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Ausgabe 50-2/1992

DER TROMMLER VOM FLAMMENBERG

HUO YAN SHAN LEI DE GU SHOU

Produktion: Chinesisches Kinderfilmstudio, Volksrepublik China 1991 – Regie: Guang Chunlan – Buch: Ma Yan, Guang Chunlan – Kamera: Qi Xing – Musik: Yi Kemu – Darsteller: Kurbanjian (Kulaixi), Ahyinula (Xinlinayi) u.a. – Laufzeit: 94 Min. – Farbe – Format: 35mm – Weltvertrieb: China Film Export Corporation, 25 Xinwai Street, TJ-Beijing – Altersempfehlung: ab 8 J.

Kulaixi – zum Trommeln geboren; Lalaguli – zum Tanzen geboren! Weit weg von uns im Nordwesten Chinas, am Rande der Wüste Gobi, am Fuße der Flammenberge, wo Jade glänzende Trauben wachsen, wohnen diese beiden Kinder, die Musik und Tanz und Rhythmus im Blut haben. Wenn der 13-jährige Kulaixi mit phänomenaler Technik und virtuoser Kraft die Handtrommel schlägt, und die etwas jüngere, bezaubernde Lalaguli dazu tanzt und jede Modifizierung des Tempos aufzunehmen vermag, dann wird das rhythmische Trommeln um die Dimension des Raumes erweitert.

In das abgelegene Bergdorf kommen eines Tages Musikwissenschaftler und Studenten, ausgerüstet mit Tonbandgeräten, um zu hören, was das einfache Volk so singt, so musiziert. Die Stadtmenschen staunen nicht schlecht, als sie die betörend anmutige Lalaguli tanzen sehen, getragen von den kraftvollen Rhythmen des passionierten Trommlers Kulaixi, der es nie gelernt hat, Noten zu schreiben. Wie sein Großvater, der von sich sagt, er könne besser singen als sprechen. Als Kulaixi das geliebte Dorf zwischen Wüste und Gebirge nicht verlassen will, um in der Hauptstadt Urumqi die Musikschule zu besuchen, greift Großvater zu den Kastagnetten, um die wichtige Rede an den Enkel rhythmisch zu akzentuieren: "Der Mensch hat nur ein Leben, ein guter Jäger braucht kein Gewehr, ein guter Reiter braucht keine Peitsche, ein gutes Fohlen läuft ans Ziel, ein guter Mensch bringt die Dinge zu Ende ..."

In der großen Stadt wohnt Kulaixi bei seinem Vater, der nach dem frühen Tod von Kulaixis Mutter – sie war eine begnadete Tänzerin – wieder geheiratet hat. Während die zweite Frau des Vaters über den Familienzuwachs vom Lande zunächst nicht sonderlich begeistert ist, wird Kulaixi von seiner neuen Schwester, die auch Musik studiert, und dem kleinen Bruder herzlich und ohne Umschweife in die Familie aufgenommen. Natürlich macht Kulaixi mit seinem Trommelspiel mächtig Furore, und die Musikgruppe, in der er mit vehementem Zugriff die Trommel schlägt, gewinnt beim nationalen Wettbewerb den ersten Preis.

Der Film versetzt uns in die Uigurische Autonome Region Sinkiang, aus der auch von TV-Reportern bis jetzt noch kaum berichtet wurde. Wir sehen Kulaixi auf seinem Eselskarren, mit dem er Körbe voller praller Trauben ins Dorf bringt. Seine kleine Freundin Lalaguli hilft ihm dann, die Reben zum Trocknen auf hohe Holzgestänge zu hängen. Wir erfreuen uns an den Tänzen und Orchesterproben der Musikstudenten und erfahren etwas vom Alltagsleben der Menschen in der Hauptstadt Urumqi. In einer Schlüsselszene wird die tiefe Verbundenheit mit dem Glauben der Ahnen erfahrbar. Kulaixi, in Verzweiflung aus der Stadt geflohen, um in sein Heimatdorf zurückzukehren, begegnet unterwegs in einem Tempel den altehrwürdigen Göttern und findet ihnen zu Füßen Trost und Geborgenheit.

Nachtrag: Eines Tages möchte ich nach China reisen, um Kulaixi trommeln zu hören und Lalaguli tanzen zu sehen ... Vielleicht werden die jungen Künstler ja mal nach Deutschland eingeladen!

Dorothea Holloway

 

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