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Ausgabe 105-1/2006

WALLACE & GROMIT AUF DER JAGD NACH DEM RIESENKANINCHEN

WALLACE & GROMIT – THE CURSE OF THE WERE-RABBIT

WALLACE & GROMIT AUF DER JAGD NACH DEM RIESENKANINCHEN

Produktion: Aardman Features / DreamWorks; Großbritannien / USA 2005 – Regie: Nick Park, Steve Box – Buch: Nick Park, Steve Box, Mark Burton, Bob Parker – Kamera: Dave Alex Riddett, Tristan Oliver – Schnitt: David McCormick, Gregory Perler – Musik: Julian Nott, Hans Zimmer – Sprecher: Benjamin Völz, Peter Kirchberger, Melanie Pukasz, Stefan Standinger – Länge: 85 Min. – FSK: ab 6, ffr. – Farbe – Verleih: UIP – Altersempfehlung: ab 6 J.

Der geradezu käsesüchtige Erfinder Wallace und sein treuer Freund und Helfer, der Hund Gromit, waren bisher nur aus Oscar-prämierten und nominierten Kurzfilmen bekannt. Nachdem Wallace & Gromit-Erfinder Nick Park seine Methode, mit Plastilinfiguren in Stop Motion zu arbeiten, auch erfolgreich bei Spielfilmen wie "Hennen rennen" anwenden durfte, bot sich die Gelegenheit, für seine "Erstgeborenen" einen kompletten Spielfilm zu schreiben und zu inszenieren. Fünf Jahre dauerte es von Beginn der Arbeiten bis zur Fertigstellung des Films. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es wäre verwunderlich, wenn dieser Film nicht ebenfalls für einen Animations-Oscar nominiert würde.

Die Ausgangsbasis dieses Films ist das in dem Städtchen West Wallaby angesetzte Herbst-Gemüsefest. In allen Gärten wachen elektronische Gartenzwerge oder sonstige Gerätschaften über die Sicherheit des gehegten und gepflegten Gemüses. Will sich ein Kaninchen auch nur über eine Karotte hermachen, wird Alarm bei Wallace & Gromit ausgelöst, die eine Firma zur Sicherung der Gärten gegründet haben: Anti-Pesto. Auf Deutsch entspräche das in etwa "Anti-Schädlingo", im Englischen ist es ein Wortspiel mit der italienischen Vorspeise, dem Antipasto. Wortspiele sind im Übrigen durch den ganzen Film gestreut. Sie machen einen Teil des Reizes aus, den aufmerksame Filmbetrachter en passant in vielen Details entdecken können. Leider ist ein großer Teil dieser Wortspiele so ur-britisch, dass er für viele deutsche Betrachter verschenkt ist, aber das macht fast nichts, denn der Film ist auch ohne Kenntnis dieser Wortspiele ein reines Vergnügen, weil die Geschichte stimmt.

Um das Gemüsefest zu sichern, sollen Wallace und Gromit die Ländereien von Lady Tottington auf schonende Weise von Kaninchen befreien, sehr zum Ärger von Victor Quartermaine, der nicht nur die Kaninchen abschießen, sondern auch gern Lady Tottington ehelichen würde. Aber Wallace und Gromit kommen ihm mit ihrem Kaninchensauger zuvor. Das Gemüsefest könnte steigen. Das Problem ist nur, Wallace und Gromit können und wollen die niedlichen Tierchen, die sie aus dem Erdreich entfernt haben, nicht umbringen. Sie verstecken sie einfach in ihrem Keller. Erfinder Wallace plant, sie mit einer Art Gehirnomat einer Gehirnwäsche unterziehen zu können und ihnen die Lust auf Gemüse auszutreiben. Doch das Experiment geht schief. Und bald darauf werden die Gärten geplündert und das Gemüse gemeuchelt. Wie der Pastor zu berichten weiß, treibt ein riesiges Kaninchen sein Unwesen im Ort. Wallace und Gromit nehmen die Verfolgung auf und dabei macht Gromit eine überraschende Entdeckung.

In einem bunten Mix aus Frankenstein, Dr. Jeckyll und Mister Hyde, King Kong und einigen weiteren Klassikern des Horrorgenres strebt die Geschichte ihrer verblüffenden Auflösung entgegen. Auf dem Weg dorthin gibt es unter anderem auch einen "dog fight", der diesen Namen tatsächlich verdient hat. "Dog fight" nennt man normalerweise einen "Zweikampf" zweier feindlicher Flugzeuge, die sich gegenseitig belauern und beschießen. Bei Wallace und Gromit geraten Gromit und Quartermaines Bulldogge in ein solches Fluggefecht, indem die beiden Hunde zwei Flugzeuge aus einem Karussell ausbrechen lassen und sich damit einen herrlichen "dog fight" liefern. (Endlich erfährt man, warum sich in diesen Flugzeugen unter dem "Gaspedal" ein Holzklotz mit der Aufschrift Kindersicherung befindet!)

Am Ende herrscht wieder eitel Sonnenschein. Das Riesenkaninchen ist verschwunden, Wallace ist wieder ganz er selbst, Lady Tottington hat ein Kaninchenreservat. Sie heiratet nicht den Mitgiftjäger Quartermaine, aber auch nicht Wallace, so dass Herr und Hund am Ende wieder ihrem "normalen" Leben nachgehen können.

Nick Park haucht seinen Plastilinfiguren sattes Leben ein. Das ist alles in der Produktion überaus mühsam, sieht im Endeffekt aber so spielerisch leicht aus, dass man den Trickfilmcharakter nahezu vergisst und sich ganz auf die skurrile, erfindungsreiche Geschichte einlässt. Zum "Realismus" dieser Kunstwelt trägt bei, dass man diesmal einige Spezialeffekte aus dem Computer mit den Plastilinfiguren kombiniert hat. Es werden keine Wattebäusche mehr als Nebel durch die Gegend geschoben, sondern wabernde Nebel in die Bilder einkopiert. Selbst die im Kaninchensauger schwebenden Tiere sind mit der Anmutung von Plastilinfiguren am Computer erzeugt. Dennoch wirkt der Film wie aus einem handwerklichen Guss. Mit seiner Fülle an Gags, an Filmzitaten, an sprühendem Witz und einer dennoch nicht überladen wirkenden, weil in sich stimmigen Story, ist dieser Film ein (nicht nur vegetarischer) Leckerbissen für Filmgenießer ob jung oder alt.

Wolfgang J. Fuchs

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.WALLACE & GROMIT AUF DER JAGD NACH DEM RIESENKANINCHEN im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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