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Ausgabe 50-2/1992

SPRACHE DER VÖGEL

SPRACHE DER VÖGEL

Produktion: Deutscher Fernsehfunk, Bundesrepublik Deutschland 1991 – Regie und Buch: Fred Noczynski – Szenarium: Gabriele Gottschall – Dramaturgie: Konstanze Hupe – Kamera: Ralf Neubert – Schnitt: Juliane Gemmecke – Darsteller: René Kretschmann (Thomas), Kurt Böwe (Opa), Ursula Karusseit (Oma), Katharina Tomaschewsky (Mutter) u. a. – Laufzeit: ca. 80 Min. – Farbe – Altersempfehlung: ab 10 J.

"Tod kann man nicht spielen", meint Thomas und steht von seiner liegenden Position wieder auf. "Tot sein ist wie ewiger Schlaf", sagt die Mutter. Was Schlaf ist, weiß Thomas, aber was ist ewig?

Im letzten Kinderfilm des aufgelösten DFF, "Sprache der Vögel", erzählt der Regisseur die Geschichte eines fünfjährigen Jungen. Thomas erlebt den Tod seines Großvaters und versucht, auf seine Weise das Phänomen Tod zu verstehen. Mit einem dramaturgischen Kunstgriff, der geschickt ständig eingeblendeten Rückblende, die als Bilder im Kopf des Kindes zu sehen sind, ist der Opa immer wieder lebendig. Mit den Auskünften, Erklärungen und eigenartigen Verhaltensweisen der Erwachsenen, die sich plötzlich so ganz anders geben, kann er eigentlich nichts anfangen. Thomas versucht, allein für sich klarzukommen – und ständig ist der Opa gegenwärtig. Er sieht ihn z. B. durchs Fenster aufgebahrt, nur die riesigen schwarzen Schuhe erkennend, um sich sofort an eine ähnliche Situation zu erinnern – Opa beim Mittagsschlaf.

Dieser Opa, gespielt von dem – in den neuen Bundesländern sehr bekannten – Kurt Böwe, ist wohl einer, wie man ihn sich so richtig wünscht: der immer Zeit und Geduld hat, der den kleinen Enkel ernst nimmt, der viele Geschichten erzählt, die meistens auch wahr sind. Er ist ein Opa, der eine phantastische Vogelzwitscher-Sprechmaschine gebaut hat, der stundenlang über Vögel nachdenken und sprechen kann. Dieses ist auch der Grund, weshalb der Opa und Thomas sich vorgenommen haben, eines Tages die Sprache der Vögel zu verstehen. "In meinem nächsten Leben möchte ich ein Vogel sein!", sagt der Opa zu Thomas. Der Titel des Filmes mag vielleicht verwirren. Vögel stehen nicht im Mittelpunkt, sie ziehen aber in den warmen Süden. Opa hatte Thomas versprochen, dass sie beide eines Tages auf eine große Reise gehen würden. Nun kommen Männer im großen schwarzen Auto und holen ihn ab! "Halt", schreit Thomas, "wo bringt ihr meinen Opa hin? Er wollte mich doch mitnehmen!"

Fred Noczynski (Jg. 1939) greift ein Tabu-Thema – jedenfalls für einen Kinderfilm – auf. Es gelingt ihm, über Fröhlichkeit an das Thema Tod heranzukommen. Er erklärt einfach und schlüssig das, was Kinder ständig im eigenen Lebensumfeld erfahren, aber schwer nachvollziehen können. Er hilft auch, gerade Erwachsenen, die Sprache über das Sterben zu finden.

Viele Bilder werden miteinander verbunden, assoziiert: Die Leiter symbolisiert die Abschnitte des Lebens, die Ahnentafel stellt lebende und tote Menschen vor. "Wieso fehlen da die Zahlen?", fragt Thomas, "wir leben doch noch", antwortet der Opa. Diese Bilder setzen sich fort wie z. B. das Feuer beim Grillen, das Holz wird zu Asche. Später findet Thomas Asche in der Urne ...

Der Film "Sprache der Vögel" wurde im Rahmen der Veranstaltung 'Kinderfilme auf dem Prüfstand' des Bundesverbandes Jugend und Film und des Jugendhofes Scheersberg vor Medienpädagogen aus Ost und West vorgestellt. Fazit: Dieser Film macht keine Angst, er macht traurig. Solche Filme brauchen wir! Von den gezeigten Spielfilmen erhielt "Sprache der Vögel" die höchste Bewertung, gefolgt von "Valby, das Geheimnis im Moor" und "Danny, der Champion". (Fred Noczynskis Film wurde bisher einmal im Deutschen Fernsehfunk der Länderkette am 20.11.91 gezeigt). Zurzeit bemüht sich Fred Noczynski, wie übrigens fast alle anderen Regisseure des "abgewickelten" DFF, mit juristischen Schritten an die "angemessenen Urheberrechte" zu kommen.

Ulrich Ehlers

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 53-2/1993 - Interview - Schwer, aber nicht hoffnungslos

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.SPRACHE DER VÖGEL im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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