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Ausgabe 50-2/1992

GUDRUN

Produktion: Geissendörfer Film- und Fernsehproduktion, in Koproduktion mit Maran-Film und B. A. Produktion, Bundesrepublik Deutschland 1992 – Regie: Hans W. Geissendörfer – Buch: Fitzgerald Kusz, Hans W. Geissendörfer – Kamera: Hans-Günther Bücking – Schnitt: Annette Dorn – Darsteller: Kerstin Gmelch (Gudrun), Barbara Thummet (Sophie, die Großmutter), Roman Mitterer (Fritz), Veronika Freimanova (Lotte, die Mutter), Bernd Tauber (Albert, der Vater) u. a. – Laufzeit:97 Min. – Farbe – FSK: ab 12, ffr. – Verleih: Filmverlag der Autoren (35mm) – Altersempfehlung: ab 12 J.

Ein kleiner Ort in der Nähe von Nürnberg Ende des Zweiten Weltkrieges: Die zwölfjährige Gudrun lebt bei ihrer Großmutter, von der Mutter dorthin abgeschoben, um deren Liaison zu einem SS-Obersturmbannführer nicht zu stören. Der Vater kämpft an der Front. In ihrer Einsamkeit schließt sich Gudrun eng mit dem fast gleichaltrigen Fritz zusammen, der wegen eines angeblichen Diebstahls, vor allem aber wegen der politischen Haltung seines Vaters, des Ortspfarrers, aus der Hitler-Jugend ausgeschlossen wurde. Die beiden Außenseiter erzählen sich ihre kleinen Geheimnisse, und eines Tages, als sie Blutsbrüderschaft schließen, vertraut ihm Gudrun ihr größtes Geheimnis an: Seit einiger Zeit ist ihr Vater desertiert und versteckt sich bei der Großmutter im Keller. Fritz verrät Gudruns Vater an den Ortsgruppenleiter, um wieder "Pimpf" sein zu dürfen, sich wieder in die Gemeinschaft einzukaufen. Zwar warnt der Ortsgruppenleiter noch Gudruns Großmutter und der Vater flieht vor den Nazi-Schergen. Aber er wird gefangen und zum Tode verurteilt. Zu spät begreift Fritz die tödlichen Folgen seines Verrats.

In elegischen Bildern entwirft Hans W. Geissendörfer eine trügerische Idylle, die von Angst, Denunziation und Ideologie gebrochen wird. Die einfache Geschichte aus der deutschen Provinz berührt durch bewusst schlichte Bildsprache, auch wenn sie wohl besser auf dem kleinen Fernseh-Bildschirm wirkt als auf der großen Leinwand. Ein ehrlicher und spröder Film über den Faschismus des Schweigens in der Provinz, über Mitläufertum und den Widerstand im "Kleinen". Es geht um Schuld und Unschuld, wobei sich die Grenzen als fließend erweisen. Niemand spielt den großen Helden. Die Großmutter (Barbara Thummet erhielt für ihre Leistung bei der Preisverleihung der Berlinale eine "Lobende Erwähnung") will überleben, zeigt eine gesunde Menschlichkeit, agiert weniger aus politischen Gründen, sondern aus "Gerechtigkeitsgefühl".

Geissendörfer erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Hauptfigur Gudrun. Bestechend die schauspielerische Präsenz der jugendlichen Darsteller, auf deren Gesichtern sich alle Ahnungen, Emotionen und Sehnsüchte widerspiegeln. Es ist aber auch ein Film über das Erwachsenwerden, über die harten Enttäuschungen, die diesen Prozess begleiten. Und wenn am Ende Gudrun die Märchenerzählung der Mutter zurückweist ("Märchen mag ich nicht mehr"), spürt man fast physisch den Schmerz einer abrupt zu Ende gekommenen Kindheit.

Margret Köhler

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 50-2/1992 - Interview - "Das Kino ist eine phantastische Faszination"

 

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