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Ausgabe 90-2/2002

NOMADEN DER LÜFTE – DAS GEHEIMNIS DER ZUGVÖGEL

LE PEUPLE MIGRATEUR

Produktion: Galatée / France 2 Cinéma / France 3 Cinéma / Bac / Les Productions de la Guéville / Pandora / WDR / Wanda Vision / Eyescreen / J.M.H. / Télévision Suisse Romande; Frankreich / Deutschland / Spanien / Schweiz 2001 – Regie: Jacques Perrin, Michel Debats, Jacques Cluzaud – Buch: Jacques Perrin, Stéphane Durand – Kamera: Michel Benjamin und 13 Kameramänner und -frauen – Schnitt: Marie-Joséphe Yoyotte, Colette Beltran, Pauline Cazalis, Catherine Mauchain – Musik: Bruno Coulais – Darsteller: – Länge: 99 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Kinowelt (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Wie eine große vitale Sinfonie der Bewegungen füllt dieser ungewöhnliche Film die Leinwand. Flügelnah ist er den Zugvögeln aller Arten nahezu überall auf der Welt auf der Spur und schafft ein spannendes Abenteuerkino, ein federleichtes "Sky Movie".

Kraniche gleiten in V-Formationen vorüber und rasten an den großen Seen Europas. Ringel- und Graugänse ziehen kraftvoll ihre Bahnen und imposante weiße Pelikane überfliegen die Ebenen der USA und Kanadas, während die kanadischen Schneegänse auf ihrem Weg nach Norden und die wilden Schwäne von Japan nach Europa unterwegs sind. Dabei werden verschiedenartige Landschaften überflogen – das schottische Hochland, die Fjorde Norwegens und die Nordsee-Dünen, die Kreidefelsen am Ärmelkanal, Wälder aus Laub- und Nadelbäumen, die Taiga, Vulkane in Japan. Wenn die Zeit des Balzens und Brütens kommt, müssen Raubtiere und Jäger von den Eiern in den unterschiedlichsten Nestern vertrieben werden. Die ersten Geh- und Flugversuche der Jungen sind dann so abenteuerlich rührend und komisch wie hoffnungsvoll und schließlich auch erfolgreich. Himalaya, Pyrenäen, der Golf von Mexiko, Savannen und Wüsten werden in zum Teil atemberaubenden Höhen überflogen. In den Tropen sind die Vogelarten fröhlich kunterbunt – die Aras, Kolibris, Tukane. Und in der Antarktis können die Pinguine und Albatrosse nur durch ihre Schwimmkünste oder den artistischen Segelflug dicht über den Wellen überleben.

Jacques Perrin, der eigentlich immer auch Schauspieler war und beispielsweise in den ersten Costa-Gavras-Filmen wie "Z" und "Sondertribunal" große Rollen spielte und außerdem produzierte, hat keinen landläufigen ornithologischen Lehrfilm gedreht, sondern eine dokumentarische Hommage an eine Tiergattung, die den Menschen von jeher zu Träumen und Sehnsüchten inspiriert hat. Drei Jahre hat er mit seiner Crew in 25 Ländern insgesamt 44 Vogelarten beobachtet und gefilmt. Flugtechnisch auf dem neuesten Stand und speziell ausgerüstet: mit einem Ultraleichtflugzeug, einem Deltadrachen und ferngesteuertem Minihubschrauber. So konnten sie die Vögel auf ihren Flügen regelrecht begleiten und uns Zuschauern das aufregende Gefühl vermitteln, dabei zu sein, mit zu fliegen.

In der Normandie hat Perrin eine Schule für seine "Stars" eingerichtet und sie von Fachbetreuern in Aufzucht und Hege auf den Menschen und seine Flugapparate und dadurch auf die Filmaufnahmen vorbereiten lassen. Kein schulmeisterlicher Kommentar quatscht den Film zu – Perrin vertraut auf seine Bilder, die durch den Respekt vor den Tieren und die faire Distanz ihre Faszination erhalten. Disney ist da ein ganz anderer Planet. Perrin regt an zum Nachdenken – auch über uns selbst. Sein atmosphärisch stimmungsvoller Film ist in Frankreich bereits ein Riesenerfolg – bei uns kann er es auch werden.

Frauke Hanck

 

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