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Ausgabe 50-2/1992

"Dieses Sommer-Sonne-Wind-Urlaub-Gefühl überspringen lassen"

Gespräch mit Kai Wessel über seinen Film "Das Sommeralbum"

(Interview zum Film DAS SOMMERALBUM)

Das folgende Interview führte KJK-Mitarbeiter Reinhard Kleber beim Max-Ophüls-Filmfestival in Saarbrücken Ende Januar 1992.

KJK: Für welches Publikum ist der Film geplant?
Kai Wessel: "Ursprünglich war er als Familienfilm geplant. Das wollen wir auch beibehalten. Wir zeigen ihn hier in Saarbrücken auf einem Erwachsenen-Festival, danach in Berlin auf dem Kinderfilmfest. Je nachdem, wie die Reaktionen sind, werden wir sehen, ob sich das Konzept des Familienfilms aufrechterhalten lässt."

Gibt es schon Interessenten für den Kinoverleih?
"Ja, aber der Film ist schwierig zu handhaben. Man muss versuchen, in ganz bestimmte Kinos zu kommen, die ein Stammpublikum haben. Ich glaube, man kann ihn nicht in jedes Kino 'dütschen', dann geht er unter."

Wie bist Du nach Deinem ersten langen Spielfilm "Martha Jellneck"auf diese Geschichte gekommen?
"In 'Martha Jellneck' geht es um eine alte Frau und das Dritte Reich; es ist ein Kammerspiel mit einer starken gesellschaftspolitischen Komponente. 'Das Sommeralbum' ist ein Sommerfilm. Das sind zwei völlig verschiedene Sachen. Dennoch sind Autorin, Regisseur, Kameramann und Produzent dieselben. Die Geschichte ist von der Autorin ausgegangen. Da gab es eine klassische Aufgabenteilung."

Wie habt Ihr den Schauplatz Kurische Nehrung gefunden?
"Der Film sollte ursprünglich in Schleswig-Holstein oder der Mark Brandenburg spielen. Wir hatten jedoch große Finanzierungsschwierigkeiten; der Film war daher in Deutschland eigentlich nicht mehr zu drehen. Wir hatten das Glück, dass es dieses Koproduktionsangebot von sowjetischer Seite gab. Die haben das Buch gelesen und zugesagt. Das hieß für uns natürlich umdenken: Wo findet man in der Sowjetunion eine Landschaft für diese Geschichte, die sehr deutsch ist. Da kam Beate Langmark, die Autorin, auf die Idee, dass man doch die Kurische Nehrung angucken sollte, weil die halt mal im Einflussbereich Deutschlands lag. Das war ja mal Ostpreußen."

Der Film spielt ja größtenteils im oder beim früheren Ferienhaus von Thomas Mann an der Ostsee. Wie seid Ihr auf dieses Kleinod gestoßen?
"Wir haben uns viele Bücher über die Kurische Nehrung gekauft, da kommt das Thomas-Mann-Haus natürlich vor. Außen ist es fast gleich geblieben, ein bisschen ist es noch gestrichen worden. Innen ist sehr viel renoviert worden."

Wer ist der Koproduktionspartner?
"Das ist ein Deutscher, der vor Jahren nach Odessa gegangen ist, um Filme zu drehen. Mit der Überlegung, in der Sowjetunion große Filme zu produzieren, die man international verkaufen kann, hat er sich mit einem Russen zusammengetan. Die beiden haben eine GmbH gegründet, genau wie wir, und produzieren jetzt Filme."

Wie wurden die Kinderdarsteller gefunden?
"Wir hatten relativ wenig Zeit, denn es war klar, dass wir wegen der Kinder nur in den Sommerferien drehen konnten. Außerdem war erst ein Dreiviertel- oder halbes Jahr vorher erst wirklich klar, dass die Zusammenarbeit mit den Russen funktioniert. Ich habe auch parallel, also vor dem 'Sommeralbum', einen anderen Film gedreht – "Geboren 1999' –, das ist ein Fernsehfilm über ein 16-jähriges Adoptivkind, das im Jahr 2015 seine genetischen Eltern sucht. – Wir haben praktisch aus Filmen rekrutiert, bis auf dieses Mädchen, das die Marialies spielt, die Freundin von Josefine. Die beiden Jungs haben schon gespielt, der Jan Hinrichsen, der den kleineren Bruder spielt, bei Arend Agthe in 'Wunderjahre', und Wanja Mues ist der Star bei der Serie 'Hagenbeck'."

Und wie war das bei der Hauptdarstellerin Hanna Mattes und ihrer Mutter Eva Mattes?
"Von der Entstehung bis zur Realisierung des Buches sind zweieinhalb Jahre vergangen. Da kann man noch nicht über Kinder nachdenken, weil die Kinder halt in dieser Zeit wachsen. Da fängt man an, die Eltern zu besetzen. Für mich kam spontan Eva Mattes in Frage, weil ich erstens gerne mit erfahrenen Schauspielern arbeite, weil man selbst dadurch auch sehr viel lernt, und weil sie zweitens vom Typ her sehr gut in diese Zeit passt. Sie wollte die Rolle der Mutter gerne spielen und wir trafen uns dann bei ihr zu Hause. Ich hab' die Hanna da eigentlich nur zufällig entdeckt. Ich wusste gar nicht, dass Eva eine Tochter hat."

Wie war die Zusammenarbeit mit den Kindern?
"Die hat ganz fabelhaft geklappt. Die Situation in Litauen hat sicher dazu beigetragen. Dass man eben sechs Wochen weg war von Deutschland, weit weg. Du konntest kaum telefonieren, also nur mit Anmeldung, dann musstest du zwei Stunden neben dem Telefon sitzen und warten, dass ein Rückruf kommt. Man war also völlig abgeschnitten da. Das hat unter vielen so einen Charakter eines Familienausflugs bekommen. Das Wetter war schön und die Landschaft, und die Ostsee war da und der Strand."

Der Film wurde ja im Sommer gedreht, er ist aber nicht nur sehr hell, sondern hat auch außergewöhnlich warme Farben. War das von Anfang an so beabsichtigt?
"Entscheidend war, dass dieser Film, der von der Fotografie handelt, auch gut fotografiert sein muss, sonst wäre es ein Widerspruch in sich. Es war auch klar, dass der Film entscheidend von den Lichtstimmungen geprägt sein würde, inwieweit wir es also schaffen, dieses Sommer-Sonne-Wind-Urlaub-Gefühl auf den Zuschauer überspringen zu lassen. Das hängt natürlich in erster Linie vom Licht ab, man braucht also Sonne. Wir waren drei Wochen vor Drehbeginn da, der Kameramann und ich, und haben Motive gesucht. Das war wettermäßig die absolute Katastrophe. Es gab nicht einen Tag, wo es nicht geregnet hat. Mit der Ankunft von Hanna und Eva zwei Tage vor Drehbeginn kam die Sonne und hielt sich bis auf ein, zwei Tage sechs Wochen lang. Das war phänomenal."

Noch Mal zurück zu den warmen Farben. Waren die so geplant?
"Die Kopie ist durch ein Bleichbad gezogen worden, das ruft diesen warmen Effekt hervor, es entsättigt die Farben. Dadurch bekommt das Ganze etwas Weicheres, Warmes und nicht so Buntes."

Ich habe Bedenken wegen der gestelzten Oberschichtsprache mit antiquierten Redewendungen, die die Figuren im Film sprechen. Ist diese alte Sprache nicht zu steif geraten?
"Die Menschen haben früher tatsächlich anders gesprochen als heute, das muss man bedenken. Die Sprache ist sehr konsequent durchgehalten, es gibt nirgendwo Brüche in der Sprache. Ich finde, das hat die Autorin hervorragend gemacht. Was vor allem die Kinder erstaunlich gut geschafft haben, ist, diese Sprache auch zu beseelen, was für Kinder natürlich auch noch viel schwieriger ist, vor allem für Hanna, die ja erst elf ist. Die Sprache ist ein klares Stilmittel des Films, was auch zu einer Abstraktion beiträgt von heute. Diese Geschichte, die ja sehr klein und einfach ist, heute erzählt, würde überhaupt nicht mehr funktionieren, weil sie einfach in die heutige Zeit nicht passt. Auch die Sprache vergrößert diesen Abstand zur Vergangenheit."

Interview: Reinhard Kleber

 

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