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Ausgabe 105-1/2006

ERIK IM LAND DER INSEKTEN

ERIC OF HET KLEIN INSECTENBOEK

Produktion: Egmond Film&Televisie Amsterdam / Tradewind Pictures Köln/Erfurt; Niederlande / Deutschland 2004 – Regie: Gidi van Liempd – Buch: Cecilie Levy, Gidi van Liempd, nach dem Kinderbuch von Godfried Bomans – Kamera: Hein Groot – Schnitt: Els Voorspoels – Musik: Ellert Driessen – Darsteller: Jasper Oldenhof (Erik), Yale Sackman (Rosalie), Anne Mieke Ruyten (Eriks Mutter), Jaak van Assche (Großvater) u. a. – Länge: 97 Min. – Farbe – FSK: o. A., ffr. – Verleih: Atlas Intermedia Film+Medien Vertriebs GmbH – Altersempfehlung: ab 6 J.

Folge dem Gefühl und nicht dem Verstand. Du schaffst es. Trau dich. Verlass dich auf deinen Instinkt, dann wird alles gut. So lauten die einfachen Botschaften, die Eriks Erlebnisse zwischen Traum und Wirklichkeit auch musikalisch in Songform begleiten.

Erik träumt lieber von seiner Mitschülerin Rosalie als sich Gedanken über das anstehende Referat zu machen. Von der Lehrerin in die Enge getrieben, nennt er spontan "Insekten" als Thema. Warum? Vielleicht weil Rosalie Schmetterlings-Zopfspangen trägt. Jedenfalls ist nur ein Tag Zeit bis zum Vortrag. Wenn doch nur der Vater noch lebte! Großvater bietet seine Hilfe an, würde am liebsten die ganze Arbeit selbst schreiben. Gemeinsam stöbern sie auf dem Dachboden und finden das Buch des Vaters über Insekten, alte Fotos und ein farbenfrohes großes Bild mit vielen kleinen Insekten, in dem Erik versinkt. Plötzlich spricht der eingerahmte Ur-Ur-Großvater zu ihm, die kleine elegante Omi wird aktiv und zaubert ihr Urenkelkind mitten hinein ins Land der Insekten, wo Erik drastisch verkleinert ankommt. Da sind sie alle auf Augenhöhe: Hummel, Heuschrecke, Käfer, Tausendfüßler, Mücke, Ameise, Regenwurm und Schmetterling.

Jetzt beginnt ein wundersames Lehrstück in einer Welt, die Erik noch nie erblickt hat. Er kommt aus dem Staunen nicht heraus, so dass er all die Gefahren, in die er hineingeschubst wird, in ihrer Dimension gar nicht richtig erfasst. Und das ist gut, denn sonst wäre er womöglich aus einem Albtraum erwacht. So aber kann er unbeschadet zurückkehren in seine Kinder- und Schulwelt. Am Morgen erzählt er in der Klasse, was er alles in der letzten Nacht gesehen hat. Die Mitschüler sind amüsiert und die Lehrerin ist hingerissen von der Phantasie des Knaben. Dabei hat er doch alles selbst so erlebt – oder war es doch nur ein Traum? Rosalie jedenfalls strahlt und Erik ist glücklich, was Großvater lapidar mit "Erster Liebe und so" kommentiert.

Schon interessant, wie der niederländische Regisseur Gidi van Liempd seine Geschichte erzählt, ziemlich unsentimental, was Gefühle betrifft, zum Beispiel Großvaters Erklärungen vom Tod, der ja selbstverständlich zum Leben gehört. Andererseits setzt er voll auf die Kraft der Kinder, in diesem Fall auf Erik, den er ins Land der nicht gerade freundlichen Insekten schickt. Ihr Anblick ist auch nicht jedermanns Sache. Es sind Menschen in Kostümen, den Insekten nachempfunden. Und Insekten sind nun mal keine hübschen, liebenswerten Gesellen, aber auch wer liebenswert ist, ist nicht hübsch. Das trifft besonders auf den lebensklugen blinden Regenwurm zu. Nur die Schmetterlinge sind süß – wie Rosalie.

Die Ausstatter haben sich viel Mühe gegeben mit den Gesichtern und den Kostümen. Trotzdem ist das gewöhnungsbedürftig. Ein wenig fühlt man sich an den norwegischen Film "Auf der Jagd nach dem Nierenstein" erinnert. Aber Erik macht seine Sache gut. Er wächst mit der Geschichte, besteht Prüfungen und Gefahren. Er hat sich was getraut und hat gewonnen – siehe Anfang.

Zu diesem Film hat Atlas Intermedia ein Filmheft für den Schulunterricht herausgegeben. Darin sind nicht nur die Insekten erklärt, sondern auch praktische Übungen vorgestellt (Spiele für die Vorschule, Leben auf der Wiese), um den Kinobesuch vorzubereiten. Das mag ein wenig betulich erscheinen, aber andererseits ist es immer wieder erstaunlich, wie wenig Lehrer über Film wissen, wie wenig sie dieses Medium in ihren Unterricht mit einbeziehen. Jedenfalls ist "Erik im Land der Insekten" mehr als ein lehrreicher Film, er ist vergnüglich, spannend und macht Kindern Mut, etwas zu erreichen, auch wenn sie einmal nicht fleißig und gut vorbereitet waren.

Gudrun Lukasz-Aden

 

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Ausgabe 105-1/2006

 

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KJK-Ausgabe 105/2006

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