädchen Ling-Ling gefunden. Mit Hilfe eines kleinen Drehbuch-Kniffs laufen sich Laura und Ling-Ling in der Millionenmetropole Peking schließlich zufällig über den Weg, raufen sich nach anfänglichen Animositäten zusammen und beschützen den furchterregenden Drachen Nian, der in Wirklichkeit ein ganz lieber ist, vor einer geheimnisvoll grauen Wolke.

Dieser farbenprächtige Nian übernimmt – ähnlich wie der Hektor in "Hexe Lilli" – im zweiten Teil des Films die Hauptrolle. Obwohl das Fabeltier nicht sprechen kann, wird es dank der Stimme von Komiker-Kugel Dirk Bach (gerade auch in Pixars "Oben" zu hören) zum Leben erweckt. Und dieses Ächzen und Stöhnen, Wimmern und Jammern ist so komisch, dass nicht einmal Lauras kleiner Bruder Tommy Angst vor Nian hat. Letzterer sorgt mit seinen Faxen wie dem "Salto mortadello" ebenso für Erheiterung, während eine aufwändige Flugeinlage über Pekings Nachthimmel in Staunen versetzt. Rycker und die Rothkirchs haben den zweiten Laura-Film erstmals komplett 3D-computeranimiert. Dennoch behielt man den Charme des Originals bei, indem trotz modernster Technik einfach der traditionelle Zeichentrickstil nachempfunden wurde.

Neben reichlich klassischem Entertainment erzählt diese knallbunte Peking Opera für Kinder auch von Freundschaft und Völkerverständigung mit der Musik als verbindendem Element (auf der Score-Liste tauchen sowohl der chinesische Ausnahmepianist Lang Lang als auch eine Variation des Ich & Ich-Hits "Vom selben Stern" auf). Trotz aller Kleine-Mädchen-Naivität kommen die Dialoge nicht zu süßlich, sondern frisch und zeitgemäß daher, allerdings sind sich die Stimmen der beiden Hauptdarstellerinnen zu ähnlich und erreichen nicht ganz das Niveau der ursprünglichen Laura-Sprecherin Céline Vogt. Weil dieser Culture-Clash-Spaß für den Nachwuchs mit vielen gut beobachteten Details aufwartet und sehr schön die Grenzen zwischen Fantasie und Realität auslotet, sollte "Lauras Stern 2" durchaus in Dimensionen des Vorgängers, der 2004 knapp 1,4 Millionen Kindergarten-Kids sowie Erst- und Zweitklässler begeisterte, vorstoßen können.

Thomas Lassonczyk

 

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Ausgabe 120-4/2009

 

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