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Ausgabe 51-3/1992

HOWARDS HANDEL

HOW'S BUSINESS

Produktion: The Children's Film Unit / TV Foundation, Großbritannien 1991 – Regie und Buch: Colin Finbow – Kamera: Trupti Magecha – Schnitt: Colin Finbow – Musik: Mike Read – Darsteller: Ben Brazier (Howard), Victoria Baker (Anna) u. a. – Laufzeit: 75 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Rank Film Distributors, 127 Wardour St., GB-London W 1 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Im Frühjahr 1944 werden wegen der deutschen Bombenangriffe viele Londoner Kinder evakuiert. Auch der etwa zehnjährige Howard kommt zu Verwandten aufs Land. In der neuen Umgebung findet er wie die gleichaltrige Anna, die mit ihrer jüdischen Mutter vor den Nationalsozialisten aus Deutschland geflohen ist, nur schwer Kontakt. So freunden sich die beiden Außenseiter bald an und treffen sich gelegentlich in einem geheimnisvollen alten Haus. Als der regelmäßige Brief der Mutter einmal ausbleibt, fährt der besorgte Junge allein nach London. Dort findet er seine Ahnungen bestätigt: Das Elternhaus wurde von Bomben zerstört, seine Mutter liegt verletzt im Krankenhaus. Am Krankenbett trifft er seinen Vater, der von der Armee Heimaturlaub bekommen hat. Am nächsten Tag bringt er Howard zu den Verwandten ins Dorf zurück. Inzwischen ist Anna verschwunden, weil man sie verdächtigt hat, feindlichen Fliegern heimlich Signale gegeben zu haben. Doch Howard hält sie für unschuldig und setzt sich für sie ein.

Mit ihrem 14. Spielfilm knüpft die Londoner Children's Film Unit (CFU) an die beachtliche Leistung von "Hard Road" an, der beim Frankfurter Kinderfilmfestival 1989 einen 'Lukas' gewann. Im Vergleich zum enttäuschenden Vorgänger "Überlebenstraining" ist es dem Team um Regisseur Colin Finbow hier wiederum gelungen, eine spannende Geschichte in ansprechender Form zu erzählen. Wie bei der CFU üblich, übernahmen bis auf Regie und Produktion speziell dafür trainierte Kinder Aufgaben wie Kamera, Licht, Ton usw. So wurde die Kamera von einem 15-jährigen Mädchen geführt, wie die Produzentin Brianna Perkins beim Kinderfilmfest der diesjährigen Berlinale berichtete. Auch an der Stoffentwicklung waren Kinder beteiligt. Während in den vergangenen zehn Jahren in der CFU die Themen meist selbst gefunden und entwickelt wurden, beruht "Howards Handel" auf einer Buchvorlage, dem gleichnamigen Roman von Alison Prince.

Wie schon bei den letzten CFU-Produktionen, muss sich der verantwortliche Regisseur Colin Finbow wegen einiger dramaturgischer Schwächen auch dieses Mal die Frage gefallen lassen, warum er trotz solcher vorher erkennbaren Mängel nicht resoluter eingreift. So zieht sich etwa Howards Fahrt auf eigene Faust doch arg in die Länge und der merkwürdigen Zufälle gibt es etwas zu viele. Auch ein so gravierender Anschlussfehler wie ein eingegipstes gebrochenes Schlüsselbein, das am folgenden Tag schon wieder problemlos bewegt werden kann, lässt sich nicht mit der Beteiligung von Kindern an einer Low-Budget-Produktion entschuldigen.

Natürlich lernen Kinder und Jugendliche aus Fehlern, doch solche Spielfilme stellen sich ja dem öffentlichen Vergleich mit professionellen Produktionen. Nicht nur für Besucher internationaler Festivals und die Zuschauer des britischen Fernsehens, das die Filme ausstrahlt, sondern auch für Kinderkinobesucher dürfte die Qualität des Endprodukts wichtiger sein als die außergewöhnlichen Umstände der Entstehung.

Gleichwohl beeindruckt der Film durch den präzisen Blick für die psychologischen Folgen des Kriegsterrors. Während sich die einheimischen Zivilisten solidarisch zusammenschließen und einander stärker helfen als in Friedenszeiten, breiten sich irrationale Ängste gegen Fremde und Ausländer umso stärker aus. Wie am Beispiel der Jungenbande im Dorf gezeigt wird, übernehmen in solchen Krisensituationen Kinder gerade die Vorurteile abergläubischer Erwachsener besonders gern. Umso wichtiger erscheint das Verhalten des Jungen, der sich davon nicht beirren lässt und an seiner Freundschaft zur Außenseiterin festhält. Besonders sympathisch wirken Howards Einfallsreichtum und Ausdauer bei der Bewältigung von Hindernissen.

Reinhard Kleber

 

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