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Ausgabe 83-3/2000

TIGGERS GROSSES ABENTEUER

Produktion: Walt Disney; USA 2000 – Regie und Buch: Jun Falkenstein, nach den Buchfiguren von A. A. Milne – Schnitt: Robert Fisher – Musik: Harry Gregson-Williams, Richard M. und Robert B. Sherman (Songs) – Länge: 77 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Buena Vista (35mm) – Altersempfehlung: ab 5 J.

An einem sonnigen Tag schaut der ungestüme Tigger bei all seinen Freunden vorbei, weil er so gerne mit ihnen durch den Tausend-Morgen-Wald tollen würde. Doch alle sind beschäftigt oder tun so. Nur das kleine Känguruh-Kind Ruh liebt es, mit Tigger wild herum zu hüpfen. Da wird Tigger nachdenklich und ihm wird klar, dass er der einzige Hula-Hupler-Springer im Wald ist. Ruh bringt ihn auf die Idee, nach seiner Familie zu suchen. So schreibt er einen Brief an seine unbekannten Verwandten und lädt sie zu sich ein. Als auch nach Wochen keine Antwort eingetroffen ist und Tigger immer trauriger wird, beschließen der Bär Winnie Puuh, Ferkel, Rabbit, der Esel I-Aah, Eule, Kanga und Ruh, ihrem Freund zu helfen. Sie geben sich als seine Familie aus und kommen – in gestreiften Tigerkostümen – zu Besuch. Doch Tigger entdeckt die Maskerade und bricht enttäuscht auf, seine Verwandten nun endlich selbst zu suchen. Dabei gerät er in einen eisigen Wintersturm. Seine tierischen Freunde machen sich große Sorgen und folgen ihm, um ihn zur Heimkehr zu bewegen. Nachdem eine riesige Lawine für Aufregungen und Gefahren gesorgt hat, lässt sich Tigger eines Besseren belehren. Er erkennt, dass seine Freunde, die ihn lieben, seine Familie sind.

Die amerikanische Filmemacherin Jun Falkenstein hat sich für die Disney-Produktion von den berühmten Kinderbüchern des englischen Autors A. A. Milne (1882-1956) anregen lassen. Die erste Puuh-Geschichte veröffentlichte Milne in einer Londoner Zeitung im Dezember 1925 und legte damit den Grundstein für eine Jahrzehnte anhaltende Popularität. Insgesamt schrieb Milne zwanzig Puuh-Geschichten. Tigger erblickte erstmals 1928 das Licht der Welt und trat nur in drei Geschichten auf. Milnes Werke wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und weltweit etwa 45 Millionen Mal verkauft.

In den Mittelpunkt ihres Drehbuchs hat Falkenstein jedoch nicht den knuddeligen Bären Puuh, sondern den quirligen Tigger gestellt. Nachdem sich die Regisseurin schon 1998 in dem TV-Special "A Winnie the Pooh Thanksgiving" mit den Figuren beschäftigt hat, ist ihr Zeichentrickfilm die erste "Puuh"-Leinwandadaption seit 17 Jahren. Vorangegangen waren vier Kurzfilme, denen etliche TV-Versionen und Produktionen für den Videomarkt folgten.

Mit der simplen Geschichte über die Suche nach familiärer Geborgenheit und der einfachen zeichnerischen Figurendarstellung zielt Falkensteins Langfilmdebüt – anders als die meisten großen Disney-Zeichentrickfilme der letzten Jahre – unverkennbar auf die jüngsten Zuschauer. Bei gemächlichem Tempo füllt die linear erzählte Handlung gerade mal 77 Minuten. Tiggers Lispeln und andere sprachliche Unvollkommenheiten spiegeln humorvoll wider, wie mühsam es für kleine Kinder oft ist, die Sprache der Erwachsenen zu lernen und fehlerfrei anzuwenden. Demgegenüber dürften sich erwachsene Begleitpersonen im Kino vor allem über die Parade der berühmtesten Tiggers amüsieren, die auf bekannte Leinwandgrößen wie zum Beispiel Fred Astaire anspielen.

Der konturbetonte Zeichenstil mit seiner Konzentration auf das Wesentliche kommt wiederum vor allem den Bedürfnissen des ganz jungen Publikums entgegen. Dazu passt die farbliche Betonung der kräftig ausgemalten Tierfiguren vor den eher skizzenhaften Hintergründen, die mit Wasserfarben gestaltet wurden. Der künstlerische Leiter Toby Bluth ließ sich zu diesem "Licht durchfluteten Look" von den Illustrationen des britischen Künstlers E. H. Shepard für vier frühe Puuh-Geschichten inspirieren. Die zuständige TV-Animationsabteilung von Disney vergab übrigens fast 60 Prozent der szenischen Arbeiten an das japanische Disney-Trickstudio.

Auch die sechs harmonisch gestimmten Lieder der Oscar-gekrönten Komponistenbrüder Richard M. und Robert B. Sherman sowie der Schluss-Song von Kenny Logins dürften bei den Jüngsten dank ihrer eingängigen Melodien auf großen Zuspruch stoßen. Die Sherman-Brüder können auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen: Sie steuerten Lieder zu fünf Disney-Trickfilmen bei und schrieben bzw. komponierten große Disney-Hits wie "It's a Small World" für "Das Dschungelbuch" (1967) und die populären Melodien des Klassikers "Mary Poppins" (1964). Auch alle Kompositionen der bisherigen "Puuh"-Kurzfilme gehen auf ihr Konto.

Reinhard Kleber

 

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