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Ausgabe 122-2/2010

13 SEMESTER

Produktion: Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion, in Koproduktion mit HR / Arte; Deutschland 2009 – Regie: Frieder Wittich – Buch: Oliver Ziegenbalg, Frieder Wittich – Kamera: Christian Rein – Schnitt: Marty Schenk – Musik: Oliver Thiede, Tobias Jundt, Kris Steininger, Michael Kamm – Darsteller: Max Riemelt (Momo), Alexander Fehling (Bernd), Robert Gwisdek (Dirk), Claudia Eisinger (Kerstin), Amit Shah (Aswin), Dieter Mann (Professor Schäfer) u. a. – Länge: 101 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Twentieth Century Fox – Altersempfehlung: ab 12 J.

Von der Enge der ostdeutschen Provinz hinaus ins studentische freie Leben: Die Freunde Momo und Dirk aus Brandenburg starten mit ihrem altersschwachen Auto Richtung Westdeutschland zum Studium der Wirtschaftsmathematik nach Darmstadt. Und dort sieht es erst Mal nicht viel anders aus als daheim. Momos Optimismus bröckelt ziemlich schnell. Das beginnt schon bei der Wohnungssuche. Dirk hat Glück, findet das für ihn Passende, trifft neue Freunde, die sich ins Studium stürzen, sämtliche Vorlesungen besuchen, Lerngruppen bilden. Momo bleibt orientierungslos und hat das Gefühl, dass es noch etwas anderes geben muss im Studium als Studieren. Als er Bernd trifft, geht die Post ab. Der zeigt ihm, wie man durch- und bei Frauen ankommt. Kerstin, Momos Traumfrau, rückt so in den Bereich des Möglichen. Momo stürzt sich in dieses lernferne Studentenleben, mitten hinein ins Vergnügen. Mit fatalen Folgen: Er fliegt kurz vor dem Vordiplom aus der Lerngruppe. Dirk zeigt kein Mitleid. Zur rechten Zeit tritt Aswin in Momos Leben, ein indisches Mathe-Genie, fröhlich, unernst, voller skurriler Ideen. Mit knapper Not besteht Momo das Vordiplom und geht für ein Auslandssemester nach Australien. Gezeigt werden Fotos von einem glücklichen Jungen an der Uni, in der es so ganz anders aussieht als in Deutschland. Momo strahlt Lässigkeit und Selbstbewusstsein aus. Das Semester wird in Darmstadt anerkannt und Momo zum Diplom zugelassen. Mit Grausen erkennt er, keine wirkliche Perspektive zu haben. Doch überraschend taucht Dirk auf, der sich als wahrer Freund erweist. Das Film-Ende ist märchenhaft.

Zum Ausgang seines Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen in München auf der Suche nach einem geeigneten Stoff für seinen Debütspielfilm traf Regisseur Frieder Wittich auf Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg. Sie kamen auf die Idee, einen Film übers Studentenleben zu machen, eigentlich ein gängiges Genre, aber nicht in Deutschland. Sie griffen zurück auf eigene Erlebnisse und Empfindungen in ihrer Studentenzeit, die ja noch nicht lange zurück lag, auf Hochs und Tiefs, geplatzten Träumen, vertanen Chancen, Stress und Sinnkrisen. Hauptdarsteller Momo, der eigentlich Moritz heißt und vergeblich hofft, an der Uni diesen Namen los zu werden – wie Oliver Ziegenbalg den Spitznamen "Ziege" – verkörpert all das, was die Autoren selbst erlebt haben. Vier Jahre dauerte die Entwicklung des Projekts. Lange wurde auch über das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit nachgedacht. Jetzt laufen die sechseinhalb Jahre Studium in Momos Erinnerung ab, in jenen fünf Minuten, die ihm noch bis zur letzten, die Zukunft entscheidenden Prüfung bleiben. Mit dieser Szene draußen vor der Tür beginnt der Film, in dem die Vergangenheit filmische Gegenwart wird. Max Riemelt als Momo ist die perfekte Besetzung und auch die anderen Protagonisten machen ihre Sache gut. Ihr Spiel zwischen Streben und Leben ist absolut glaubwürdig. "13 Semester" ist eine mit leichter Hand gedrehte Komödie von der wichtigen Zeit zwischen Jugend und Erwachsenwerden, mit Verständnis und Liebe zu den Protagonisten.

Gudrun Lukasz-Aden

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 122-2/2010 - Interview - Ich möchte, dass die Menschen so miteinander umgehen wie in meinen Filmen

 

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Ausgabe 122-2/2010

 

Inhalt der Print-Ausgabe 122-2/2010|

Filmbesprechungen

13 SEMESTER| ALICE IM WUNDERLAND| BRAN NUE DAE| DAS CHAMÄLEON SCHLÄGT ZURÜCK| DOOMAN RIVER| ECHO DES REGENBOGENS| FRIEDENSSCHLAG – DAS JAHR DER ENTSCHEIDUNG| FRIENDSHIP| IEP!| KNORZEL| DIE LETZTE IHRER FAMILIE| MIN DÎT – DIE KINDER VON DIYARKABIR| PORTRAITS IN A SEA OF LIES| SAME SAME BUT DIFFERENT| SEBBE| SON OF BABYLON| TANZTRÄUME – JUGENDLICHE TANZEN "KONTAKTHOF" VON PINA BAUSCH| TEUFELSKICKER| UNSERE OZEANE|

Interviews

Bezar, Miraz - Kindheit in Diyarbakir heißt auch, mit Gewalt konfrontiert zu sein| Linsel, Anne und Rainer Hoffmann - Die Jugendlichen wussten, dass sie sich auf uns verlassen konnten| Lu, Zhang - Man kann den ganzen Film auch als Traum von Chang-ho sehen| Ziegenbalg, Oliver - Ich möchte, dass die Menschen so miteinander umgehen wie in meinen Filmen|

Filme in der Diskussion

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KJK-Ausgabe 122/2010

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