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Ausgabe 57-1/1994

DIE JUNGEN VON ST. PETRI

DRENGENE FRA ST. PETRI

Produktion: Metronome Production A/S mit Det danske Filminstitut und dänisches Fernsehen / Svenska Filminstitutet / Norsk Film AS, Dänemark / Schweden / Norwegen 1991 – Regie: Sören Kragh-Jacobsen – Buch: Sören Kragh-Jacobsen, Bjarne Reuter – Kamera: Dan Laustsen – Schnitt: Leif Axel Kjeldsen – Musik: Jacob Groth – Darsteller: Tomas Jensen, Nikolaj Kaas, Morten Buch Jörgensen, Christian Grönvall, Xenia-Lach Nielsen u. a. – Länge: 110 Minuten – Farbe – Verleih: KJF, BJF-Clubfilmothek (16mm) – Altersempfehlung: ab 12 J.

Spätsommer 1942: Deutsche Truppen haben Dänemark besetzt. Von offizieller Seite wird es ihnen leicht gemacht. Die dänische Regierung ruft die Bevölkerung sogar zur Zusammenarbeit auf. Der Film "Die Jungen von St. Petri" erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von sechs Jungen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren, die eine der ersten Widerstandsgruppen bilden. Zu ihnen gehören die zwei Söhne des Pfarrers der St. Petri Kirche, deren Dachboden der Gruppe als Treffpunkt dient. Jedes neue Mitglied muss hier die erste Mutprobe bestehen und während eines Gottesdienstes den schweren Kristallleuchter langsam von seiner Deckenhalterung lösen und herablassen. Mit derartigen Streichen beginnt auch der Widerstand gegen die Nazis. Als ein Soldatentrupp im Stechschritt – mit Marschmusik und Hakenkreuzfahnen – durch die Stadt zieht, lassen die Jungen eine Puppe, die Hitler als Frau im Büstenhalter darstellt, von einer Hauswand herabbaumeln und machen damit das Verhalten der Deutschen lächerlich. Die Aktionen der Schüler verlieren ihren spielerischen Charakter, als Otto, ein Arbeiterjunge, zu ihnen stößt. Er verfügt über Waffen und kennt das militärische Lager der Besatzer. Mit seiner Hilfe verüben die Jungen dort einen Einbruch in ein Büro. Entgegen der Absprachen jedoch legt Otto dort Feuer und verursacht dadurch einen Konflikt innerhalb der Gruppe. Während Sören sich Widerstand mehr intellektuell vorstellt ("Wir sollten lieber über Moral, Disziplin und Strategie sprechen ..."), treibt Otto, von Sören als "mieser kleiner Proletarier" beschimpft, den Widerstand voran. Als die Jungen bei dem Versuch, im Güterbahnhof einen Sprengsatz zu legen, entdeckt werden und über unterirdische Gänge fliehen, werden sie von einem jungen Deutschen überrascht, den sie, voller Panik, mit ihren Waffen bedrohen. Spätestens hier ist allen klar, dass aus dem Spiel längst tödlicher Ernst geworden ist. Der nächste Anschlag auf einen Zug, der Waffen transportiert, gelingt, doch die Jungen werden entdeckt und verhaftet. Nur Otto gelingt die Flucht mit dem Schiff. Mit der Inhaftierung der Jugendlichen. so heißt es im Abspann, formiert sich der Widerstand in Dänemark.

Protestlaune und Abenteuerlust sind zu Beginn die eigentlichen Motive für den Widerstand der Jungen, in deren Welt Politik zunächst eine untergeordnete Rolle spielt. Die beiden Brüder Lars und Gunnar lieben dasselbe Mädchen, das sich schließlich für Lars entscheidet. Der Einbruch in das Militärlager gibt Gunnar zugleich die Möglichkeit, seinen enttäuschten Gefühlen Luft zu machen. Mit dem Organisten und Juden "Rosen" diskutieren sie leidenschaftlich die Frage, ob das Leben der Menschen festgelegt ist oder ob sie Einfluss auf ihr Schicksal nehmen können. In der Schule proben sie für eine Hamlet-Aufführung. Diese spielerische Welt der Gymnasiasten wird erst durch Otto gebrochen, der mit dem Widerstand ernst macht. Ein Wechsel zwischen den überwiegend warmen braunen Farbtönen und blauem Licht in gefährlichen Situationen unterstreicht diesen Kontrast zusätzlich.

Der Film "Die Jungen von St. Petri" zeigt eine Welt, in der es viel zu entdecken gibt. Angefangen von den aufwändig gestalteten Kulissen wie dem Dachboden der Kirche, einer Brauerei, dem Militärgelände mit Güterbahnhof und unterirdischen Gängen bis hin zu den Erlebnissen in der Gruppe, in der Mut, Vertrauen und Solidarität auf die Probe gestellt werden. Erfahrungen, die nicht nur im Widerstand wichtig sind. Sören Kragh-Jacobsen, dem Regisseur u. a. von "Goldregen", ist es wieder einmal gelungen, mit jugendlichen Laiendarstellern in den Hauptrollen, einen fesselnden Film zu machen. Sein Tempo und seine Erzählfreudigkeit ziehen sowohl Kinder als auch Erwachsene in Bann.

Justine Schuchardt

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 57-1/1994 - Kinder-Film-Kritik - Die Jungen von St. Petri
KJK 57-1/1994 - Kinder-Film-Kritik - Die Jungen von St. Petri

 

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