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Ausgabe 57-1/1994

EINE GESCHICHTE AUS KROATIEN

PRICA IZ HRVATSKE

Produktion: Urania Film Zagreb, Kroatien 1992 – Regie: Krsto Papic – Buch: Mate Matisic, Krsto Papic – Kamera: Vjekoslav Vrdoljak – Schnitt: Robert Lisjak – Musik: Urban Koder – Darsteller: Ivo Gregórevic, Mustafa Nadarevic, Robert Belinic, Kristijan Ugrina u. a. – Länge: 99 Minuten – Farbe – Weltvertrieb: G.E.L. Distribution, 11075 Santa Monica Boulevard, Suite 200, Los Angeles, California 90025, USA, Fax (...) 1-310-4774447 (35mm) – Altersempfehlung: ab 12 J.

In drei Abschnitten erzählt uns Krsto Papic die Erlebnisse einer kroatischen Familie zwischen 1971 und 1980: Von seinem Bruder Ilja erhält der dreijährige Ivan ein Amulett. Ilja selbst muss vor der jugoslawischen Geheimpolizei fliehen, weil er sich an der Studentenbewegung des "Kroatischen Frühlings" beteiligt hat. Neun Jahre später träumt Ivan davon, ein Rockstar zu werden und in Amerika Karriere zu machen. Mit ein paar Freunden hat er auch schon eine Band gegründet. Außerdem hat er sich in die gleichaltrige Mitschülerin Marina verliebt, der er ewige Treue schwört. Deren Vater aber, ein Geheimpolizist, verbietet Ivan das Haus, weil der Junge christlich erzogen wird und er dessen Familie für politisch unzuverlässig hält. In München, wo Luke, Ivans Vater, auf dem Bau arbeitet, trifft Ivan bei einem Besuch überraschend den geflohenen Bruder wieder. Doch schon am nächsten Tag wird dieser ermordet aufgefunden. Der Vater macht jugoslawische Geheimagenten für den Mord verantwortlich. Als die Mutter bei der Beerdigung eine tödliche Herzattacke erleidet, geht der Junge zu seinem Vater nach Deutschland.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus kehren der inzwischen 20-jährige Ivan und sein Vater in die Heimat zurück. Ivan will Marina wieder treffen, während sich Luke an Marinas Vater für den Tod Iljas rächen will. Als Ivan und Marina heiraten wollen, stellt sich nun Ivans Vater gegen die Verbindung. Bei der Hochzeitsfeier eskaliert der Konflikt zwischen den beiden Vätern.

Beim Frankfurter Kinderfilmfestival 1993 erklärte der kroatische Regisseur, dass er den Film nicht speziell für Kinder gemacht habe. Obwohl in der ersten und dritten Phase des bitteren Familienepos in der Tat Kinder kaum eine Rolle spielen, ist doch der ganze Film weitgehend aus der Perspektive des jungen Helden erzählt. Da Ivan außerdem in allen Abschnitten vorkommt und sich als Identifikationsfigur anbietet, erscheint die formal wie inhaltlich ungewöhnliche "Geschichte aus Kroatien" – zumindest für ältere Kinder – geeignet.

Allerdings setzt Papics Filmdrama bei der Reflexion der politischen Entwicklung Jugoslawiens selbst bei zeitgeschichtlich interessierten erwachsenen Mitteleuropäern zu viel Hintergrundwissen voraus, um alle Anspielungen und Dialogdetails verstehen zu können. Die zentrale Romeo- und Julia-Geschichte ist dagegen auch von jüngeren Zuschauern leicht zu erfassen. Insbesondere die humoristischen Passagen, etwa die wiederholten Ständchen, die der verliebte Ivan seiner angebeteten Marina mit der Gitarre bringt, erleichtern einem kindlichen Publikum den Zugang.

Erfreulicherweise vermeidet der Regisseur angesichts des politisch heiklen Themas allzu simple Erklärungsmuster und Schuldzuweisungen. Mit Blick auf die politische Spaltung der kroatischen Bevölkerung durch das kommunistische Regime Jugoslawiens sagte Papic in Frankfurt: "Meine Vision ist Versöhnung!" Obwohl sein Film den anhaltenden jugoslawischen Bürgerkrieg nicht ausdrücklich behandelt, richtet sich das Plädoyer für Toleranz und Vergebung indirekt auch an die jetzigen Kriegsparteien. Wie schwer jedoch eine wirkliche Aussöhnung zwischen früheren politischen Feinden fallen kann, signalisiert das Schlussbild, in dem Täter wie Opfer und ihre Kinder in eisigem Schweigen an einem Tisch sitzen.

Der Film wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Nach dem ersten Preis beim Festival in Giffoni erhielt er in Frankfurt/Main 1993 den Preis des Internationalen Zentrums für Kinder- und Jugendfilm (CIFEJ).

Reinhard Kleber

 

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