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Produktion: Walt Disney Pictures, USA 1993 – Regie und Buch: Stephen Sommers, nach einem Roman von Mark Twain – Kamera: Janusz Kaminski – Schnitt: Bob Ducsay – Musik: Bill Conti – Darsteller: Elijah Wood (Huck), Courtney B. Vance (Jim), Robbie Coltrane (The Duke), Jason Robards (The King) u. a. – Länge: 108 Min. – Farbe – FSK: ab 6, ffr. – Verleih: Buena Vista (35mm)
Ein Kölner Boulevardblatt versah in einer Kurzkritik "Die Abenteuer des Huck Finn" mit dem Prädikat "Nur für Kinder". Beim Betrachten der Neuverfilmung des Stoffes von Mark Twain drängt sich allerdings eher der Verdacht auf, der Film sei vor allem für Mütter gemacht, die ihre eigenen Lausebengel gerne für knapp zwei Stunden gegen Elijah Wood eintauschen möchten. Der elfjährige Nachwuchsstar gibt einen ausgesprochen niedlichen Titelhelden ab, und die Filmemacher waren peinlichst bemüht, ihm oft genug frische Kleider und eine Haarwäsche zu verpassen, um jeden Hauch von Schmuddeligkeit zu vermeiden.
In Form eines Road-Movie erzählt der Film von der Wandlung des Ausreißers Huckleberry, der gemeinsam mit dem entflohenen Sklaven Jim den Mississippi abwärts unterwegs ist. Während Jim in die Freiheit fliehen will, hat Huck nur sein eigenes Vergnügen im Sinn. Erst als sein Begleiter von einem Plantagenaufseher misshandelt wird, begreift der Junge, dass die Sklaverei keine gottgegebene Tatsache ist und setzt sich – fast zu spät – endlich wirklich für Jim ein.
Obwohl mit einigem Aufwand an Kostümen und Kulissen verfilmt, bleibt "Huck Finn" flach und wenig aufregend; die Charaktere wirken beliebig und entwickeln keine Persönlichkeit, und dem uninspirierten Stephen Sommers gelingt es nicht einmal, eine so potenziell gespenstische Szene wie die Kollision des Floßes mit einem Raddampfer im Nebel mitreißend zu inszenieren. An den Abenteuerfilm, der hier wohl eigentlich entstehen sollte, erinnert einzig Bill Contis klassischer Orchestersoundtrack, der schon als Untermalung der liebevoll aus Holzschnitten gestalteten Eröffnungssequenz mit Anklängen von Südstaaten-Dramatik und Squaredance-Fröhlichkeit Erwartungen weckt, die der Film in der Folge ebenfalls höchstens auf musikalischer Ebene einlöst. Die Note "4", die besagte Kölner Zeitung "Huck Finn" verlieh, ist daher gar nicht so aus der Luft gegriffen, auch wenn ihre oben genannte, wahrscheinlich gedankenlos dahingeschriebene Quasi-Begründung ein weiteres Armutszeugnis für den Stellenwert des Kinderfilms und seiner jugendlichen Zuschauer ist.
Bärbel Schnell