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Ausgabe 50-2/1992

HOOK

Produktion: TriStar Pictures / Amblin Entertainment, USA 1991 – Regie: Steven Spielberg – Buch: Jim V. Hart, Malia Scotch Marmo – Kamera: Dean Cundey – Schnitt: Michael Kahn – Musik: John Williams – Darsteller: Dustin Hoffman (Captain Hook), Robin Williams (Peter Banning/Peter Pan), Julia Roberts (Tinkerbell), Bob Hoskins (Smee), Maggie Smith (Granny Wendy) u. a. – Laufzeit: 135 Min. – Farbe – FSK: ab 6, ffr. – Verleih: Columbia TriStar (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Steven Spielberg macht seine Kinoträume wahr: Er ist ein Mythenfresser und will mal wieder die Illusionen seiner Kindheit beleben. Also, zurück in die Vergangenheit, als Peter Pan noch durch die Lüfte fliegen konnte, um das Mädchen Wendy glücklich zu machen. So einfach geht das nicht ...

Kaum zu glauben, dass sich hinter dem gestressten Manager Peter Banning mit Angst vorm Fliegen, verheiratet und seine Familie sträflich vernachlässigend, der einstige flugbegabte Held Peter Pan verbergen soll: Robin Williams vermenschlicht hier (ähnlich wie in "Popeye", 1980) eine Figur, die viele nur aus dem klassischen Trickfilm von Walt Disney kennen. Julia Roberts ist die reizende Elfe Glöckchen, die seine kindlich-träumerische Vorstellungskraft und seine verschütteten Erinnerungen wecken muss. Der Weg dahin ist beschwerlich, auch für den Zuschauer, es dauert nämlich geschlagene 100 Minuten, bis für den alten Peter der Höhenrausch endlich beginnt.

Der Aufwand ist riesig: Viel Brimborium (für Hook wandeln sich schlagartig die Treppenstufen in rot) und eine pomphafte Kulissenwelt von Nimmerland (mit Sternenzauber und gleich drei Monden am Nachthimmel) haben zwar vieles an Schauwert zu bieten, aber die beste Ausstattung und die farbenprächtigsten Kostüme können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Geschichte am nötigen Schwung fehlt. Außerdem hat sich Steven Spielberg nämlich mit den verschiedenen Handlungssträngen selbst eine Falle gestellt. Natürlich entwirrt er alles und genau deshalb wird es streckenweise langweilig.

Die Vorgeschichte über den Papa, der sein Versprechen (Sohnemann hat das wichtigste Baseballspiel seines Lebens) nicht einhält, weil ihn die Geschäftstermine drücken, ist sicher für die Väter aller Länder ein harter Schlag, zumal der hinterlistige Captain Hook genau darauf seine Strategie der Verführung aufbaut – und auch entsprechend erfolgreich ist. Vorgeschichte zwei handelt von der inzwischen 92-jährigen Urgroßmutter Wendy und der Feier ihrer Wohltätigkeit, während der Peters Kinder entführt werden und in die Fänge von Captain Hook geraten. Die Elfe holt Peter nach Nimmerland: Um seine Kräfte wieder zu erlangen, gibt es deshalb hier die große Rückblende auf die ursprüngliche Peter-Pan-Story.

Schließlich klappt es: Die Rückkehr in die Kindheit macht Peter wieder zum verständnisvollen und liebenden Familienvater, doch zuvor muss Steven Spielberg noch alle Rahmen schließen. Vom Duell mit Hook bis zum Abschied von Nimmerland, vom herzigen Dank an Wendy bis zum Fensterwurf seines schnurlosen Telefons. Wenn hier einer das Publikum wirklich an den Haken bekommt, dann ist es der wunderbar-wandelbare Dustin Hoffman als Captain Hook, denn in seiner Ambivalenz (bitterböse und tieftraurig) steckt mehr vom Kind als im strahlenden Peter Pan.

Manfred Hobsch

 

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Ausgabe 50-2/1992

 

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